Carola Roll gewinnt den 3. ConSense ScientificAward

Carola Roll gewinnt den 3. ConSense ScientificAward

Die Speakerin der #NKNA20 und des #LATC2020 Carola Roll gewinnt fachübergreifenden Preis für neue Ansätze im Qualitäts- und Integrierten Management. Grund genug für uns mit der Preisträgerin zu sprechen. Das Interview führte Daniela Röcker von den Kultur-Komplizen.

#leanmagazin
am 29. 01. 2020 um 05:30 Uhr in LeanMagazin von Daniela Röcker


Daniela Röcker:
Hallo Carola, ich freue mich, dass wir uns hier über Deine Auszeichnung mit dem ConSense Scientific Award im Dezember 2019 unterhalten können. Was genau ist dieser Award, wer verleiht ihn und wofür wurdest Du ausgezeichnet?

Carola Roll:
Hallo Daniela, auch mich freut es sehr, dass ich hier die Gelegenheit erhalte, mit Dir über den ConSense Scientific Award zu sprechen.

2019 wurde der ConSense Scientific Award zum insgesamt dritten Mal von der ConSense GmbH, die branchenübergreifende und ganzheitliche Software für das Prozessmanagement und Qualitätsmanagement sowie für Integrierte Managementsysteme anbietet, ausgelobt.

Hierbei handelt es sich um einen fachübergreifenden Award für neue Ansätze im Qualitäts- und Integrierten Management. Ziel des Awards ist es, neue Ansätze für das Qualitäts- und Integrierte Management der Zukunft zu entwickeln und somit das Qualitätsmanagement in Unternehmen lebendig werden lassen. Der ConSense Scientific Award hebt somit zum einen die Lebendigkeit und Akzeptanz von Qualitätsmanagement hervor und bietet den, mit dem Award ausgezeichneten Forschern und Wissenschaftlern ein Forum, ihre Arbeit vor einem Expertenpublikum zu präsentieren und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Ich habe den Award für meine Master Thesis im Fach Lean Operations Management mit dem Titel “Organisation zur Selbstorganisation: Gestaltung eines wirksamen Lean-Management-Systems im mittelständischen Anlagen- und Maschinenbau mit Hilfe des Viable System Models“, also kurz gesagt einer Verschmelzung von Lean Tools und Management-Kybernetik, erhalten.

Daniela:
Für etliche Awards muss man sich aktiv bewerben. Wie war das bei Deiner Auszeichnung? Wie kam Dein erster Kontakt dort zustande?

Carola:
Ja, das trifft auch für den ConSense Scientific Award zu. Die ConSense GmbH hat die Ausschreibung für den Award in diversen Fachzeitschriften (z.B. QM-aktuell, QZ-online) und online publiziert, aber auch zahllose Hochschulen mit einem fachlich passenden Studienangebot über die Möglichkeit der Bewerbungsmöglichkeit informiert. Darunter war auch die Donau-Universität in Krems, an der ich mein Masterstudium absolviert habe. Über ein Mailing der Donau-Universität habe ich dann von der Ausschreibung für den Award erfahren.

Daniela:
Die Hürde, sich für Awards zu bewerben, schreckt viele von einer Bewerbung ab. Manchmal ist es ein hoher bürokratischer Aufwand, manchmal ist es die eigene Annahme - die gerade bei Frauen oft zu sehen ist, dass man eh keine Aussicht auf Erfolg haben wird, weil der eigene Beitrag zu klein scheint. Wie war das bei Dir? Wie aufwändig war die Bewerbung für den Award?

Carola:
Der bürokratische Aufwand für die Bewerbung hielt sich eigentlich in Grenzen: Neben der Einsendung der Master Thesis wurde lediglich noch ein Lebenslauf, die Akzeptanz der Teilnahmebedingungen und die Angabe, wie ich auf die Ausschreibung aufmerksam geworden bin, gefordert. 

Was mir hinsichtlich der Einschätzung meiner Chancen sehr geholfen hat, war das Angebot der Donau-Uni vor der Bewerbung mit einem hierfür zuständigen Lehrgangsleiter Rücksprache zu halten. Herr Mag. Dr. Lutz hat mich zur Bewerbung ermuntert, was er mit der wissenschaftlich und handwerklich durchwegs soliden Ausführung meiner Arbeit begründet hat, auch wenn sich das Thema nicht unmittelbar mit Qualitätsmanagement befasst.

Dafür bin ich sehr dankbar, da ich mir aufgrund meines doch etwas “exotischen” Themas keine reellen Chancen auf den Award ausgerechnet hatte.

Daniela:
Würdest Du anderen eine Teilnahme an solchen Awards empfehlen und falls ja, warum? Welche Chancen siehst Du darin?

Carola:
Vorausgesetzt, dass es sich bei der angefertigten Arbeit um ein Thema handelt, mit dem sich die Autorin/der Autor voll und ganz identifiziert und intensiv beschäftigt, kann ich eine solche Teilnahme nur empfehlen. Zum einen, um auch eine Fremdeinschätzung außerhalb der Universität zu erhalten, auch auf die Gefahr hin, dass es möglicherweise nicht der erste Platz wird - aber derartige Erfahrungen dienen dem persönlichen Wachstum. Und zum anderen, weil der eigenen Arbeit und somit den erarbeiteten Ergebnissen eine viel größere Aufmerksamkeit zuteil wird, wenn die Autorin/der Autor es in die Endrunde, oder sogar auf die vorderen Plätze schafft. Und vermutlich ist der fachliche Austausch, welcher sich durch die größere externe Aufmerksamkeit ergibt, der größte Vorteil einer solchen Beteiligung. Jedenfalls war das bei mir der Fall.

Daniela:
Laß’ uns über die Verbindung des Awards bzw. Deiner Masterarbeit zu Deiner praktischen Tätigkeit bei JELBA Werkzeug & Maschinenbau sprechen. Deine beiden Wirkbereiche sind das Qualitätsmanagement und die strategische Betriebsorganisation, also die Organisationsstrategie - beides Bereiche, in denen man/frau viel bewegen kann, wenn es den Freiraum dafür gibt. Du hast diesen Freiraum bei JELBA. Welche Haltung, welche Eigenschaften sollte Deiner Ansicht eine Geschäftsleitung, eine Geschäftsführerin haben, um einen solchen Freiraum zu ermöglichen?

Carola:
Das ist schwierig zu beantworten, weil es hier so viele Einflussfaktoren gibt. So nehmen im produzierenden Gewerbe unter anderem auch das Produktportfolio, die Fertigungstiefe, die gefertigte Stückzahl und der Grad der Arbeitsteilung Einfluss auf die Möglichkeiten sich im eigenen Wirkbereich einzubringen. Was das angeht, bietet die JELBA natürlich eine optimale Ausgangssituation. Was die Faktoren angeht, welche im Verantwortungsbereich der Geschäftsführung liegen, würde ich hauptsächlich zwei dort verorten: Erstens die generelle Bereitschaft der Geschäftsführung den Mitarbeitenden Freiraum einzuräumen eigenes Wissen und Erfahrung in die Arbeitsprozesse einzubringen und nur dort Ergebniskontrollen zu etablieren, wo der Prozess, oder der Kunde es verlangt. Und diese Bereitschaft basiert auf dem zweiten Faktor: Vertrauen zueinander.

Wenn sowohl Mitarbeiter, operative Führungskräfte, als auch Geschäftsführer der Überzeugung sind, dass die/der jeweils Andere nur zum Besten der gemeinsamen Organisation handelt, dann ist das der optimale Ausgangspunkt für positive Veränderungen im Unternehmen.

Mein Chef hat mir zu dem Thema vor zwei Jahren ein sehr interessantes Buch zum Geburtstag geschenkt: “Vertrauen - Die Währung von morgen” von David Horsager. Ich denke, das sagt zu diesem Thema schon alles! :-)

Daniela:
Bei JELBA seid ihr dabei, auf Deine Initiative hin, das VSM als Organisationsform umzusetzen. Wie das in der Praxis aussieht, wirst Du in Deiner Keynote bei der #LATC2020 #NKNA20 am 19./20. März 2020 in Mannheim beschreiben. Laß uns kurz ein wenig in die Zukunft schauen: Wie sieht JELBA aus, wenn das VSM erfolgreich bei Euch umgesetzt ist? Klar, dass der Prozess vermutlich nie ganz abgeschlossen ist, aber welchen Mehrwert wird das VSM bei Euch im Idealfall auslösen? Wo und wie profitiert ihr von der Anwendung?

Carola:
Du hast vollkommen Recht: als abgeschlossen kann das niemals betrachtet werden, da es ja gerade einer der Vorteile des VSMs ist, dass sich dieses an verändernde Umgebungsbedingungen ständig anpasst, um die Lebensfähigkeit des Systems aufrecht zu erhalten. Aber natürlich haben wir konkrete Vorstellungen, was wir erwarten:

  • Eine Entlastung der Führungskräfte (operative Führungskräften bis hin zur Geschäftsführung) von überwiegend operativen Aufgaben und unnötigen engmaschigen Kontrollen, also unter anderem auch das, was man unter “Micro Management” versteht.
  • Eine verstärkte Fokussierung auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens zur Sicherung der Überlebensfähigkeit sowie eine intensivierte Anbindung der Arbeitsprozesse an die akzeptierte Unternehmensstrategie (im Gegensatz zur klassischen Top-down-Vor- und Weitergabe).
  • Die Stärkung von Motivation und Engagement der Mitarbeitenden, durch die Möglichkeit sich und die eigenen Fähigkeiten einzubringen, Entscheidungen zu fällen und mitzutragen - kurz: den Mitarbeitenden das Gefühl vermitteln, dass jeder Einzelne etwas bewegen kann.
  • Schaffung eines Unternehmensumfelds, welches die optimale Struktur für lebenslanges Lernen, persönliche Entwicklung und Karriere- und Lebensplanung bietet.
  • Und schließlich zählt zur Berücksichtigung der Unternehmensumwelten auch der weitere Ausbau eines angenehmen Betriebsklimas, welches eine bestmögliche Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben ermöglicht und gleichzeitig die Identifikation der Mitarbeitenden, aber auch deren Familienmitglieder mit der JELBA fördert.
  • Nachhaltige Einbindung von Elementen ins System sowie Aufrechterhaltung deren Anwendung, zum Ziel der langfristigen Integration in die Unternehmensidentität und -kultur (wie z.B. Lean Tools, Umweltmanagement-Methoden, usw.)

Ich hoffe anhand dieser Beispiele ist deutlich zu erkennen, dass bei den angestrebten Veränderungen durch das VSM alle Interessengruppen des Unternehmens profitieren, was sich wiederum positiv auf den Ruf des Unternehmens auswirkt.

Realistischerweise muss ich aber zugeben, dass diese Veränderungen nicht kurzfristig zu erreichen und die erzielten Ergebnisse nicht immer eindeutig und klar messbar sind bzw. deren Vorteilhaftigkeit nicht in jedem Fall in Euro und Cent auszudrücken ist.

Trotzdem stehen wir fest und überzeugt hinter unserer Methode.

Daniela:
Ich danke Dir, Carola, für Deine bereichernden Antworten.

Carola:
Ich danke Dir auch für das interessante Gespräch.

Bildquellennachweis: ©ConSense GmbH 2019


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