Wo es am hellsten ist ... Folge 117

Wo es am hellsten ist ... Folge 117

Auch das größte Unternehmen der Welt macht Fehler.
WMIA Incorporated ist da keine Ausnahme.
Obwohl …
Wenn man genau hinschaut oder genau hinhört, existiert ein Fehler immer nur im Auge des Betrachters, eine alte Weisheit und die zu nutzen ist eine Kunst, die gerade in den höheren Etagen nahezu perfekt gelebt wird. Aber wir werden gleich sehen, was es damit auf sich hat ...

#WMIA
Podcast, am 29. 10. 2018 um 16:23 Uhr in Interview mit Dr. h.c. Any Nemo von Kurt August Herrmann Steffenhagen


Der Fehler war bei der Abfüllung einer weltbekannten Limonade, natürlich ein Produkt aus dem Hause WMIA Incorporated, mit dem Ruf, sie würde wachhalten, entstanden. Man hatte versehentlich – so jedenfalls steht es im Produktionsprotokoll – anstelle des Zuckers ein leichtes Schlafmittel in die braune Brühe gemischt. Soweit die Fakten, jedenfalls diejenigen, die schwarz auf weiß festgehalten sind … in der unteren Schublade des Shopfloormanagers …

Pressekonferenz im Hause des Dr. Nemo.

Anwesend in der sich drängelnden Reporterschar, im Blitzlichtgewitter der Öffentlichkeit, im Surren der Kameras des Fernsehens, im Klamauk des Lichts der Scheinwerfer soll erhellt werden, was, warum und wie und überhaupt geschehen ist und vor allem, welche Konsequenzen WMIA Incorporated daraus ziehen will. Ist doch klar, was da gleich geschehen soll … oder … jedenfalls leuchtet das ein, das mit den Konsequenzen …

Der Interviewer steht im Schminkraum des Vorstandsbüros, jenem Raum, in dem die Gesichter der hohen Herrschaften also des Managements von WMIA Incorporated kameragerecht überpudert werden. Wer auf den Gedanken kommt, dass diese Schminkerei auch etwas mit den Inhalten der Aussagen des Managements zu tun hat, ist entweder ziemlich wach oder nicht schminkfähig oder er passt schlicht nicht ins System … was letztlich wohl gleichbedeutend ist.

Interviewer: „Herr Dr. Nemo, die Pressekonferenz wird nicht ganz einfach werden. Immerhin liegt die halbe Welt, jedenfalls die der Brausetrinker im Halbschlaf …“

Nemo flirtet unterdessen mit der Visagistin. Fast grunzt er vor Lust, als sie den Puderpinsel über die Stelle am Halse streichen lässt, die bei empfindsamen Männern als erogen bekannt ist. Er ist wie fast immer und gerade heute bester Laune. Das kleine Techtelmechtel mit der Visagistin und was da noch im berühmten Busche lag, lassen wir mal außen vor …

Nemo unterbricht den Interviewer in seinen Gedanken: „Junger Mann …“ und mit diesen einleitenden Worten, die wir ja schon von den gereiften, attraktiven Grauköpfen, real existierenden Schwiegermutterträumen im Vorstand kennen und die bedeuten, dass einem das darauf folgende Statement entweder den Vogel raushaut oder die Sprache verschlägt, samt einem schalen Geschmack im Munde … also weiter im Text: „Junger Mann, heute ist ein großer Tag!“

Interviewer: „Na ja, in Ihrer Haut möchte ich nicht stecken.“

Nemo: „Unsere Kunden wollen eine Aufklärung über das, was geschehen ist und sie wollen vor allem verstehen, was geschehen ist und geschehen wird.“

Interviewer: „So isses …!“

Nemo: „Also, unsere Kunden wollen eine Erklärung, die für sie nachvollziehbar ist.“

Interviewer: „Das heißt, es kommt nicht auf den Inhalt an, sondern nur darauf, dass man etwas nachvollziehen kann … unabhängig davon, ob es den Tatsachen entspricht?“

Nemo: „Sie sind schlau, junger Mann!“

Interviewer: „Und was bedeutet nachvollziehbar?“

Nemo: „Ich sag’s mal durch die Blume, sonst wäre es zu platt …“

Interviewer etwas ironisch: „Na denn mal los, ist ja spannend!“

Nemo: „Wenn unsere Kunden etwas verstehen wollen, etwas suchen zum Beispiel die Wahrheit …“

Der Interviewer läuft inzwischen neben Dr. Nemo, der sich festen Schrittes auf das Rednerpodium hinbewegt.

Nemo: „Es ist ganz einfach … ich sage es mal so: Wenn unsere Kunden einen Schlüssel verloren haben, suchen sie ihn da, wo es am hellsten ist, nicht da, wo er wirklich liegen könnte …“

Interviewer: „Sie sprechen in Rätseln …“

Die Auflösung dieses Rätsels bleibt dem Hörer selbst überlassen und wird jedenfalls denjenigen offenbar, die nicht von der braunen Brause aus dem Hause WMIA Incorporated genascht haben.

Wie es weiter geht bei WMIA Incorporated erfahren wir wie immer nächsten Dienstag.

Doch halt! Vielleicht ist da was dran, an dem Gedanken, der da sagt: „So blöd ist man nur gemeinsam …“


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