Die Sache mit dem Hammer und das Arbeitsklima

Die Sache mit dem Hammer und das Arbeitsklima

Die fortlaufenden Anstrengungen in Unternehmen die Effizienz zu steigern und das damit einhergehende konstante Abbauen von Leerzeiten, bedingen in Organisationen immer häufiger, dass die Menschen immer mehr übereinander anstatt miteinander reden.

#leanmagazin
am 26. 03. 2020 um 04:30 Uhr in LeanMagazin von Thomas Zabrodsky


Organisationen immer häufiger, dass die Menschen immer mehr übereinander anstatt miteinander reden. Ein stets optimierter Workflow kann die Zerstörung der Kommunikationskultur im Unternehmen befördern. Indem er dazu führt, dass die Menschen einander nicht mehr richtig kennen bzw. verstehen. Wie ticken eigentlich die anderen im Team? Ohne diesem Wissen droht ein Arbeitsklima schnell toxisch zu werden.

Die Geschichte mit dem Hammer und dessen Implikationen

Es liegt in der Natur von uns Menschen, dass wenn wir jemanden nicht kennen, dann fantasieren wir uns diese Person zusammen. Unser System will nämlich abschätzen, ob von anderen eine Gefahr für uns ausgeht. Für diese Einschätzungen verwendet unser Gehirn bekannte Muster und eingeübte Denkrahmen. Wir tun dies so fließend, dass selbst wenn es keine Muster gibt, unser Gehirn trotzdem versucht, Verbindungen herzustellen. Ein Beispiel dafür ist der Mann aus Paul Watzlawicks Geschichte vom Hammer aus dem Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet der sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel!“ (Paul Watzlawick 2007)

Wenn wir, wie in der Geschichte, jemand nicht gut kennen, neigen wir unter Umständen dazu, kleine Stimmungsschwankungen, die wir sonst leicht erklären könnten, in persönliche Angriffe umzudeuten. Im Zweifelsfall stufen wir diese sogar als Gefahr ein, auf die wir reagieren müssen. Zum Beispiel indem wir in einen verteidigenden Angriffsmodus wechseln. Dies ist ein idealer Nährboden für Mobbing, da wir viele Informationen über Menschen und die Bilder, die wir von ihnen haben, aus dem Gerede über sie konstruieren. Diese Bilder will unser Gehirn dann bestätigt bekommen, indem es alles Widersprechende ausblendet und alles dafür Sprechende mit Freude hinzufügt. Dasselbe Phänomen können wir beim Autofahren beobachten. Jede weitere rote Ampel verstärkt unseren Ärger, während jede grüne als gegeben hingenommen wird. In unsere Filterblasen lassen wir Menschen uns nämlich nicht gerne dreinreden.

Im Arbeitsalltag erhöht sich durch diese Dinge bei vielen immer weiter der Leidensdruck. Zum einen die Angst, weil die Situation nicht verstanden wird und zum anderen das Isolationsgefühl, welches damit transportiert wird. Dies in Kombination mit den steigenden Anforderungen im Beruf führt zu einer andauernden Überbeanspruchung. Häufig werden dann erste Warnsignale, wie zum Beispiel gesundheitliche Probleme, ignoriert. Unser Gehirn tut sich einfach schwer, uns mitzuteilen, dass der Arbeitsspeicher voll ist. Ist man der Überbelastung dann erlegen, kann dies die private und berufliche Beziehungsunfähigkeit zur Folge haben.

Bausteine eines guten Arbeitsklimas

Die Stimmung im Unternehmen ist ein wesentlicher Baustein für den Erfolg des Unternehmens. Wenn das „Gequatsche“ unterbunden wird, dann reden die Leute übereinander und nicht miteinander, wodurch die Beziehungen der Menschen leiden. Ein schlechtes Arbeitsklima zehrt, weil es stark dazu beiträgt, mürbe zu werden, sich seelisch zu verschleißen und die Lust sich mit Neuem zu beschäftigen, zu verlieren.

Indirekt hängen auch die Chancen, neues qualifiziertes Personal zu finden, mit dem Innenleben der Organisation zusammen. Denn wie man außerhalb des Unternehmens über das Arbeitsklima spricht, bedingt häufig, wer sich einem Unternehmen anschließen will.

Zwei Punkte scheinen entscheidend zu sein. Zum einen liegt es am Management, Räume zum Austausch zu schaffen und den ständigen Effizienzimperativ zu hinterfragen. Zum anderen kann ein gutes Arbeitsklima nicht von oben herab verordnet werden, da dieses sich durch die gelebten sozialen Beziehungen aller ausbildet. Das Management ist nur ein Teil davon. In diesem Sinne müssen jede Kollegin und jeder Kollege ebenfalls dazu beitragen, eine gute Kollegschaft zu bilden. Kollegialität bedeutet nicht, dass man sich gegenseitig wie rohe Eier behandeln muss. Aber es bedeutet, andere nicht aufgrund von Nichtigkeiten bewusst und gezielt zu verunsichern, zu verletzten oder gar anzugreifen. Einfach gesprochen, ist es gegenseitiger Respekt.


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