Gehen Sie auf Entdeckungstour!

Gehen Sie auf Entdeckungstour!

Energiekonzentration hilft Ihnen, die Schwachstellen des Unternehmens aufzuspüren.
Wenn anschließend lähmende Spielregeln abgebaut werden, entfesselt sich das Unternehmen in die Agilität.

#leanmagazin
am 10. 05. 2017 um 15:14 Uhr in LeanMagazin von Dr. Bodo R.V. Antonic


Der Weg ist das Ziel, heißt eine ziemlich bekannte Weisheit des chinesischen Philosophen Konfuzius. Der Universalgelehrte hatte zwar vermutlich wenig Einblick in gängige Unternehmensprozesse, doch eines kann man nicht abstreiten: Der Mann besaß Weitblick.

Denn wenn Sie nicht wissen, woran es in Ihrem Unternehmen hakt – auch wenn Sie das Gefühl haben, DASS es hakt – solange Sie also noch keine Lösung haben oder das Problem verschwommen erscheint: Gehen Sie in aller Ruhe auf Entdeckungstour!

Sobald Sie aber auch nur ansatzweise die Vermutung eines Zieles haben, steuern Sie es an.
Verschwenden Sie keine Zeit, keine Energie, konzentrieren Sie sich nur auf das einzelne Ziel und möge es noch so klein sein. Solange bis Sie es erreicht oder erkannt haben, dass das Ziel falsch war. Dann kehren Sie ohne Reue zum Ausgangspunkt zurück und versuchen Sie es erneut.

Die Vorstufe zur Komplexitätsreduktion: Spielregeln abbauen

Was das für Ihre Praxis bedeutet? Ich will es Ihnen an einem Beispiel erklären. Vor einigen Jahren war ich als Interimsmanager in einem medizintechnischen Unternehmen, die Umsatzverantwortung lag bei mehr als 40 Millionen Euro. Eine Mitarbeiterin musste einen Kuli beantragen, dessen Wert sich um knapp zwei Euro bewegte, verbunden mit einem komplexen Bestellvorgang.

Ich will Ihnen die Details ersparen, denn am Ende mündete das Ganze in einem Projekt, in dem viele firmeninterne Spielregeln abgebaut wurden. Ich musste erst erkennen, worum es in diesem Unternehmen ging, was der Schlüssel war, das Unternehmen zu transformieren: Spielregelabbau. Nach dem mir dies klar war, konnte ich mit Vollgas das Projekt umsetzen.

Und so ist die Offenheit nach allen Richtungen das oberste Gebot in der Fehlersuche, im Optimierungsprozess. Lassen Sie sich treiben. Schnuppern Sie mal hier, mal dort. Dann wird Ihnen recht schnell klar, wo Sie an einem Kernproblem vorbeigekommen sind. Nehmen Sie Witterung auf wie ein Jagdhund, durchforsten Sie also Ihre Unternehmung … und vertrauen Sie Ihrer Spürnase. Bald wissen Sie, wo Sie die Hebel ansetzen müssen.

Und grenzen Sie nach drei Regeln ein:

  • Lass Dich treiben, gib Dir Zeit beim Entdecken.
  • Sei neugierig, stelle Fragen und halte die Augen auf.
  • Nutze jegliche Methode, die Du kennst, aber halte Dich nicht an ihr fest. Mische sie, nutze sie, aber nutze sie intuitiv, mit Augenmaß und gesundem Menschenverstand.

Nun mögen Sie beispielsweise feststellen, dass Ihrnternehmen völlig überprozessualisiert ist. Etwa in punkto Verwaltung, die ohnehin den höchsten „Überprozessualisierungs-Faktor“ innehat. Wir halten uns vor Augen: Jede Unternehmenseinheit, die weit entfernt von den Grenzflächen zu den umgebenden Kundenst, bekommt Störeffekte erst verzögert mit. Sie bewegt sich nicht in wildem Wasser. Forschung und Vertrieb hingegen sind ständig in stürmischer Umgebung, sie haben keine Chance auf „Überprozessualiserung“; man hat schlichtweg keine Zeit dazu. An vorderster Kampflinie muss man handeln, nicht Abläufe regeln.

Kampf den Prozessfesseln!

Doch das ist noch gar nicht das größte aller Probleme. Wenn sich der Innendienst alleine überprozessualisieren würde, wäre das egal. Jedoch denkt der Innendienst (wie alle anderen Abteilungen auch), er hätte mit seinem Denken recht. Damit fühlt sich der Innendienst berufen, den wilden Jungs vom Vertrieb die Prozessfesseln anzulegen.

Wie lösen wir das auf? Große Unternehmen sind komplex. Lassen wir ihnen die Freiheit, dass nicht alle die gleichen Spielregeln haben; lassen wir Komplexität zu.

Hinterfragen Sie, wo diese Spielregeln herkommen, wer sie erfunden hat und welchem Zwecke sie wohl dienen möge. Die Antworten sind in der Regel dürftig („Irgendwer“, „Irgendwann“, „Ich glaube, einer meiner Vorgänger übertrieb es wohl“) und zeugen meistens eher davon, dass die Mitarbeiter und das Management aufgegeben hatten, Spielregeln zu hinterfragen und im Falle von offensichtlicher Unsinnigkeit sich gegen selbe zu wenden.

Warum also nicht die Ursachen der Lähmung abschaffen? Eine Spielregel, deren Sinn Ihnen niemand – ich wette: niemand! – wirklich stichhaltig erklären kann? Tun Sie es. Sie können praktisch dabei zusehen, wie sich die Organisation zunehmend entspannt, lockerer wird und vor allem – schneller! Denn nur der durch Spielregelabbau entfesselte Mensch ist zu nicht-zielorientierten Schnuppertouren bereit.


Kommentare

Bisher hat niemand einen Kommentar hinterlassen.

Kommentar schreiben

Melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Teilen

Ähnliche Inhalte

Hier findest Du weitere Inhalte zu dem von Dir gewählten Thema. Bei diesen Vorschlägen handelt es sich um eine Auswahl an Inhalten, welche wir insgesamt für Dich auf der LeanBase zur Verfügung stellen.

Dr. Winfried Felser auf dem #ctk2016 zur Einordung des Attributs „4.0“

Dr. Winfried Felser auf dem #ctk2016 zur Einordung des Attributs „4.0“

Video-Beitrag auf LeanPublishing
am 03. 08. 2017 um 19:24 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Wie kaum ein anderes Wort schien Industrie 4.0 und die damit verbundene, digitale Transformation von Produktionsprozessen die beiden Lager der Industrie 4.0-Befürworter und der LeanCommunity...

Business Systemics – Steuern und Regeln der Wertströme nach dem ToC Durchsatzcontrolling

Business Systemics – Steuern und Regeln der Wertströme nach dem ToC Durchsatzcontrolling

Beitrag auf LeanPublishing
am 11. 06. 2018 um 11:46 Uhr
Kanal: LeanMagazin

In diesem 7. Beitrag meiner Serie zu Business Systemics geht es darum, wie die in den vorigen Beiträgen eingeführten Wertströme gesteuert und geregelt werden sollten. Zum Ende des 6....

Macht und Sichtbarkeit

Macht und Sichtbarkeit

Beitrag auf LeanPublishing
am 11. 08. 2016 um 20:08 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Dieser Beitrag bietet einen Überblick, wie sich die Wirkungsweisen von Macht über die Zeit verändert haben.Dazu erfolgt im Weiteren eine Beschreibung über zwei große...

Oh Dio! ... Folge 118

Oh Dio! ... Folge 118

Podcast auf LeanPublishing
am 05. 11. 2018 um 20:10 Uhr
Kanal: Interview mit Dr. h.c. Any Nemo

Wenn wir so etwas wie ein Psychogramm des Dr. Nemo zeichnen wollten – und sicher hat der eine oder andere das schon getan – dann müssten wir wohl sehr weit ausholen. Am Boden...

52. Episode - Epilog

52. Episode - Epilog

Podcast auf LeanPublishing
am 31. 10. 2019 um 05:30 Uhr
Kanal: LeanTransformation

Epilog | All’s well that ends well?(William Shakespeare)

Beratung | Projekte | Interim - Lean & Agilität

Beratung | Projekte | Interim - Lean & Agilität

Angebot im LeanMarketplace

Ich unterstütze Sie als Unternehmer eines kleinen oder mittleren Unternehmens bei der Systemoptimierung, bei nachhaltigen Veränderungen und Projekten zur Effizienzsteigerung in allen Bereichen Ihrer Supply Chain und den Serviceprozessen.

Liederschipp – Vorbilder, Helden, Täuschung?

Liederschipp – Vorbilder, Helden, Täuschung?

Beitrag auf LeanPublishing
am 07. 10. 2016 um 17:36 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Heutzutage ist Führung, die sich um organisatorische Abläufe kümmern (sollten), in vieler Munde. Keine Gruppe ohne Führung, keine Abteilung ohne Leiter, kein Land ohne...

Lean: Schritte zu einer neuen Organisation

Lean: Schritte zu einer neuen Organisation

Buch auf LeanBooks
Kategorie: Lean Management

von John Drew Unternehmen