Der Märchenliebhaber - Folge 21

Der Märchenliebhaber - Folge 21

Im Folgenden hören Sie einen weiteren Mitschnitt eines Interviews mit dem CEO der WMIA Incorporated, Herrn Dr. h.c. Any Nemo.
Heute geht es um Märchen. Die Märchen, die Dr. Nemo liebt…

#WMIA
Podcast, am 10. 06. 2018 um 15:21 Uhr in Interview mit Dr. h.c. Any Nemo von Kurt August Herrmann Steffenhagen


Wie immer ist der Interviewer bestens vorbereitet.
Heute geht es um Märchen, die Märchen, die Dr. Nemo, CEO von WMIA Inc., Los Straneros liebt.

„Wir sind ja alle mit Märchen groß geworden“, fand der Interviewer in seiner vorbereitenden Forschung heraus.

Da gab es das Märchen vom Weihnachtsmann, dem Nikolaus, dem Klapperstorch und noch einigen weiteren regional bedingten Märchenfiguren, deren Realität wir als Kinder nie anzweifelten. Warum auch? Wir aßen unsere Spinatteller leer, weil es morgen dann schönes Wetter gibt, was manchmal hinhaute und das geliebte Nasenbohren ließen wir Jungens lieber sein, weil Muttern sagte, dass eines Tages der Finger in der Nase stecken bleibt. Das wollten wir ja nicht. In der Jugend gab es dann noch ein paar Märchen über angeblich schlimme Betätigungen, die wir zwar schon nicht mehr wirklich glauben wollten, die aber zumindest ein schlechtes Gewissen machten… und manche dieser Märchen wirken noch heute.

„Na dann schaun mer mal“, dachte der Interviewer und betrat das Büro des Vorstands im 124. Stock.

Es bedarf immer wieder der Erwähnung, dass Dr. Nemo stets dem Anlass entsprechend korrekt gekleidet ist. Elvira hatte ihm das heutige Thema avisiert und Nemo saß wie immer elegant am Schreibtisch. Seine Krawatte hatte das Sterntalermotiv.
Das Besondere seiner heutigen Inszenierung war ein schwarzer Zylinderhut, ein Chapeau Claque auf seinem Schreibtisch. Was es damit auf sich hat, erfahren wir später.

Interviewer: „Elvira sagte mir, dass Sie gern Märchen lesen.“

Nemo: „Ja und Sie möchten sicher wissen, warum ich Märchen liebe?“

Interviewer: “Ja gern, ein Mann wie Sie liest Märchen?“

Nemo: „Ein Mann in meiner Position muss Märchen sogar lieben.“

Interviewer: „Ist Ihre Welt nicht die der harten Fakten? Steht das Märchenlesen dazu nicht im Widerspruch oder lesen sie die nur zur Entspannung?“

Nemo: „Sie meinen eine literarische Worklifebalance?“

Nemo lächelte als freute er sich über diesen vermeintlichen Seitenhieb auf diesen modischen Begriff.

Nemo: „Nein, Märchen sind der Kern meines Tuns, würde ich sie nicht lieben, wäre ich fehl am Platze.“

Interviewer: „Mmmmh, wie kommen Sie darauf, dass Märchen der Kern Ihres Tuns sind?“

Nemo: „Wir sind nicht umsonst das größte Unternehmen der Welt. Unsere Größe beruht auf einer Erkenntnis über das Leben, the formula of life.“

Interviewer: „Na da bin ja gespannt.“

Kurze Bemerkung: Die „formula of life“ ist ja etwas, von dem viele behaupten, sie hätten sie gefunden, eigentlich ist das ein Unwort. Immerhin spricht es für Dr. Nemo, dass er damit erfolgreich ist.

Nemo: „Sie kennen sicher Shakespeare, Macbeth.“

Interviewer. „Ja, sicher.“

Nemo: „Dann kennen Sie auch den Satz, den Macbeth über das Leben sagte:

Was ist Leben? Ein Schatten, der vorüber streicht!
Ein armer Gaukler,
Der seine Stunde lang sich auf der Bühne
Zerquält und tobt; dann hört man ihn nicht mehr.
Ein Märchen ist es, das ein Thor erzählt,
Voll Wortschwall, und bedeutet nichts.

Der Interviewer dachte an die Bibliotheken, in denen er saß und lernte… lange Meter voll Wortschwall, weggewischt von einem Satz der Poesie.

Ein zweites „Mmmmh“ fiel ihm erstmal ein.

Interviewer: „Ist das nicht depressiv?“

Nemo: „Nein, es ist produktiv. Zu wissen, dass man Märchen erzählt, macht frei, nicht zu wissen, dass es Märchen sind, macht dumm.“

Interviewer: „Geben Sie mal Beispiele!“

Nemo: „Es gibt zwei Arten von Märchen. Die einen sind die modernen Märchen. Das sind die Forecasts der Unternehmen und die Aktienanalysen der Experten. Das ist eher die „Yellow Press“ der Märchenliteratur, leicht geschrieben und jeden Tag neu, told by an idiot …. Sie haben das Niveau der flüchtigen Liebesgeschichten der Filmstars, ich lese sie gerne, wenn ich wirklich nichts zu tun habe.
Die andere Art der Märchen ist die in Literatur gemeißelte Erkenntnis über das Leben. Das Märchen ist nur die Erzählform, der Inhalt ist ewig.“

Interviewer: „Welches Märchen aus der Literatur lieben sie besonders?“

Nemo: „Ich liebe das Märchen vom Sandmännchen sehr. E.T.A. Hoffmann hat es zuerst aufgeschrieben. Dieses Sand in die Augen streuen hat uns schon als Kinder zum Schlafen gebracht. Wir streuen Sand in die Augen und unsere Kunden schlummern ein, selig.“

Interviewer: „Was hat es mit dem Chapeau Claque auf sich.“

Nemo: „Unter diesem Zylinder hockt auf Rummelplätzen ein weißes Karnickel, das der Magier zum Staunen der Menge zeigt.“

Nemo hob den Zylinder hoch.

Nemo: „Sehen Sie, da ist nichts darunter. Wir wissen, dass das nur ein Märchen ist, aber die Schlafenden träumen vom weißen Karnickel, das der Magier oder der CEO hervorzieht…“

Elvira begleitete den Interviewer zum Fahrstuhl.

Interviewer: „Ist Nemo ein Magier, ist er nicht einsam?“

Elvira: „Darüber werden wir nächste Woche Dienstag sprechen…“


Kommentare

Bisher hat niemand einen Kommentar hinterlassen.

Kommentar schreiben

Melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Teilen

Ähnliche Inhalte

Hier findest Du weitere Inhalte zu dem von Dir gewählten Thema. Bei diesen Vorschlägen handelt es sich um eine Auswahl an Inhalten, welche wir insgesamt für Dich auf der LeanBase zur Verfügung stellen.

Komplexität & Dynamik

Komplexität & Dynamik

Beitrag auf LeanPublishing
am 01. 03. 2017 um 12:23 Uhr
Kanal: LeanMagazin

Wachsende Dynamik und VUCA – also Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität – sind Dinge, die unser Arbeiten heute mehr indirekt prägen als alle...

Lean auf gut Deutsch: Band 1 Einführung und Bestandsaufnahme

Lean auf gut Deutsch: Band 1 Einführung und Bestandsaufnahme

Buch auf LeanBooks
Kategorie: Lean Management

von Mari Furukawa-Caspary

Lean braucht Unterstützung durch das Top-Management

Lean braucht Unterstützung durch das Top-Management

LernModul auf LeanOnlineAcademy
0 Punkte
Kaegorie: Vorträge - Impulse

Im Vordergrund der meisten Lean-Ansätze stehen Prinzipien (Wertstromidentifikation, Fluss-Prinzip, Pull-Prinzip, Identifikation) und Methoden (Wertstromanalyse, Kennzahlensystem usw.). Doch...

Was die Industrie vom Handwerk lernen kann

Was die Industrie vom Handwerk lernen kann

Beitrag auf LeanPublishing
vor 23 Stunden, 7 Minuten
Kanal: LeanMagazin

Eine Aussage, die mir immer wieder mal begegnet, ist, das Handwerk hätte sich überholt und würde die Digitalisierung verpassen. Interessanterweise kommt diese Aussage auch aus der Handwerksbranche...

Hoshin Kanri falsch verstanden

Hoshin Kanri falsch verstanden

Beitrag auf LeanPublishing
am 13. 02. 2016 um 17:54 Uhr
Kanal: LeanMagazin

In den ersten Jahren von Lean-Aktivitäten in einem Unternehmen sind immer deutliche Erfolge erkennbar. Wenn man in einen ungeordneten Zustand Strukturen und eine gewisse Logik einbringt (z.B....

So geht Management heute.

So geht Management heute.

Beitrag auf LeanPublishing
am 15. 03. 2016 um 14:12 Uhr
Kanal: LeanMagazin

In den ersten Wochen kamen die Mitarbeiter mit diesem Verhalten überhaupt nicht klar. „Warum zeigt sich der Chef kaum noch in der Produktion? Warum bleibt sein Parkplatz vor der...

Connys Gedanken zu ...

Connys Gedanken zu ...

Channel auf LeanPublishing

Conny Dethloff, Division Manager BI Agile Product bei der OTTO GmbH & Co KG, ist dafür bekannt, dass er nicht nur stark selbstreflektiert ist, sondern auch dafür, dass er seinen Gedanken...

Die Kunst im Management - Folge 75

Die Kunst im Management - Folge 75

Podcast auf LeanPublishing
am 10. 06. 2018 um 16:59 Uhr
Kanal: Interview mit Dr. h.c. Any Nemo

So selten ist es nicht, dass CEOs von großen Unternehmen eine Künstlerin an ihrer Seite haben.Schauspielerinnen, Sängerinnen und bei Dr. Nemo, dem CEO des größten...