Lean MES: So funktioniert Industrie 4.0 in der Produktion

Lean MES: So funktioniert Industrie 4.0 in der Produktion

Das Ziel ist klar: Die Produktion von morgen ist vernetzt. Das Manufacturing Execution System (MES) stellt Informationen über Fertigungsfortschritte, Störungen oder Stillstandzeiten von Maschinen in Echtzeit und überall zur Verfügung, so dass Unternehmen schnell und flexibel auf sich ändernde Anforderungen reagieren können.
Schöne neue – transparente und kostenoptimierte – Welt!

#leanmagazin
am 22. 02. 2017 um 11:58 Uhr in LeanMagazin von Michael Möller


Allein der Weg dorthin wirft viele Fragen auf. Die MES-Lösung, die für Unternehmen A der Weg zur „Smart Factory“ ist, muss nicht auch für Unternehmen B gelten. Das Lean-MES-Konzept hingegen berücksichtigt die individuellen Gegebenheiten jedes Unternehmens auf den Weg in die Industrie 4.0.

Das integrierte Werkstück in der datenorientierten Produktion

Kundenwünsche werden individueller, die Qualitätsansprüche steigen und die Kosten stehen mehr und mehr unter Druck. Daher müssen produzierende Unternehmen ihre Effizienz steigern. Dafür benötigen sie valide Daten über ihre Fertigung, um Optimierungspotenziale identifizieren und nutzen zu können.

Kernstück einer datenorientierten Produktion ist das integrierte Werkstück, das mit Maschine und Mensch kommuniziert. Es sucht sich eigenständig den optimalen Weg durch die Produktion, indem es Informationen zum Beispiel zu Maschinenverfügbarkeiten, Terminprioritäten oder Energieverbräuchen berücksichtigt. So die Vision.

Die vertikale und horizontale Datenintegration

Doch vor dem integrierten Werkstück steht die Erhebung und Analyse von Produktionsdaten (Big Data). Nur durch die Anwendung von Big Data kann die hierarchisch strukturierte Fertigung aufgebrochen werden. Denn die Smart Factory benötigt eine vertikale und horizontale Integration der Daten. Das Prinzip lautet: sämtliche Informationen aus einer Quelle jederzeit und überall verfügbar.

In der Praxis sieht es jedoch anders aus:
Auf dem Shopfloor werden andere Informationen benötigt als in der Finanzbuchhaltung. Der Vertrieb analysiert Daten, die für die Entscheidungen der Unternehmensspitze wenig hilfreich sind. Es genügt also nicht, altes Silo-Denken über Bord zu werfen und allen alles an Daten zuzumuten. Unternehmen müssen sicherstellen, dass die richtigen Informationen an den richtigen Stellen vorliegen. Dafür sorgt das MES.

Transparente und flexible Produktion

Ein MES nutzt die BDE/MDE-Informationen aus der Maschinensteuerung und liefert die passenden Daten an die entsprechenden Systeme (ERP, SCM, PLM etc.). Darüber hinaus analysiert das MES die vorhandenen Daten und identifiziert Zusammenhänge, die ohne die vertikale und horizontale Datenintegration nie zu Tage getreten wären. So wird die Produktion transparent. Stillstand- oder Rüstzeiten können optimiert, Störungen schneller behoben und Wartungen prognostiziert werden.

Allerdings existiert kein Allheil-MES, dass jedes produzierende Unternehmen nur noch installieren muss, um hinter Industrie 4.0 einen Haken machen zu können. Wer sich in den Fertigungshallen des deutschen Mittelstands umschaut, erkennt die große Heterogenität der Industrie. Ebenso unterschiedlich ist der Grad der Digitalisierung und Vernetzung.

Lean MES für den heterogenen Mittelstand

Das MES muss also die individuellen Voraussetzungen eines jeden Unternehmens berücksichtigen. Wichtig dafür sind offene Standards, die den jeweils gewünschten Grad der Datenintegration ermöglichen. Hierbei spricht man auch von Lean MES. Dieses Konzept steht für einen verschlankten, zentralen Ansatz und scheint daher auf den ersten Blick gar nicht zu Industrie 4.0 zu passen. Doch die vierte Industrierevolution ist alles andere als ein in Stein gemeißeltes Dogma. Es handelt sich vielmehr um einen Prozess mit höchster Dynamik, der im eigenen Unternehmen beginnt, aber letztendlich die gesamte Wertschöpfungskette umfasst, an der mehrere Unternehmen beteiligt sind.

Doch für die Datenintegration zwischen einzelnen Unternehmen fehlt es an einer einheitlichen Schnittstellensprache. Lösungen wie bisoft Virtcont 4.0 von gbo datacomp schaffen hier Abhilfe und sind ein Beispiel dafür, wie Fertigungsunternehmen die Datenintegration vorantreiben können – in dem ihnen eigenen Tempo und Ausmaß. Eben Lean MES.


Kommentare

Bisher hat niemand einen Kommentar hinterlassen.

Kommentar schreiben

Melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Teilen

Ähnliche Inhalte

Hier findest Du weitere Inhalte zu dem von Dir gewählten Thema. Bei diesen Vorschlägen handelt es sich um eine Auswahl an Inhalten, welche wir insgesamt für Dich auf der LeanBase zur Verfügung stellen.

Lean im Krankenhaus – geht das?

Lean im Krankenhaus – geht das?

Beitrag auf LeanPublishing
am 04. 03. 2016 um 11:48 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Was hindert Angestellte in einem Krankenhaus daran, in Prozessen bzw. lean zu denken?

Digitale Amnesie?

Digitale Amnesie?

Beitrag auf LeanPublishing
am 08. 07. 2016 um 13:51 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Michelle und ich hatten einen geplanten einstündigen Gedankenaustausch, der sich aber dann doch zwei Stunden lang hinzog. Wir verabredeten ein neues "Treffen" via skype, das in den...

Fluch und Segen der informellen Organisation

Fluch und Segen der informellen Organisation

Beitrag auf LeanPublishing
am 25. 10. 2017 um 10:01 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit dem Thema der informellen Organisation in Unternehmen und fragt, ob diese eingedämmt oder gefördert werden soll.

Grundlagen Lean Management: Einführung in Geschichte, Begriffe, Systeme, Techniken sowie Gestaltungs- und Implementierungsansätze eines modernen Managementparadigmas

Grundlagen Lean Management: Einführung in Geschichte, Begriffe, Systeme, Techniken sowie Gestaltungs- und Implementierungsansätze eines modernen Managementparadigmas

Buch auf LeanBooks
Kategorie: Lean Management

von Hans-Dieter Zollondz

Wir müssen Fehler machen dürfen!

Wir müssen Fehler machen dürfen!

Beitrag auf LeanPublishing
am 05. 04. 2016 um 17:28 Uhr
Kanal: LeanMagazin

"Wir müssen Fehler nicht nur tolerieren, sondern sie akzeptieren.”“Die Null-Fehler-Toleranz verhindert Innovationen.”

Ich schenke Dir ein Rennrad!

Ich schenke Dir ein Rennrad!

Podcast auf LeanPublishing
am 10. 06. 2018 um 18:03 Uhr
Kanal: LeanCast

Ich schenke Dir ein Rennrad! Bedingung dafür ist jedoch, dass Du an der Tour de France im kommenden Jahr teilnimmst!“Was mich zu der Frage bringt, ob es tatsächlich welche gibt, die...

Industrie 4.0 – Dynamischer Milkrun

Industrie 4.0 – Dynamischer Milkrun

Video-Beitrag auf LeanPublishing
am 03. 02. 2016 um 16:21 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Das BIBA – Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH beschäftigt sich in zahlreichen Forschungsprojekten mit technologischen und organisatorischen Herausforderungen, die es...

Die Erfolgsstrategie von Toyota. Toyota Produktionssystem und „Toyota Way“

Die Erfolgsstrategie von Toyota. Toyota Produktionssystem und „Toyota Way“

Buch auf LeanBooks
Kategorie: Toyota

von Marcel Rockstedt