Erst kommt das Fressen, dann die Moral ... Folge 195

Erst kommt das Fressen, dann die Moral ... Folge 195

oder ... "Consuetudo quasi altera natura!" (Cicero)

#WMIA
Podcast, am 18. 08. 2020 um 04:30 Uhr in Interview mit Dr. h.c. Any Nemo von Kurt August Hermann Steffenhagen


Die Zeile stammt von Berthold Brecht aus der Dreigroschenoper.

Sie war seinerzeit auf die armen, hungernden Menschen gemünzt und macht insoweit Sinn.
Erst wenn Du zu „fressen“ hast, wirst Du über Moral nachdenken.

In den Kreisen von Dr. Nemo hat man immer genug "Fressbares".

Oh, Entschuldigung, in den Kreisen, die im Überfluss leben, heißt es nicht vulgär "Fressen", es nennt sich Schnabulieren oder Goutieren oder Delektieren ... und wenn ein Stück Filet vom Tische fällt, kümmert sich der Hund darum ...

In Fortführung des Brecht'schen Satzes könnte man denken, dass, wer satt ist, es mit der Moral gut hält.

Nemo, Fortunata, Elvira und Umbra sitzen an einem sommerlichen Tisch in Fortunatas buntem Garten auf der Insel Marrettimo im Mittleren Meer.

Er ist gut bestückt und bevor man zu speisen oder angesichts der sexy rötlich schimmernden Schalentiere - besser gesagt - sich zu amüsieren beginnt, eröffnet Nemo mit ein paar kurzen Worten die Tafel.

Nemo: "Liebe Familie, wie Du gesät hast, wirst Du ernten. Wie Ihr seht, haben wir gut gearbeitet, unser Tisch ist reich gedeckt. Langt zu, es ist genug da!"

Fortunata: "Was meinst Du mit gut gesät oder mit "gut gearbeitet"?"

Nemo: "Ich weiß schon, worauf Du hinauswillst. Wir haben aber letztes Jahr nicht gemogelt, wir haben nichts Böses getan."

Immerhin, so denkt der Interviewer, gibt Nemo entre nous zu, dass die Moral nicht unbedingt der Leitgedanke des Handelns bei WMIA war … jedenfalls in den letzten Jahren.

Nemo fügt noch hinzu: "Wir haben unsere Complianceabteilung, sie legt die Regeln fest für Moral und Anstand."

Fortunata: "Na toll! Es stände aber besser um die Welt, wenn die Mühe, die man sich gibt, die subtilsten Moralgesetze auszuklügeln, an die Ausübung der einfachsten gewendet würde."

Elvira beugt sich über den Tisch und greift nach einem Hummerschwänzchen. Die dabei aufkommende Frage ist, ob derjenige, der sich diesem tiefen Einblick ins pralle Leben nicht verschließt, nun noch moralisch oder schon unmoralisch ist. Das allerdings steht hier nicht zur Debatte und außerdem: "Honi soit qui mal y pense …"

Umbra, der Bruder Nemos und Olivenbauer ist ein Freund einfacher und umso überraschenderer Gedanken, er meint: "Wer nichts Böses tut, hat damit noch nichts Gutes getan. Ist das, was die Gesetze Euch erlauben, von einer guten Moral gedeckt?"

Nemo: "WMIA macht nicht die Gesetze, das tun die Regierungen!"

In dem Moment geschieht etwas Einmaliges in der Runde.

Alle, also Fortunata, Elvira und Umbra geben gleichzeitig die gleiche Antwort. Sie lautet: "Ach was? Ist das so …?"

Dann brechen sie in Gelächter aus und klopfen sich unter Außerachtlassung allen guten Anstands gegenseitig auf die Schenkel.

Nemo schaut pikiert.

Was ihn in diesem Moment rettet, ist das Erscheinen seines Freundes, des Mönchs Andrea.

Andrea nimmt ein Glas des guten Weins, erhebt es und spricht mit dieser Stimme, die bis ins Gewissen reicht: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein …"

Damit war der Abend gerettet und Andrea soll später gesagt haben: "So ist die Welt, die Katze lässt das Mausen nicht." Das lässt Einiges ahnen ...

Und wie es weitergeht mit Dr. Nemo erfahren wir  - wie immer - am nächsten Dienstag ...


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