Band 1: „Interview mit Dr. h.c. Any Nemo“

Band 1: „Interview mit Dr. h.c. Any Nemo“

Vorab-Rezension von Anton J.V. Seidl zu dem Buch Interview mit Dr. h.c. Any Nemo

#leanmagazin
am 24. 01. 2017 um 14:45 Uhr in LeanMagazin von Anton J.V. Seidl


Eigentlich sind alle Schriften und Podcasts von Herrn Kurt August Hermann Steffenhagen lesens- und hörenswert. Dem Talent seiner spitzen Feder entspringen stets äußerst interessante Geschichten, die nie Langeweile implizieren und auch zum Nachdenken (dem Denken zweiter Ordnung) anregen, weshalb man seine Werke – im übertragenen Sinne – vielleicht sogar mit den Bildnissen eines Hieronymus Bosch (El Bosco) assoziieren könnte.

Steffenhagens „Interview mit Dr. h.c. Any Nemo“ ist eine Reihe höchst unterhaltsamer Kurzgeschichten über eine Reportage, wobei ein namenloser Interviewer, die „verzaubernde“ Assistentin Elvira und der CEO von „WMIA Incorporated“, Dr. h.c. Any Nemo („god himself“), die Protagonisten repräsentieren.

Das Skript wirkt fast elektromagnetisch und zieht einen regelrecht hinein, in diese „geschäftigste“ aller Welten, die – und das merkt man – von vielen anekdotischen Erfahrungen des Autors geprägt wird. Sie zeigen sehr anschaulich, wie man „wirren Ideen“ mit geschickten Fragen begegnet und diese auch entlarven kann.

Fiktiv sind nur die Namen dieser Persiflage und Steffenhagen erwischt sie alle, die Töne auf diesem Klavier, wobei das komplette Intervall von trivialer Normalität zu exponentieller Absurdität bedient wird.

Der beißende, „schwarz-gallige“ Humor dieser Kurzgeschichten erinnerte mich spontan an Roald Dahl und einige dürften die Serie wohl auch als eine lockere Form von Satire begreifen. Stattdessen dürfte es sich eher um eine Art von „Tragik-Komödie“ handeln, wobei es das ungeschriebene Wort des Autors ist, dass den Dolch in das Fleisch – oder sagen wir besser das Fett – vieler Verantwortungsträger gleiten lässt.

Die sublime Beobachtungsgabe des Autors kommt stets an die Oberfläche und Steffenhagens „Spott“ trifft. Er ist eine „Warnung“ an all diejenigen, die zwar hoffnungsvoll talentiert in Führungspositionen geraten, mit dem zeitlichen Verlauf allerdings in eine absolut sinnbefreite Degeneration abdriften und dabei jeglichen Bezug zu ihren Organisationen verlieren.

Das Werk ist absolut lesenswert, immer eine „fette“ Empfehlung wert und sogar großartig, falls man bereit ist, zwischen den Zeilen zu lesen. Im deutschen Sprachraum dürfte Steffenhagen und seine Kreativität wohl ziemlich einzigartig sein.


Kommentare

Bisher hat niemand einen Kommentar hinterlassen.

Kommentar schreiben

Melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Teilen

Ähnliche Inhalte

Hier findest Du weitere Inhalte zu dem von Dir gewählten Thema. Bei diesen Vorschlägen handelt es sich um eine Auswahl an Inhalten, welche wir insgesamt für Dich auf der LeanBase zur Verfügung stellen.