Vertraue mir - Folge 45

Vertraue mir - Folge 45

Es gibt Fragen, die so alt sind wie die Menschheit und sie sind jeden Tag und immer wieder aktuell.
Eine davon ist die Frage nach dem Vertrauen.
In manchen Bereichen des Lebens ist sie, auch ohne dass sie gestellt wurde, bereits beantwortet, oft also negativ.

#WMIA
Podcast, am 10. 06. 2018 um 15:55 Uhr in Interview mit Dr. h.c. Any Nemo von Kurt August Herrmann Steffenhagen


Der Interviewer hat sich jedenfalls dem Clown anvertraut, der ihn letzte Woche auf dem Buckel 126 Stockwerke vom Vorstandsbüro in die Empfangshalle trug.

Das ging gut … und, es soll hier sehr wohl bemerkt sein, dass das schon eines gewissen Maßes an Vertrauen des Interviewers bedurfte.

So viel vorab.

Es liegt also auf der Hand, den CEO des weltgrößten Unternehmens danach zu fragen, wie er es denn mit dem Vertrauen hält.
Der Interviewer betritt das Vorstands Büro. Elvira begleitet ihn. Elvira ist die Hüterin des Vorstandsbüros, ohne sie betritt niemand die Heiligen Hallen.

Dr. Nemo fegt gerade einen ganzen Stapel Papier von seinem Schreibtisch. Die Fetzen fliegen auf den Boden.

Elvira: „Nemo, was ist los?“

Nemo: „Ach nichts … daily business. Ich bin um eine Hoffnung ärmer und eine Erfahrung reicher.“

Elvira: „So ist das Leben.“

Nemo: „Es soll aber nicht so sein.“

Interviewer: „Trau, schau, wem …“

Nemo: „Ja, Ja …“

Der Clown betritt das Zimmer oder sollte man sagen „die Bühne“?

Clown: „Ist was schiefgelaufen?“

Nemo: „Blöde Frage …“

Elvira sammelt die Fetzen vom Boden, der Interviewer hilft ihr dabei.

Clown: „Was schief lief, ist nicht die Frage, sondern Ihre Reaktion darauf!“

Nemo: „Ich hatte gehofft und hatte vertraut und nix war es.“

Clown: „Sie hatten vertraut, dass alles so läuft, wie Sie dachten?“

Interviewer: „Das ist doch Vertrauen, oder?“

Elvira: „Hätte, hätte, Fahrradkette …“

Nemo: „Lass die Sprüche!“

Clown: „Was meinen Sie mit Vertrauen?“

Nemo: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Trau, schau, wem.

Meine Mutter riet mir, auf die Schuhe von Menschen zu schauen, mein Vater hielt es mehr mit dem Spruch aus dem Film „Casablanca“, der da hieß „Schau mir in die Augen, Kleines“ … ja, da ist was dran. Die Augen sind ja die Fenster zur Seele, so sagt man.“

Clown: „Ach, ist das so? Welcher Augenfarbe trauen Sie denn Herr Vorstandsvorsitzender“?

Elvira kicherte mal wieder. Sie hat übrigens tiefbraune Augen.

Solche schönen Augen verdienen schon der Beachtung, laden sie doch den nördlichen Europäer zum Träumen ein und zu Unterstellungen, die unterhalb der Linie der Augen nicht alle Phantasien oder besser Mutmaßungen einlösen. Das gilt natürlich nicht für Elvira.

Sie ist der personifizierte Traum und der Kenner weiß, dass nicht nur die Farbe der Augen das ausmacht, was Herzen schmelzen lässt.

Clown: „Das – so sagt man – ist ja wohl nicht im Ernst ihre Verhaltensbibel?“

Interviewer: „Mmmh …“

Nemo: „Haben Sie was Besseres?“

Clown: „Was Besseres ist nicht die Frage, es geht um etwas Intelligenteres.“

Der Clown ist mal wieder ein Kommunikationsborderliner, also er traut sich was zu sagen, das eben nicht Mainstream ist, also irgendeine verkommene Psychosauce vermischt mit Aberglauben. Dies „Andere“ könnte man auch „Denken“ nennen.

Nemo schluckt und zieht die Brauen hoch: „Na dann mal raus mit der Sprache!“

Clown: „Ist Vertrauen eine Gewissheit?“

Nemo: „Nein, natürlich nicht. Schön wär’s.“

Elvira: „Das ist auch meine traurige Erfahrung.“

Clown: „Könnte es sein, Sie verwechseln Gewissheit mit Vertrauen?“

Interviewer: „Eigentlich liegt es auf der Hand. Es gibt keine Gewissheit … außer, dass morgens die Sonne aufgeht, jedenfalls irgendwo.“

Clown: „Wenn es keine Gewissheit gibt, ist Vertrauen eine seelische Schlaftablette und eine schöne Droge, deren Wirkung nachlässt, spätestens, wenn etwas dazwischenkommt.“

Jetzt hob ein kleines Palaver an, denn diese Bemerkung widerspricht natürlich dem Buch eines Erfolgsautors mit dem Titel „Vertrauen, der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme“, der Psychobibel Nemos.

Der Interviewer erinnert sich an seinen Ritt auf dem Buckel des Clowns. Der Clown stolperte und anstatt zu fallen, griff er nach einem Besen, der ihm für den Rest des Weges Halt gab.

Clown: „Eine Gewissheit gibt es jedoch.“

Nemo: „Und die wäre?“

Clown: „Das Leben ist keine gerade Linie!“

Nemo blickt auf die Uhr und verabschiedet sich.

Elvira begleitet den Clown und den Interviewer zum Fahrstuhl.

Elvira: „Gibt es denn nicht so etwas wie Vertrauen, denn ohne wäre doch alles fürchterlich.“

Clown: „Ja, gibt es, es ist allerdings die Frage, wie man darüber denkt. Nur mit Vertrauen würde ich nie über eine Brücke gehen.“

Elvira schaut nachdenklich.

Was der Clown mit der geraden Linie, die das Leben eben nicht ist, meint und was er anstelle des Vertrauens setzt, erfahren wir nächsten Dienstag …


Kommentare

Bisher hat niemand einen Kommentar hinterlassen.

Kommentar schreiben

Melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Teilen

Ähnliche Inhalte

Hier findest Du weitere Inhalte zu dem von Dir gewählten Thema. Bei diesen Vorschlägen handelt es sich um eine Auswahl an Inhalten, welche wir insgesamt für Dich auf der LeanBase zur Verfügung stellen.

Sanierung von Produktionsunternehmen in Eigenverwaltung (ESUG)

Sanierung von Produktionsunternehmen in Eigenverwaltung (ESUG)

Podcast auf LeanPublishing
am 26. 02. 2019 um 20:43 Uhr
Kanal: LATCSpeakerInterview

LEAN Management als Grundsteinfür eine nachhaltige Restrukturierung #LATCSpeakerInterview mit Philipp Kohlen als Projektleiter und dem Senior Consultant Günter Gathmann von der Buchalik Brömmekamp...

Bei dem Attribut „4.0″ geht es mehr als nur um neue Technik.

Bei dem Attribut „4.0″ geht es mehr als nur um neue Technik.

LernModul auf LeanOnlineAcademy
0 Punkte
Kaegorie: Vorträge - Impulse

Jan Westerbarkey, CEO der Westaflex Group, sieht dabei – nicht nur in der Produktion 4.0 – den Mensch im Mittelpunkt, zumal der kreative Mensch bereits auf dem Weg zur Industrie 4.0 der...

Chancen und Gefahren von Gamification (2)

Chancen und Gefahren von Gamification (2)

Beitrag auf LeanPublishing
am 11. 04. 2016 um 09:40 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den Chancen und Gefahren von Gamification. Im ersten Teil habe ich mich mit den Chancen von Gamification beschäftigt. Der zweite Teil wird nun die...

Wir spendieren ein Hoshin Kanri Einführungsprojekt

Wir spendieren ein Hoshin Kanri Einführungsprojekt

Angebot im LeanMarketplace

Wir bieten interessierten Unternehmen ein “Einführungsprojekt mit der Flowmotor Hoshin Planning Matrix” an. Das kann ein initiales Hoshin Kanri Projekt oder auch ein Digitalisierungsprojekt mit Umstieg von Excel oder einer Papierversion der Hoshin Planning Matrix sein.

LeanTransformation

LeanTransformation

Belohnung auf LeanOnlineAcademy
250 Punkte
Shopfloor Management

Shopfloor Management

Video-Beitrag und Podcast auf LeanPublishing
am 16. 12. 2017 um 12:46 Uhr
Kanal: LeanTalkTV

Zu Gast in unserer Sendung zum Thema "Shopfloor Management" waren Sandra Stoll von der U² Unternehmensberatung & Umsetzungsunterstützung GmbH und Sebastian Allegretti von der...

Immer Ärger mit den Mitarbeitern

Immer Ärger mit den Mitarbeitern

Podcast auf LeanPublishing
am 06. 06. 2019 um 05:30 Uhr
Kanal: LeanCast

Einsicht ist die unabdingbare Voraussetzung für Veränderung.Allerdings: es reicht nicht aus, Mitarbeitende zu überzeugen und die Bereitschaft für Veränderungsprozesse zu wecken. Häufig sind es...

Macht, darüber spricht Mensch nicht!

Macht, darüber spricht Mensch nicht!

Video-Beitrag und Podcast auf LeanPublishing
am 16. 12. 2017 um 12:55 Uhr
Kanal: LeanTalkTV

In dieser Sendung mit dem Titel "Macht, darüber spricht Mensch nicht!" diskutierten der Unternehmensdemokrat Dr. Andreas Zeuch und Conny Dethloff, BI Division Manager – OTTO GmbH & Co.