#JanineFragtNach bei Franziska Gütle

#JanineFragtNach bei Franziska Gütle

Gesprächspartner in dieser Ausgabe von #JanineFragtNach ist Franziska Gütle, Smart Operations & Lean Managerin bei Atlas Copco IAS.

#leanmagazin
Podcast, am 27. 12. 2019 um 05:30 Uhr in LeanMagazin von Janine Kreienbrink


Franziska Gütle hat Wirtschaftsingenieurwesen und Lean Operations Management studiert und arbeitet seit vier Jahren bei der Atlas Copco IAS. Neben ihrer Tätigkeit als Smart Operations & Lean Managerin beschäftigt sie sich mit der digitalen Transformation, Organisationsentwicklung und Lean & Agile Thinking.

Sie ist der Meinung, dass sich Arbeit im digitalen Zeitalter verändern muss. Im Rahmen ihres MBA-Studiengangs „Integrated Management Systems“ an der Donau Universität Krems hat sie deshalb ein Forschungsprojekt aufgesetzt, welches sich damit beschäftigt, wie Unternehmen im digitalen Zeitalter bestehen und sich weiterentwickeln können.

Die ausführliche, schriftliche Version wird im Sommer 2020 veröffentlicht. Erste Ergebnisse präsentiert Franziska Gütle am 19. März 2020 auf dem Lean Around the Clock in Mannheim .

Über 60 Unternehmen aus der Lean Management bzw. New Work Szene hat sie befragt, um herauszufinden, wie die „Arbeit der Zukunft“ in der gelebten Unternehmenspraxis aussieht. Gibt es die eine, „richtige Organisationsform“ bzw. die „richtige Unternehmensstrategie“, um in unruhigen Zeiten erfolgreich bestehen zu können? Die einen setzen auf vermehrte Selbstorganisation ihrer Mitarbeiter, auf kleine, wendige Teams, die anderen auf noch mehr Kennzahlen und großangelegte Effizienzprogramme.

Im September 2019 wurde die Interviewphase abgeschlossen. Einen ersten Überblick über teilnehmende Unternehmen sowie über die bis dato wichtigsten Erkenntnisse hat Franziska Gütle in einem Video zusammengefasst und den Link dazu im Oktober 2019 auf der Social Network Plattform LinkedIn veröffentlicht.

Ihr visueller Zwischenbericht hat ziemlich eingeschlagen. Alleine auf LinkedIn hat er 110 Likes und 31 Kommentare erhalten. Das zeigt, wie sehr ihr Forschungsprojekt den Nerv der Zeit trifft. Auf LinkedIn haben viele geäußert, dass sie besonders ihre Kombination von verschiedenen Theorien, nämlich dem 7-S-Modell nach Peters/Watermann, dem Spiral Dynamics-Modell sowie dem Cynefin-Framework sehr zu schätzen wissen. Franziska Gütle schafft dadurch eine eindeutige, nachvollziehbare Struktur in ihren Auswertungen der Unternehmensinterviews, die Orientierung bieten soll.

„Wenn ich Mitarbeiter frage, wie ihre Organisation tickt, dann bekomme ich zig unterschiedliche Antworten, die nicht wirklich greifbar sind. Auch Fragen über Kultur und Unternehmenswerte sind kaum eindeutig zu beantworten. Also habe ich versucht, in irgendeiner Form Modelle zu finden, die sich kombinieren lassen.“

Das 7-S-Modell beschreibt die Faktoren einer Organisation, die berücksichtigt werden müssen, wenn Veränderungen anstehen: Struktur, Strategie, System, Selbstverständnis, Stil, Stammpersonal und Spezialkenntnisse.

Um die Entwicklungsstufe eines Unternehmens darzustellen, kombiniert sie 7-S mit dem Spiral Dynamics-Modell.
Jede Stufe wird in einer anderen Farbe dargestellt: Blau steht beispielsweise für Sinn und Ordnung.
Die meisten Unternehmen, die Lean Management eingeführt haben und auf klar geregelte Prozesse und Standards setzen, können hier eingeordnet werden.

Kombiniert mit dem Cynefin-Modell, welches eine einfache Einteilung in die vier Bereiche einfach, komplex, kompliziert oder Chaos vornimmt, ergibt sich ein Wegweiser für Unternehmen auf dem Pfad der Transformation.

„Ich arbeite gerne mit visuellen Darstellungen, so kann ich komplexe Zusammenhänge besser greifbar machen. Mein Ziel ist es, die individuellen Wege der interviewten Organisationen herauszuarbeiten und sie grafisch in eine Art Transformations-Landkarte zu gießen. Darauf aufbauend möchte ich eine Art Selbsttest entwickeln, um Unternehmen die Möglichkeit zu geben, eine Standortbestimmung vorzunehmen und nächste Schritte in ihrer Entwicklung abzuleiten.“

Wenn ein Unternehmen heute sehr hierarchisch geprägt ist, dann ist es sehr schwer, morgen auf Selbstorganisation umzustellen. Letzteres setzt eine evolutionäre Entwicklung der Mitarbeiter voraus, die Zeit braucht. Menschen, die es gewohnt sind, strikte Arbeitsanweisungen zu erhalten, fällt es oft schwer, auf einmal freie Entscheidungen an ihrem Arbeitsplatz zu treffen.
Eine der Haupterkenntnisse für Franziska Gütle: Bis hin zur Selbstorganisation braucht es verschiedene Evolutionsschritte, die nicht übersprungen werden können. Es braucht auch meistens einen innovativen, mutigen Kopf, um Veränderung oder eine Transformation voranzutreiben.

 „Diese Charaktere braucht es unbedingt, um überhaupt mit einer Veränderung starten zu können. Es beginnt mit einer Art Reise zu dir selbst. Wenn du mit dir im Reinen bist und für eine Idee brennst, dann kannst du andere anstecken. Dann ist es auch egal, wie der erste Schritt aussieht. Du inspirierst andere Menschen und alles andere entwickelt sich darauf aufbauend.“

 Von der Unterscheidung zwischen „Old“ und „New Work“ hält Franziska Gütle wenig. Wer will schon zur „alten“ Welt gehören? Damit werden nur neue Gräben geschaffen, die es dann wieder zu überbrücken gilt.

„New Work“ ist ein Buzzword. Ich verwende lieber das Wort „Nowland“ für die heutige Entwicklungsstufe eines Unternehmens und „Nextland“ für die Zukunft. Jede Organisation muss ihren eigenen, individuellen Weg finden, um sich weiterzuentwickeln. Unternehmen, die vermeintlich mit dem Thema „New Work“ in Zusammenhang gebracht werden, nutzen den Begriff selber gar nicht. Toyota hat von sich auch nie behauptet, Lean Management eingeführt zu haben. Den Begriff hat der Markt kreiert.“

Für Franziska Gütle bleibt die generelle Erkenntnis, dass jede Organisation heute etwas tun sollte, um sich weiterzuentwickeln. Dass sie damit anfangen, ihr ganz eigenes, individuelles „Nextland“ zu bauen.

„Das Zeitalter der Digitalisierung ist ein sehr individuelles Zeitalter. Jede Organisation muss für sich selbst die passenden, neuen Geschäftsmodelle finden und auch den Weg dorthin muss sie selbst beschreiten.“

Über die Parallelen auf diesem Weg und wie sich unterschiedliche Unternehmen aufgemacht haben, welche Pläne sie entwickelt haben, darüber wird Franziska Gütle aber einiges erzählen können, wenn sie die Ergebnisse der Forschungsarbeit im März 2020 auf der Bühne des LeanAroundTheClock 2020 vorstellt.


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