Dr. h.c. Any Nemos Lebensphilosophie - Folge 23

Dr. h.c. Any Nemos Lebensphilosophie - Folge 23

Um es noch einmal in Erinnerung zu rufen… Diese Interviews werden mit dem wirtschaftlich mächtigsten Mann der Welt geführt, dem CEO von WMIA Inc. Los Straneros. Von seinem Denken und Handeln hängt ohne dies zu übertreiben, das Schicksal von Hundertausenden Menschen ab, manchmal sogar das von Staaten.

#WMIA
Podcast, am 10. 06. 2018 um 15:23 Uhr in Interview mit Dr. h.c. Any Nemo von Kurt August Herrmann Steffenhagen


Das heutige Interview findet am frühen Abend in einem Restaurant am mittleren der Meere statt, auf das man ja vom Vorstandsbüro einen schönen Blick hat.

Die Vorstandsassistentin Elvira hat einen Tisch reserviert.

Nemo schmückt ein weißer Sommerhut, solche, die die Herren auf den Bildern französischer Impressionisten zu tragen pflegten und schon von weitem kann auch der uninformierte Beobachter erkennen, wer selbst beim abendlichen Dinner sozusagen den Hut aufhat.

Man war zu fünft, Elvira, Dr. Nemo nebst Gattin, Signora Fortunata Nemo, sowie der Bruder Nemos, ein eher unauffälliger Couponabschneider und gern gesehener Gast in Gourmetrestaurants oder auch dem Moulin Rouge in Paris und der Interviewer.

Wie der Interviewer erfuhr, ist Dr. Nemo ist seit 24 Jahren mit Fortunata verheiratet. Eine elegante Dame, die wie sich herausstellen sollte, immer mit einem halben Ohr das Gespräch verfolgte und gelegentlich das tat, was Frauen in hervorragender Weise können, sie stören den Mann und kaufen ihm manchmal den Schneid ab. Aber wir wollen nicht vorgreifen.

Fortunata begrüßte an einem Nebentisch Freunde des Hauses. Insofern war es eine gute Gelegenheit, die offene neugierige Frage nach der Ehe des CEO jedenfalls anzureißen soweit es die Etikette erlaubt … und in Fragen der Ehe gibt es viel darüber zu erkennen wie der Mann so tickt.

Nemo: „Wir sehen uns nur gelegentlich, das ist das Geheimnis unserer guten Ehe.“

Interviewer: „Ist das denn noch eine Ehe?“

Nemo: „Wissen Sie, junger Mann, die Welt ist voller idealisierender Ideen. Der eine sagt so und der andere wieder etwas Anderes.“

Interviewer: „Gibt es aber nicht so etwas wie einen Kern, eine grundlegende Aussage über die Ehe?“

Nemo: „Es gibt immer eine Grundlage. Die ultimative Grundlage des Ganzen ist allerdings realistisches Denken, überall.“

Interviewer: „Was meinen Sie mit realistischem Denken?“

Nemo: „Ganz einfach: Truman Capote hat einmal gesagt: „Ein Realist ist ein Mensch, der den richtigen Abstand zu seinen Idealen hat.“
Wir alle haben über alles ideale Ideen. Eine gute und langanhaltende Ehe resultiert aus einem wohl temperierten Abstand voneinander und dem Abstand vom romantischen Ideal einer Ehe.“

Interviewer: „Mmmmh…“

Nemo: „Kommen wir zum Management. Hier gilt das Gleiche. Ideen und Ideale fließen wie Wasser die Treppen herunter. Management by something, Demokratisierung der Unternehmen, fraktale Organisation, Resilienz, Workflow, neue Werte und weiß der Teufel.“

Interviewer: „Ist das nicht ein wichtiger Input?“

Nemo: „Sicher, nur, meine Rolle ist es, darauf aufzupassen, dass das Ganze nicht aus den Fugen gerät und das ist meine Philosophie. Il mondo mai cambia.“

Interviewer: „Wie meinen Sie das?“

Nemo: „Die Welt wird sich nicht verändern, eine alte Weisheit der Römer. Kennen Sie Goethes Gedicht vom Zauberlehrling?“

Interviewer: „Wie passt das hierher?“

Nemo: „Nun, die Geister, die wir rufen und das sind die Ideen, die halten wir im Zaum. Klar, wir probieren Sie aus… mehr nicht. Der alte Meister wie im Goethe’schen Gedicht, der CEO dirigiert sie und wissen Sie, es gilt die alte Bauernregel: Wenn du ein Glas Milch willst, musst Du nicht die ganze Kuh kaufen… wir stellen doch nicht alles auf den Kopf.“

Nemo hatte insoweit in Kurzform das Drama der Berater umrissen.

Nemo: „Meine Philosophie ist der Glaube an die Beständigkeit“ und schnitt eine Scheibe vom dry-aged japanischen handmassierten Rindersteak ab.

Mit dem Messer schabte er die Café de Paris, die berühmte Sauce vom Fleisch und bemerkte: „Sehen Sie, hier ist die Realität. Das Fleisch ist die Realität, schon immer, die Soße ist auswechselbar.“

Fortunata unterbrach: „Nemo, Amore, du sagtest, die Sauce sei auswechselbar. Bist Du Soße oder Fleisch?“

Die Abendsonne ließ ihr letztes orangenes Licht über die Terrasse gleiten, Nemos Bruder verabschiedete sich zu den Schönen dieser Welt und Elvira, die bezaubernde Assistentin des Vorstands geleitete den Interviewer zum bereitstehenden im samtenen Licht der Riviera, dem mittleren Strand der Träume dunkel schimmernden Wagen.

Interviewer: „Ist Nemo Sauce oder Fleisch?“

Elvira antwortete wie immer auf die Fragen des Interviewers: „Darüber sprechen wir mal nächste Woche, Dienstag…“


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