„The lean, mean Profit-Machine…!“

„The lean, mean Profit-Machine…!“

1969 war ich das erste Mal bei den ‚Golden Arches‘ in USA und erstand eine weiße Tüte mit Essen. Beim Warten schoss mir der Gedanke der Profit-Maschine durch den Kopf.

#leanmagazin
am 16. 01. 2016 um 17:20 Uhr in LeanMagazin von Gero F. Weber


Als ich kauend so auf der vorderen Sitzbank eines Straßenkreuzers dem Treiben hinter den großen, hell erleuchteten Scheiben zusah, erschrak ich innerlich doch ein wenig. Niemand saß gemütlich an einem Tisch. Lediglich – auf Ellbogen gestützt – inhalierten die Kunden, was sie, zwischen weichen, schaumstoffartigen, einem Brötchen ähnelnd, aus den Tüten herausgefischt hatten.

Die Bedienung hinter dem Tresen hatte trotz ihrer abgestimmten Bewegungen – in präzisen, sich wiederholenden Abläufen, ihren ‚Kundenkontakt‘ auf ein Minimum beschränkt. Die Essensbündel wurden in Rutschen gestapelt, oder portioniert aus brodelnden Körben herausgeangelt – natürlich mit Spezialwerkzeugen, die ich bis dahin noch nie gesehen hatte. Alles war eher eine Maschinenbedienung, synchronisiert mit übergreifenden Abläufen: kein Schlupf, keine Entscheidungsmöglichkeit, kurz: Fließbandarbeit, für jeden sichtbar unter Beachtung penibler Reinlichkeit.

Nun war McDonalds zu jener Zeit ein rein amerikanisches Unternehmen, mit wenig (wenn überhaupt) irgendwelchen nennenswerten Auslandsaktivitäten. ‚Das würde in Deutschland nie funktionieren‘, dachte ich bei mir: kein Bier, kein Wein zum Essen; nur Kaffee, Cola, oder anderes Zuckerhaltiges aus Pappbechern. Das Fassungsvermögen wurde jeweils mit Eis(würfen) reduziert! Die wahrnehmbare Hektik, die einen maximalen Durchsatz ermöglichte, lud mich nicht ein, an einem Tisch Platz zu nehmen. Ich zog die Privatsphäre in einem Straßenkreuzer vor.

Was mich betrifft, so war ich Zeuge einer neuen Ära: ‚Hamburger Flipping‘ ein Arbeitsbereich (Beruf ist zu hoch gegriffen), den es als acht-stündige Tätigkeit so noch nicht gab; höchst spezialisierte Zulieferer waren Teil der Wertschöpfungskette: umfassender Kartoffelanbau, Ein-Produkt-Großbäckereien, punktgenaue Logistik, solide Kühlketten und ein (neuer) Niedriglohn-Sektor.

Spezialisierung vom Feinsten, Abläufe verkettet, und alles, was nicht zu dynamischen, engpassfreien Durchsatz (sprich ROI) führte, wurde einfach weggelassen. Nach und nach drängten sich Nachahmer und Varianten in diesen Markt. Konkurrenz, das wissen wir, gibt es immer dann, wenn (auch) andere meinen, dass in diesem Segment etwas verdient werden kann. Was bis heute geblieben ist: die menschliche Arbeitskraft – eines der Elemente der Wertschöpfung, musste immer wieder minimiert werden. Effizienz!


Kommentare

Bisher hat niemand einen Kommentar hinterlassen.

Kommentar schreiben

Melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Teilen

Ähnliche Inhalte

Hier findest Du weitere Inhalte zu dem von Dir gewählten Thema. Bei diesen Vorschlägen handelt es sich um eine Auswahl an Inhalten, welche wir insgesamt für Dich auf der LeanBase zur Verfügung stellen.

Denkrahmen und Lösungswege

Denkrahmen und Lösungswege

Beitrag auf LeanPublishing
am 09. 05. 2016 um 16:07 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Wie Albert Einstein schon schrieb, bestimmt die Theorie, was wir beobachten können. Das gilt auch für unsere Alltagswahrnehmung, die durch unsere gelernten Denkmuster bedingt wird. Je...

#JanineFragtNach bei Jacqueline Rahemipour

#JanineFragtNach bei Jacqueline Rahemipour

Podcast auf LeanPublishing
am 10. 02. 2018 um 20:17 Uhr
Kanal: JanineFragtNach

#JanineFragtNach bei Jacqueline Rahemipour , Scrum Masterin & Agile Coach bei sipgate

ERP-MousePad

ERP-MousePad

Belohnung auf LeanOnlineAcademy
250 Punkte
Lean Management: Das moderne Unternehmenskonzept

Lean Management: Das moderne Unternehmenskonzept

Buch auf LeanBooks
Kategorie: Lean Management

von Karl-Heinz Sohn

Wer war Elton Mayo?

Wer war Elton Mayo?

LernModul auf LeanOnlineAcademy
12 Punkte
Kaegorie: Persönlichkeiten

Elton Mayo war ein australischer Soziologe. Als Initiator der Hawthorne-Studien begann er in den 1930er Jahren Verfahren zur Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen im Betrieb zu...

Die Sterne fallen nicht vom Himmel ... Folge 101

Die Sterne fallen nicht vom Himmel ... Folge 101

Podcast auf LeanPublishing
am 25. 06. 2018 um 19:15 Uhr
Kanal: Interview mit Dr. h.c. Any Nemo

Wenn man durch die marmorne Eingangshalle des Verwaltungsgebäudes von WMIA Incorporated schreitet - einfach nur durchzugehen oder gar zu laufen, wäre ein Sakrileg - dann fliegt einen eine...

Richtig wetten spart Bürokratie

Richtig wetten spart Bürokratie

Beitrag auf LeanPublishing
am 05. 09. 2016 um 10:35 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Ein zentraler Aspekt von KVP, Kaizen, TQM, Lean, TPS … ist, Verschwendung (Muda) zu vermeiden. Berater und Anwender der Konzepte stecken viel Kraft und Zeit in die Entwicklung von Methoden....

The Toyota Way To Lean Leadership

The Toyota Way To Lean Leadership

Video-Beitrag auf LeanPublishing
am 01. 08. 2017 um 11:11 Uhr
Kanal: LeanMagazin

This is the keynote talk given by Jeffrey Liker at the Canadian Manufacturers & Exporters Lean conference in Winnipeg, Manitoba, Canada on June 7, 2012.