Keine Angst vor undogmatischen Lösungen!

Keine Angst vor undogmatischen Lösungen!

Die ewige Suche nach dem „noch Besseren“ erzeugt nur Unzufriedenheit. Nicht selten ist dies nichts anderes, als der Ausdruck eines sinn- und werteentleerten Materialismus.

#leanmagazin
am 28. 06. 2017 um 13:34 Uhr in LeanMagazin von Dr. Bodo R.V. Antonic


Wenn man mich nach meinen Führungsprinzipien fragt, dann lautet eine typische Antwort: Je nach Kontext. Bei Sonnenschein hochgradig partizipativ, im Stressfall nahezu diktatorisch. Ebenso diskutiere ich: Bei gutem Wetter lang und breit, im Stressfall ‚no discussion at all‘. Jede Handlungsweise hat ihre Zeit.

Kommunikation muss nicht immer gleich sein. Ich akzeptiere Brüche in meiner Kommunikation, denn diese ist kontextbezogen und darf sich somit brechen. Ich muss nicht immer lieb, demokratisch und gerecht handeln. Ich darf auch das Gegenteil sein, wie gesagt – je nach Kontext.

Wer meint, dass man sich in jedem Kontext mehr oder weniger gleich verhalten muss, der irrt.

Mein Ansatz lautet: Wie muss ich jetzt sein?  Und nicht: Wie muss man immer sein? Ich brauche keine Gesamttheorie, ich brauche im Stressfall eine Akutlösung und diese kann diametral zur Allgemeinlösung stehen.

Akademisches Echo ist nicht immer richtig.

Scheuen Sie sich also nicht vor unvollständigen oder undogmatischen Lösungsansätzen: Auch wenn sie widersprüchlich sind, solange sie Ihnen gute Ergebnisse liefern – nutzen Sie sie!

Bedenken Sie, dass die lineare, geplante, mechanische Unternehmenswelt eben nicht nur nach dem Motto „Think-Plan-Act-Improve“ funktioniert. In diesem alten Modell wird die Zukunft als lineare Verlängerung der Vergangenheit über die Gegenwart betrachtet. Was insgesamt ungemein praktisch wäre – wenn es denn der Realität entspräche.

Ganz wichtig: Modelle, die uns durch akademisches Echo alltäglich entgegenhallen, müssen nicht zwingend richtig sein!

Ich habe es oben bereits angedeutet: Die ständige Suche nach dem „noch Besseren“ ist nichts anderes als ein – Unzufriedenheit erzeugender – Ausdruck eines sinn- und werteentleerten Materialismus.“

Denn die Welt ist nun einmal nicht planbar, sie ist „chaotisch“; sie ist so frech, sich unserer Managementhybris zu entziehen. Die Zukunft ist dabei das unerzogene, pubertäre Kind dieser chaotischen Welt. Möglichkeiten, sie zu planen, sie zu gestalten, ja sogar der Gestaltauftrag scheinen vorhanden zu sein – jedoch sind die Gestaltmöglichkeiten eben nicht zwingend.

Wir verwechseln oft die Worte Plan-Absicht-Realität. Und leiden als Manager gerne an der Hybris, Zukunft zwingend gestalten zu können, anstatt uns der Demut anheim zu geben, Zukunft gestalten zu dürfen.

Besinnen Sie sich auf Werte – ein Fundament Ihrer Unternehmung

An dieser Stelle möchte ich Ihnen noch einen Exkurs anbieten: Es geht um die oben bereits kurz angerissenen’Werte. Wer nämlich nach zielführenden Lösungen für die Herausforderungen in seinem Unternehmen sucht, kommt am Thema ‚Werte“ nicht vorbei.

Was ist an Werten so wichtig? Sie geben Halt und Orientierung. Insbesondere in bewegten, hochagilen Unternehmensphasen braucht es Orientierung. Diese Orientierung erlaubt Menschen, besser mit Agilität umzugehen, ermöglicht ihnen, sich nicht ständig an Dogmen, Spielregeln und Normen festhalten zu müssen. Denn es sind genau diese ‚Gesetze‘, die als Denkverbote wirken und damit Innovation verhindern.

Kurzum, wenn wir dem Unternehmen, uns, ein wertebasiertes „Sicherheitskorsett“ geben, müssen wir uns nicht an Denk-, Sprech- und Redeverboten und verkrusteten Unternehmensstrukturen festhalten, werden frei, können die Weichen auf kreative Entfesselung stellen.

Die üblichen bekannten Managementmodelle sind nichts anderes als Input-Output-orientierte Kontrollansätze. Das Gedankenmodell ist eher ingenieurgetrieben und dient in erster Linie der Wahnvorstellung, Zukunft gezielt steuern (to control!) zu können. Wenn ich mir jedoch vergegenwärtige, dass Management heute im Vorzeichen der Ambivalenz steht, komme ich mit solchen Modellen einfach nicht mehr weiter.

Hier verdeutlicht sich nun die Bedeutsamkeit von Werten: Wenn diese in mir als Unternehmer, als Manager, tief verankert sind, ganz tief in jeder Faser meines Körpers wirken, dann sind sie quasi mein Genom. Und dieses hat eine ganz ungemeine Wirkkraft.

Stellen Sie sich bitte einfach vor, Sie würden in einem Unternehmen arbeiten, in dem es nur um eines ginge: Den Kunden! Mit diesem Fokus wären wir näher denn je an der Lösung unserer Probleme.


Kommentare

Bisher hat niemand einen Kommentar hinterlassen.

Kommentar schreiben

Melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Teilen

Ähnliche Inhalte

Hier findest Du weitere Inhalte zu dem von Dir gewählten Thema. Bei diesen Vorschlägen handelt es sich um eine Auswahl an Inhalten, welche wir insgesamt für Dich auf der LeanBase zur Verfügung stellen.

8. Episode

8. Episode

Podcast auf LeanPublishing
am 13. 09. 2018 um 21:30 Uhr
Kanal: LeanTransformation

Ein wenig Klarheit

LEAN, aber ohne lean

LEAN, aber ohne lean

Podcast auf LeanPublishing
am 27. 11. 2018 um 11:29 Uhr
Kanal: LATCSpeakerInterview

#LATC2019SpeakerInterview mit Dirk Rosenkranz, Leiter IT / Prozesse bei der KIST Büro- und Objekteinrichtung GmbH Dirk Rosenkranz wird auf dem LeanAroundTheClock am 21. + 22. März 2019 in Mannheim...

„Quo vadis“ Lean Management?

„Quo vadis“ Lean Management?

Beitrag auf LeanPublishing
am 20. 01. 2016 um 16:32 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Mit der Umfrage “Quo vadis“ Lean Management? sind wir der Frage nachgegangen, in wie weit sich Lean Management in der Unternehmensrealität etabliert hat. 319 Teilnehmer folgten dem...

Die "Rolle Mensch"

Die "Rolle Mensch"

Podcast auf LeanPublishing
am 08. 07. 2019 um 05:30 Uhr
Kanal: Connys Gedanken zu ...

In den letzten Wochen wurde ich oft nach den Beweggründen hinter meiner Rolle „Mensch“ gefragt. Mit diesem Podcast möchte ich den Schleier dahinter ein wenig...

Fragen Sie sich auch immer mal wieder, warum das mit Lean nix wird?

Fragen Sie sich auch immer mal wieder, warum das mit Lean nix wird?

Beitrag auf LeanPublishing
am 17. 05. 2018 um 10:34 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Geht Ihnen auch so, Sie verstehen ganz genau was an den Prozessen in Ihrer Organisation so richtig schief läuft? Und haben Sie nicht schon ganz oft in zig Meetings mit „allen Kolleginnen...

Lean Management: Grundlagen der Führung und Organisation lernender Unternehmen

Lean Management: Grundlagen der Führung und Organisation lernender Unternehmen

Buch auf LeanBooks
Kategorie: Lean Management

von Prof. Dr. Enno Weiß und Dr. Christoph Strub

Business Systemics – Die Wertstromebene 1 im Unternehmen als VSM dargestellt

Business Systemics – Die Wertstromebene 1 im Unternehmen als VSM dargestellt

Beitrag auf LeanPublishing
am 30. 08. 2017 um 16:53 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Dies ist der mittlerweile 4. Beitrag der Serie, in welcher ich für die Unternehmensführung einen neuen Denkrahmen aufbaue, in dem ich auf verbindende und integrierende...

Wie funktioniert Lebensfähigkeit? Über die Grundlage aller agilen Methoden

Wie funktioniert Lebensfähigkeit? Über die Grundlage aller agilen Methoden

Video-Beitrag auf LeanPublishing
am 08. 03. 2018 um 01:00 Uhr
Kanal: LATCReviews

Was haben Sportmannschaften, Insektenschwärme oder internationale Konzerne gemeinsam? Alle drei Organisationen sind in der Lage ihre Existenz aufrecht zu erhalten – sie sind...