Ohne Glauben ist keine Sinnkopplung möglich

Ohne Glauben ist keine Sinnkopplung möglich

Gebhard Borck, ein Begleiter auf meiner Reise des Verstehens, thematisiert in seinem Blog und gleichnamigen Buch Affenmärchen – Arbeit frei von Lack und Leder unter anderem die Sinnkopplung.
Hier meine interpretierte Kurzform.

#leanmagazin
am 31. 08. 2016 um 09:52 Uhr in LeanMagazin von Conny Dethloff


Tätigkeiten, die von Menschen ausgeführt werden sollen, müssen für diese Sinn machen.
Dieses „Sinn machen“ wird nicht, wie von vielen Mainstreamquellen aufgezeigt, durch Sinnstiftung, sondern durch Sinnkopplung erreicht.
Sinnstiftung ist deshalb eine Illusion, weil den Menschen nicht von außen Sinn eingetrichtert werden kann. Menschen erzeugen in sich einen Sinn, indem sie koppeln.

Mir geht es in meinem heutigen Beitrag darum zu evaluieren, was es unter anderem braucht, um überhaupt Sinn zu koppeln. Der Titel dieses Posts sagt es ja schon aus. Es ist der Glauben.
Auf dem Weg zu dieser Erkenntnis half mir vor allem die Mathematik weiter. Sie lesen richtig. Mathematik bestärkt mich darin, dass der Glaube wichtig ist und eben nicht das Wissen, denn der Volksmund sagt ja: “Glauben ist nicht wissen.” Wie es dazu kam möchte ich jetzt kurz darlegen.

Ich bin vor geraumer Zeit durch Zufall auf das Buch „Eine gewisse Ungewissheit oder Der Zauber der Mathematik“ von Gaurav Suri und Hartosh Sigh Bal gestoßen. Ich habe es mir bestellt und regelrecht verschlungen. In diesem Buch wird in Romanform der Zauber der Mathematik enthüllt, in dem mathematische Erkenntnisse auf das praktische Leben gespiegelt werden.

Die Hauptfigur dieses Buches ist Ravi. Als kleiner Junge bekommt er von seinem Großvater den Mathematikvirus eingeimpft, in dem er kleine mathematische Knobeleien von ihm vorgesetzt bekommt. Nach dem Tod seines Großvaters verblasst sein mathematisches Interesse und wird erst wieder während seines Studiums in Stanford zum Leben erweckt.

Ravi belegt ein Seminar über Unendlichkeit. Durch die gewonnenen Erkenntnisse in diesem Seminar und vor allem auch durch die Gespräche mit dem Dozenten dieses Seminars, Nico, und mit seinen Kommilitonen wird die Frage nach der absoluten Gewissheit oder Wahrheit debattiert. Verstärkt wird die Wichtigkeit der Klärung der Frage nach der absoluten Gewissheit noch durch die Recherchen, die Ravi anstellt, nachdem er herausgefunden hat, dass sein geliebter Großvater, der in ihm das Mathematikfieber geweckt hat, im Jahre 1919 in New Jersey wegen Verstoßes gegen das Blasphemiegesetz im Gefängnis saß.

Im Zuge dieser Recherchen analysieren er und seine Kommilitonen Gespräche zwischen seinem Großvater, einem Atheisten, der absolut sicher ist, die Nichtexistenz Gottes mathematisch zu beweisen, und dem Untersuchungsrichter, der streng gläubiger Christ ist. An dieser Stelle möchte ich nicht vorgreifen, um Ihnen die Spannung nicht zu nehmen. Aber eines muss ich noch loswerden, bevor ich den Glauben thematisieren möchte.

Es ist atemberaubend, wie der Mathematik, die die meisten von uns aus der Schulzeit wohl als trocken und verstaubt in Erinnerung haben, hier Leben eingehaucht wird. Zweieinhalbtausend Jahre abstraktes Denken, von Pythagoras und Euklid bis hin zu Riemann, Hilbert, Cantor und Gauß, werden benutzt um sehr praxisnah die Frage nach absoluter Gewissheit zu beantworten.

Man kann die Begeisterung von Ravi und seinen Kommilitonen richtig fühlen, die sie für die Mathematik entwickeln. Nico, der Dozent des Seminars über Unendlichkeit, stellt sehr oft einfache Fragen, die von den Studenten relativ leicht zu beantworten sind. Die Antworten zahlen aber in die finalen Ergebnisse und die gewonnenen Erkenntnisse ein. Die Studenten haben also Erfolgserlebnisse und auch das Gefühl beteiligt zu sein. Der Dozent und sie sind ein Team, die gemeinsam Erkenntnisse gewinnen.

Ich bin mir sicher, wenn der Mathematikunterricht in den Schulen und die Mathematikvorlesungen in den Hochschulen ähnlich ablaufen würden, gäbe es mehr Mathematikinteressierte.

Bei der Offenlegung der Wichtigkeit des Glaubens spielt das 5. Postulat von Euklid eine wichtige Rolle. Denn nachdem Ravi und seine Kommilitonen auf dem Weg der Erkenntnissuche auf Basis dieses Postulats herausfanden, dass es mehrere konsistente Theorien mit unterschiedlichen Aussagen geben kann, erschien ihnen das Leben irgendwie sinnlos. Denn sie haben ja gerade Mathematik studiert, um echte wahre Gewissheiten aufzuspüren. Da das nun nicht mehr möglich schien, gab es aus ihrer Sicht keinen Weg aus der Sinnlosigkeit. Ein kleiner Monolog von Adin, einem von Ravis Kommilitonen, den sie im Buch auf den Seiten 377 und 378 (1. Auflage aus dem Jahre 2008) finden, macht dieses Unbehagen deutlich.

Dieses Unbehagen verflog dann gerade bei Ravi sehr schnell nachdem er einen Tagebucheintrag des Untersuchungsrichters las, welchen dieser im Jahre 1930, also gut 11 Jahre nach den Gesprächen mit Ravis Großvater im Gefängnis, verfasste.

In diesem Tagebucheintrag, welchen Sie in dem Buch auf den Seiten 387 bis 417 finden, zog der Richter Resümee über die Begegnung mit Ravis Großvater. Er kam für sich zu der Erkenntnis, dass es unmöglich ist, irgendetwas zu beginnen, ohne zunächst an etwas zu glauben. Für ihn ist es beispielsweise der Glaube an Gott. Für Ravis Großvater ist es der Glaube, dass mathematische Objekte außerhalb des menschlichen Denkens, unabhängig vom Bewusstsein existieren.

Es gibt also ganz unterschiedliche Schattierungen von Glauben. Jeder Mensch muss im Anfang an etwas glauben, um Sinnkopplung betreiben zu können. Sinnkopplung setzt also Glauben voraus. Da der Glaube aber nicht beweisbar ist, sonst wäre es kein Glaube, kann es in dem Sinne wie wir absolute Gewissheit verstehen, diese nicht geben. Es ist also sinnlos, nach der absoluten Gewissheit zu suchen. Vielmehr ist es bedeutend, dass jeder Mensch einen Ausgangspunkt hat, der für ihn als einigendes Prinzip dient, nach dem dieser dann denkt und agiert. Die Frage nach der Wahrheit dieses Ausgangspunktes ist unbeantwortbar. Die Frage nach der Passbarkeit schon, denn aus dieser entscheidet sich, ob Menschen miteinander koppeln können oder eben nicht.

Damit will ich natürlich nicht die Wichtigkeit des Wissens bestreiten, sondern einzig und allein die Existenz von absolutem Wissen.


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