Industrie 4.0: Weniger Maschinenstillstände durch Augmented Reality in Service- und Instandhaltung

Industrie 4.0: Weniger Maschinenstillstände durch Augmented Reality in Service- und Instandhaltung

Im Servicefall hilft der virtuelle Schulterblick - Smarter Realtime-Support kann Industrieanwender mit schnellen Ferndiagnosen und effizienten Echtzeit-Behebungen bei möglichen Maschinen- und Anlagenstörungen unterstützen.

#leanmagazin
am 17. 05. 2021 um 04:30 Uhr in LeanMagazin von Ralf M. Haaßengier


Service 4.0 bietet mit dem Einsatz digitaler Assistenzsysteme wie Smart Glasses Realtime-Support weltweit. Maschinenstillstände lassen sich drastisch verkürzen, weshalb sich solche neuen Service-Konzepte schneller durchsetzen als anfangs vermutet. In der Praxis sind Effizienzgewinne von bis zu 80 Prozent möglich.

Produktionsunternehmen können ein Lied davon singen: Ein Maschinenstillstand ist immer ein Notfall, denn jede Minute, die verstreicht, schlägt teuer zu Buche. Häufig kommt es dann zu hektischen E-Mails oder Telefonaten mit dem Support des Maschinenherstellers. Es wird gemessen und getestet und selbst Hand angelegt. Ist die vermeintliche Fehlerquelle endlich ausgemacht, rückt das Serviceteam an – und hat prompt das falsche Ersatzteil dabei, weil im Vorfeld wohl doch irgendwie aneinander vorbeigeredet wurde.

Es gibt inzwischen Maschinenbauer, die hierfür einen praktikablen, digitalen Weg gefunden haben, der den gesamten Prozess revolutioniert: Mittels Smart Glasses, Tablet oder Smartphone wird eine direkte audio-visuelle Unterstützung von Maschinenbedienern und Servicepersonal beim Kunden vor Ort ermöglicht. Hinter einem derartigen Augmented-Realtime-Support muss ein hochqualifiziertes Backoffice-Team stehen, das Werker und Instandhaltungstechniker per Live-Anweisungen durch den Serviceprozess führt. Mit den Smart Glasses sieht der digitale Support quasi durch die Augen des Maschinenbedieners und kann so schnelle und treffsichere Fehlerdiagnosen geben.

Servicefälle virtuell abwickeln via Augmented Portal

Grundlage für eine schnelle und kosteneffiziente Unterstützung bildet in der Regel eine Realtime-App, die komfortabel über ein mobiles Endgerät abgerufen werden kann. Basierend auf einer verschlüsselten, bidirektionalen Kommunikation von Experte zu Kunde lassen sich so Servicetätigkeiten dezentral organisieren und anleiten. Mit einem integrierten Image-Tool können Screenshots, Fotos sowie Datenblätter editiert und übertragen werden. Dem Backoffice-Experten im Support steht auf diese Weise die Aufnahme und Speicherung des kompletten Supportfalls zur Verfügung.

Ein Kunde vor Ort hat wiederum die Möglichkeit, den Servicefall bequem über das Augmented Portal abzuwickeln. Per Videomodus wird der gesamte Prozess innerhalb einer solchen App visualisiert. Der Anwender kann dabei je nach Bedarf umschalten auf Vorder- oder Hinterkamera. Auch können Bauteile direkt per Fingertipp gekennzeichnet werden, sodass es zu keiner Verwechslung mehr bei den benötigten Ersatzteilen kommt.

Ein weiterer Vorteil: Wenn in solch einem Augmented-Portal ein Chatmodus mit Spracherkennung integriert wird, kann ein Maschinenanwender bspw. auf Englisch oder Chinesisch schreiben, und das Support-Team beim Maschinenhersteller bekommt dies automatisch in die eigene Sprache übersetzt.

Durch die Nutzung einer Datenbrille hat der Anwender außerdem die Möglichkeit „Hands Free“ zu arbeiten. Der Supportmitarbeiter verbindet sich direkt über ein Augmented-Portal als Schnittstelle mit der digitalen Datenbrille des Maschinenbedieners. Beim Einrichten eines solchen digitalen Support-Portals ist natürlich auf die Einhaltung der aktuellen IT-Sicherheitsstandards zu achten wie auch die Vorschriften der Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) bzw. der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

Maschinenstillstände bis auf 80 Prozent reduzieren

Mit einem Realtime-Servicesupport können Unternehmen die Verfügbarkeit ihrer Anlagen auf bis zu 80 Prozent erhöhen, denn in vielen Fällen lassen sich mögliche Störungen schnell, sicher und kostengünstig aus der Ferne beheben, ohne dass Serviceeinsätze vor Ort erfolgen müssen. Durch eine drastische Verkürzung der Ausfallzeiten erhöht sich die Maschinenverfügbarkeit  automatisch, da Anreise oder sonstige Wartezeiten entfallen. Noch optimaler ist es, wenn die Ersatzteile beim Maschinenanwender vorhanden sind, dann kann nämlich noch am selben Tag mit dem Einbau via Realtime-Support gestartet werden. Dauert ein herkömmlicher Support-Fall mit Anreise des Technikers gewöhnlich einen Tag, baut im Falle eines Digital-Supports der Anwender vor Ort die benötigen Teile selbst ein und ist oft schon in wenigen Stunden fertig.

Vorteile eines Realtime-Service-Supports:

  • geringere Stillstandzeiten
  • höhere Maschinenverfügbarkeiten
  • ortsunabhängig und weltweit verfügbar
  • höchste Sicherheit beim Datentausch
  • reduzierte Kosten

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