Mit 5S die Verantwortung einfach wegdelegieren?

Mit 5S die Verantwortung einfach wegdelegieren?

Während eines Trainings in einem mittelständischen Produktionsbetrieb habe ich einen „Verschwendungsrundgang“ moderiert, bei dem ich den Fertigungsleiter auf die eine oder andere Auffälligkeit aufmerksam machte.

#leanmagazin
am 24. 02. 2017 um 12:08 Uhr in LeanMagazin von Dirk Hubbert


Da waren z.B. „Gesperrt-Bänder“ etwa auf 2 m Höhe am Arbeitsplatzgestell angebracht. Was folgte, war ein großes Rätselraten über Sinn und Zweck.
In einem ersten Impuls begann der Fertigungsleiter das erste Klebeband kurzerhand abzureißen, bis ich dazwischen ging und „Stopp!“ rief.

Wir haben dann mit dem Bandleiter gesprochen und der hat uns erklärt, dass diese Bänder die maximale Stapelhöhe für die Kisten markieren. Diese Thematik war aus welchen Gründen auch immer nicht zum Fertigungsleiter vorgedrungen. Das war ihm sehr unangenehm.

Der Bandleiter hatte sich hier selbst geholfen, ein Problem zu lösen, zwar provisorisch aber GENIAL!

Zwei Punkte sind meines Erachtens hier schief gegangen:

  1. Der Fertigungsleiter ist schon seit Wochen an diesen Klebestreifen vorbeigelaufen, ohne sich dafür zu interessieren. Das ist ein falsches Signal an die Mitarbeiter: „Habe kein Interesse an Eurer Arbeit!“
  2. Nachdem er darauf aufmerksam wurde, hat er sich nicht für die Hintergründe interessiert und ist sofort von „Schlamperei“ ausgegangen. Welch eine Verschwendung, den Schatz hinter dem Problem nicht zu heben!

Der Fertigungsleiter und die meisten anderen Teilnehmer an diesem Training sehen 5S oberflächlich als Methode, mit der sie erreichen wollen, daß die Mitarbeiter vor Ort funktionieren.

Und zwar so funktionieren, dass die Fabrik sauber und aufgeräumt erscheint und bei einem Kundenaudit einen ordentlichen Eindruck macht.

Und genau diese Methodengläubigkeit führt letztendlich zum Scheitern, weil die Führungskräfte das Thema einfach wegdelegieren möchten.

5S ist kein Selbstzweck. 5S ist lediglich der Einstieg in einen funktionierenden KVP-Prozess. Und dieser Einstieg funktioniert nur, wenn Führungskräfte und Mitarbeiter gemeinsam lernen, effektiv miteinander zu kommunizieren und ihre innere Haltung dazu entsprechend anpassen.

Das ist kein leichter Ansatz für ungeduldige Manager und Führungskräfte alter Schule.

Wenn es also um das Thema LEAN, KVP etc. geht, sollten u.a. folgende Punkte eine wichtige Rolle spielen:

  1. Die engagierte Führungskraft geht regelmäßig mit offenen Augen durch den Betrieb.
  2. Die engagierte Führungskraft würdigt die Ideen und die Handlungen der Mitarbeiter in adäquater Weise und sorgt für eine effektive Fehlerkultur.

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