Eine „lachende“ Unternehmenskultur?

Eine „lachende“ Unternehmenskultur?

Was soll das bringen?
Es gibt „vergiftete“ und es gibt „lachende“ Unternehmen. Erstere befinden sich in einem kontinuierlichen Zersetzungsprozess. Die zweiten sind agil, robust, kreativ und produktiv. Sie können die durchdigitalisierte Zukunft locker erreichen.

#leanmagazin
am 14. 11. 2016 um 16:27 Uhr in LeanMagazin von Anne M. Schüller


In „vergifteten“ Organisationen, ein Begriff, den der Wirtschaftspsychologe Daniel Goleman prägte, werden in großem Stil Ressourcen und Talente verschwendet. Dort gibt es eine beklemmende Atmosphäre mit strengen Vorschriften, scharfen Kontrollen und harscher Kritik.

Die Folge? Intrigen, Geheimniskrämerei, Günstlingswirtschaft, Eigennutz, Willkür und viele andere unschöne Dinge. Alles ist überschattet von Angst. Da werden Menschen gekränkt und erniedrigt. Sündenböcke und Bauernopfer werden gesucht. Und egoistische Ziele werden verfolgt. In einem solchen Klima können keine großen Sprünge gelingen.

Wann das Sterbeglöckchen läutet

Vergiftete Unternehmen lösen eine Sonnenfinsternis im Herzen aus. Eine düstere Wolke legt sich über alles, sobald man die Firma betritt. Die Gesamtmotivation ist niedrig. Fehler werden vertuscht oder gemeinsam unter den Teppich gekehrt. Überall wird miese Laune verbreitet und die Gerüchteküche beheizt.

So verbringen in manchen Betrieben die Mitarbeiter bis zu einer Stunde pro Arbeitstag damit, gemeinsam über den Boss und die Firma herzuziehen. So ein Klima macht die Leute ganz krank. Doch mit kranken Mitarbeitern kann man kein gesundes Unternehmen aufbauen. Und mit unglücklichen Mitarbeitern keine glücklichen Kunden gewinnen.

Lachende Unternehmen hingegen verfolgen Gewinner-Strategien. Ihre Mitarbeiter sind lebensfroh, kerngesund, motiviert und bereit, sich für die Firma mächtig ins Zeug zu legen. In lachenden Unternehmen herrscht Spaßgesumme, ein Treibhausklima für Glanzleistungen und ein Biotop für gute Ideen.

Lachende Unternehmen ziehen die Besten wie magisch an. Sie legen damit eine perfekte Basis für Top-Leistungen und wirtschaftlichen Erfolg. In solchen Unternehmen kaufen die Kunden immer wieder gern. Und sie erzählen der ganzen Welt, warum das so ist.

Lachen begünstigt Erfolge

Es ist ein immer noch weit verbreiteter gefährlicher Irrtum, zu glauben, dass Spaß und Arbeit nicht zusammenpassen. Genau das Gegenteil ist nämlich der Fall. Denn Arbeit muss Spaß machen, um gut zu werden. Und Kreativität, die Schlüsselressource der Zukunft, braucht Leben und Lachen. Lachen überwindet Angst und sorgt für Vertrauen. Lachen aktiviert das Gehirn und hält uns gesund. Es sorgt für gegenseitige Zuneigung und begünstigt Erfolge.

Was uns Spaß macht, dafür setzen wir uns ein, das fällt uns leicht, das machen wir gerne und gut. Einen der besten Hinweise darauf, wie gesund eine Firma ist, liefert das dort herrschende Maß an Humor: das gemeinsame Lachen vor und hinter den Kulissen, mit den Kunden, auf den Gängen, in der Küche – und auch in Meetings. Denn nur, wem es gut geht, der hat auch was zu lachen.

Lachende Unternehmen sind Hochleistungsorganisationen. Die Mitarbeiter dort sind im Wollen-Modus und nicht im Machen-Müssen. So entsteht ein wettbewerbsüberflügelndes Performance-Niveau mit vielen guten Ideen. Denn in lachenden Unternehmen arbeiten Siegertypen, die Spitzenergebnisse erzielen können.

Eine lachende Unternehmenskultur entspringt somit keinem sozialromantischen Kuschelkurs, sondern einem rationalen betriebswirtschaftlichen Kalkül: Unter dem Strich klingelt die Kasse.

Wie lachende Unternehmen betören

Nur in einem Wohlfühlklima gedeihen Loyalität, Engagement, Verantwortungsbereitschaft und schöpferische Power auf Dauer. Hierbei wird die zur Verfügung stehende Energie konstruktiv und nicht destruktiv verwendet. Der Blick der gesamten Organisation ist nach außen, also auf den Markt und die Kunden gelenkt, denn aus dem Unternehmensinneren droht kein Ungemach.

Gerade für kundennahe Mitarbeiter ist es wichtig, in einem lachenden Unternehmen zu arbeiten, denn sie sind Stimme und Gesicht der Firma nach draußen. Menschen mit unzerstörbar guter Laune sind somit ein Glücksfall in jedem Team. Denn gute Laune ist ansteckend.

So gilt es, bereits im Einstellungsgespräch Ausschau nach Optimisten zu halten und nicht nur das Können, sondern auch das Wollen abzuklopfen. Dies erkennt man zum Beispiel an der Antwort auf folgende Frage: „Wer ist eigentlich verantwortlich dafür, dass Sie Freude an der Arbeit haben?“

Zum lachenden Unternehmen werden

Verhaltensänderungen lassen sich auf zwei Weisen erreichen: Wird ein Verhalten belohnt, wiederholen wir es. Wird ein Verhalten bestraft, vermeiden wir es. Wer also nicht loben kann, sorgt dafür, dass es in seiner Organisation bald nichts mehr zu loben gibt. Darüber hinaus kann das Reden über Probleme beruhigend wirken.

Deshalb müssen auch die unangenehmen Dinge besprochen werden. Erst, wenn alles im Reinen ist und wir uns keine Sorgen mehr machen müssen, können wir zur Höchstform finden. Mit solchen Fragen findet die Führungskraft einen Weg:

  • Ich habe den Eindruck, dass im Moment schlechte Stimmung herrscht. Woran liegt das aus Ihrer Sicht? Gibt es konkrete Gründe, auch von meiner Seite?
  • Ich habe das Gefühl, wir treten hier auf der Stelle. Irgendwie ist die Luft raus. Was muss passieren, dass hier wieder die Post abgeht? Und wie kann ich dazu beitragen?

Die Gespräche, die dann entstehen, können ein Stimmungshoch schaffen, weil sie für Lösungen sorgen. Gute Stimmung fördert die Gesamtproduktivität, die Innovationskraft und den Leistungswillen der Mitarbeiter. Die Krankheitstage sinken und die Fehlerhäufigkeit lässt nach.

Die Mitarbeiter bleiben dem Betrieb länger treu, so dass weniger Kosten für die Suche und Einarbeitung der “Neuen” entstehen. Das Wissen bleibt im Unternehmen, Know-how-Schwund findet nicht statt. Positive Mundpropaganda dringt nach draußen. Das stärkt den Ruf einer Firma und zieht Top-Performer wie magisch an.

Alle am Klima mitarbeiten lassen

Das ganze Team muss am Betriebsklima arbeiten, denn jeder ist auf seine Weise mitverantwortlich dafür. Hierzu schlage ich folgende Vorgehensweise vor: Zeichnen Sie zwei Skalen von null bis zehn, wobei zehn die Höchstnote ist. Wählen Sie aus der Grafik ein Kriterium aus dem vergifteten und eines aus dem lachenden Bereich.

Dann lassen Sie jeden einzelnen Mitarbeiter anonym markieren, bei welcher Zahl aus seiner Sicht die Abteilung als Ganzes steht. Anschließend sollen alle gemeinsam erarbeiten, wie sich die Werte bis zu einem Zeitpunkt x um einen Skalenpunkt verbessern lassen.

Skalen können einen gefühlten Zustand sehr gut sichtbar machen, ohne dass er lang und breit erklärt werden muss. Außerdem lassen sich Verallgemeinerungen und Pauschalaussagen auf diese Weise relativieren: Statt eines kategorischen Gut oder Schlecht werden Grauzonen deutlich. Schließlich können Verbesserungen in kleinen, machbaren Schritten gemeinsam eingeleitet werden.


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