Prof. Dr. Walter Simon warnt vor Psycho-Quacksalbern und Erfolgsaposteln in Training und Coaching

Prof. Dr. Walter Simon warnt vor Psycho-Quacksalbern und Erfolgsaposteln in Training und Coaching

Volksverdummung statt Persönlichkeitsentwicklung – Training und Coaching unter der Lupe, lautet der provokante Titel des neuen Buches von Prof. Walter Simon aus Bad Nauheim. Das Buch erschien zugleich als E-Book.

#leanmagazin
am 09. 09. 2016 um 11:02 Uhr in LeanMagazin von Prof. Walter Simon


20 Verlage, darunter Campus, Gabal und Klett-Cotta, haben es abgelehnt, dieses Buch zu veröffentlichen. Häufige Antwort in Telefonaten: „Sie haben in allem recht, aber mit den von ihnen benannten Themen und Autoren verdienen wir unser Geld.“
Prof. Simon musste daher den Weg des Self-Publishing gehen.

Wir, von Lean Magazin, möchten Ihnen mit unserer offenen Plattform vieles von dem, was Prof. Dr. Walter Simon in seinem Buch „Volksverdummung“ niedergeschrieben hat, jedoch nicht vorenthalten und haben daher den Autor gebeten, Auszüge aus seinem Buch bei uns zu veröffentlichen.

Zunächst werden wir das zuvor genannte Buch vorstellen und ab September 2016 an jedem zweiten und vierten Freitag eines Monats seine durchaus provokanten Denkanstöße veröffentlichen. Und wer Prof. Simon bereits kennt, weiß, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt.

Buchvorstellung

In Deutschland sind mehrere Zehntausend Trainer, Berater und Coaches unterwegs, die den Weg zu Glück und Erfolg weisen. Persönlichkeitsentwicklung, Selbst- und Zeitmanagement, Kommunikation, Rhetorik, Positives Denken, Motivationstraining und Eigenprogrammierung werden als Erfolgsrezepte gepriesen. Die Rolle von Regenmachern ist heute, so Simon, auf Persönlichkeitsentwickler, Glückscoaches und Erfolgsberater übergegangen. Der Markt für Persönlichkeitsentwicklung und Selbstoptimierung hat sich zum Tummelplatz für Halbwahrheiten und Humbug, für Mumpitz und Firlefanz, entwickelt. Auf ihm bieten ganze Heerschaaren von Spinnern und Dilettanten obskure Seminare, Beratung und Bücher an.

Wirtschaftstrainer und Coaches mögen sich angegriffen fühlen, aber der Autor weiß, wovon er spricht. Er schreibt mit dem Wissen und der Erfahrung aus dreißig Berufsjahren als Wirtschaftsprofessor, -trainer und -berater. Seit zwölf Jahren ist er Prüfer der Offiziellen Qualitätsgemeinschaft internationaler Wirtschaftstrainer und –berater e.V. Zwanzig Management-bücher stammen aus seiner Feder. 2006 gewann er den Internationalen Trainerpreis in Silber des Bundesverbandes Deutscher Führungs- und Verkaufstrainer.

Der Autor Walter Simon schlägt in 14 Kapiteln einen Bogen von den Ursachen des neuen Persönlichkeitsbooms über diverse Einzelthemen bis hin zu den modernen Glücksdruiden und Erfolgsgurus. Die Ursachen für den Ego-Trip nach innen sieht er im Neoliberalismus mit seinem bis auf das Individuum heruntergebrochenen Optimierungsdiktat. Die zunehmende Arbeitsbelastung und die Psychoinflation in den Medien machen Menschen empfänglich für Psycho-Schnickschnack und Erfolgszauber.

Wer als Trainer, Coach oder Buchautor anderen Menschen verspricht, Persönlichkeit zu entwickeln, betreibt für Simon Quacksalberei. Er begründet dieses mit der aktuellen Hirnforschung, nach der die Persönlichkeit eines Menschen zu etwa 80 Prozent genetisch vorgeprägt sei. Die unbewußten Prägungen aus der frühen Kindheit wirken wie ein Gerippe, vor allem auf der Ebene des Temperaments und der Intelligenz.

Zeitmanagement als Rezept gegen Stress hat sich, so Simon, ausgelebt. Der Kampf um Zeitsouveränität erinnert an das Volksleiden ‚Übergewicht‘, das trotz ständiger neuer Titelgeschichten und ‚Wunderdiäten‘ niemals geheilt werden konnte. Der Autor ist sich mit der modernen Zeitsoziologie einig, daß Zeitknappheit die Folge von technisch ausgelösten Zeitgewinnen ist. Trotz enormer Zeitgewinne durch Raumschrumpfung mittels hochmoderner Verkehrsmittel und sekundenschneller E-Mail-Kommunikation wird Zeit immer knapper. Alles was dauert, dauert zu lange.

Das Zaubermittel für Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung, die Neuro-Linguistische Programmierung, ist für den Autor unterhaltsamer Budenzauber, mit dem man seinem Angebot einen verkaufsfördernden pseudowissenschaftlichen Anstrich gibt. Es hält aber keiner wissenschaftlichen Überprüfung stand.

Zu den Showevents von Motivationstrainern und -gurus meint Simon, daß sie die Wirkung eines Durchlauferhitzers haben, bei dem das Wasser schnell wieder abkühlt. Rhetoriktrainings sind für ihn reine Geldverschwendung. Aus einem introvertierten Schweiger kann man keinen Cicero machen.
Wer es mit Positivem Denken und esoterischem Firlefanz versucht, muß wissen, daß sich diese nicht einmal als Placebo eignen, denn mangelnde Qualifikation, fehlende Begabung oder Umfeldbedingungen sind nicht ersetzbar. Esoterik ist für Simon die Ideologie der Dummheit. Sie dient dem Rollback von Vernunft und Aufklärung.

Wer als Henne ein Persönlichkeitsentwicklungsseminar besucht, um es als Adler zu verlassen, wird erfahren, daß man aus Alltagsweisheiten vom Schlage Triviali banali kein Gold schöpfen kann. Für den Leser wird deutlich, daß Erfolg nicht allein das Resultat von Willen und Disziplin, sondern situationsbedingter und wechselwirkender Kräfte ist.
Simons Fazit hierzu: Erfolg setzt Leistung voraus, aber Leistung garantiert keinen Aufstieg. Leistung und Erfolg entkoppeln sich zunehmend. Leistung hemmt den Abstieg, aber das ist heutzutage auch schon ein Erfolg.

Ein gesondertes Kapitel gilt den Alt- und Neugurus der Erfolgsszene, unter anderen dem ‚Motivationspapst‘ Jürgen Höller, ‚Europas Money-Coach‘ Bodo Schäfer und der ‚Tschaka-Quasselstrippe‘ Emil Ratelband. Die ‚Weisen‘ und ‚Wissenden‘ der Erfolgs- und Selbstoptimierungsbranche werben weiterhin mit der patinabehafteten Blaupause ‚vom Tellerwäscher zum Millionär‘. Schon in früheren Publikationen hat sie Simon als Spinner und Psychoscharlatane gebrandmarkt.
Simons Befunde sind ernüchternd. Für ihn ist der erste Schritt zu Erfolg und Persönlichkeits-entwicklung getan, wenn man entsprechende Buch- und Seminarangebote am besten gar nicht zur Kenntnis nimmt.

Der Autor schließt mit dem Bedauern, daß in Deutschland zwar Volksverhetzung strafbar ist, aber nicht die Volksverdummung. Solange das „Recht auf Dummheit zur freien Entfaltung der Persönlichkeit gehört“, (Mark Twain) und der Intelligenz Grenzen gesetzt sind, wirft das Geschäftsmodell Persönlichkeit und Erfolg wohl weiterhin hohe Renditen ab.


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