Der Bruch in der Linie ... Folge 102

Der Bruch in der Linie ... Folge 102

In Familienunternehmen treten oft die Söhne in die Fußstapfen des Vaters. Söhne in diesen Sphären wandern meist auf einer geraden Linie der Tradition, die sich durch die Familie zieht, jedenfalls solange der „Alte“ noch am Ruder ist, oft aber darüber hinaus.
Dr. Nemo hat zwei Söhne ...

#WMIA
Podcast, am 02. 07. 2018 um 17:10 Uhr in Interview mit Dr. h.c. Any Nemo von Kurt August Herrmann Steffenhagen


Im heutigen Interview hören wir ein Gespräch zwischen ihm, dem CEO des weltgrößten Unternehmens und seinem Sohn Rubirosa, ein ehemaliger Playboy, Hotelbesitzer in der Südsee, Fußballspieler und heutiger Unternehmer im digitalen Versandhandel. Seine Firma heißt Aladin und ist in ihrem Bereich die profitabelste der Welt.

Man könnte bei diesen Giganten meinen, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm … aber wir werden sehen.

Treffpunkt ist eine Trattoria am Mittleren Meer, Nemo hat sie vor Jahren gekauft, um sicher zu sein, dass es dort immer seinen Lieblingswein gibt. Nemo mag keine Überraschungen, schon gar nicht bei solchen wesentlichen Dingen.

Rubirosa – der Name ist übrigens eine Hommage seiner Mutter an einen ehemaligen Geliebten – kommt gerade auf die Terrasse. Nemo sitzt schon am Tisch und schenkt dem Interviewer vom köstlich kühlen Rosato ein.

Rubirosa trägt einen eleganten tiefblauen Anzug, Armani-Style und ein am Kragen offenes blütenweißes Hemd.

Nemo: „Aus Dir scheint ja ein Herr geworden zu sein … hast Du Dein blumiges Südseeoutfit abgelegt? Na ja, ein Unternehmer trägt ja immer korrekte Kleidung.“

Rubirosa überhört diese Anspielung auf seine Vergangenheit und als er nach seinem Weinglas greift, blitzt eine bunte Tätowierung am Unterarm hervor.

Nemo zuckt mit einer Augenbraue.

Nemo: „Erzähl mal von Deinem Unternehmen! Wie groß ist es denn jetzt?“

Rubirosa: „Mich interessiert nicht Größe, mich interessiert Vielfalt …“

Nemo: „Hängen Größe und Vielfalt nicht zusammen?“

Rubirosa: „Nur bedingt. Vielfalt ist beweglich und Größe ist ein schwerer Tanker so ähnlich wie WMIA Incorporated.“

Dieser kleine Seitenhieb, den muss sich Rubirosa gönnen. Er kommt aus einem anderen Stall der Bildung. Seine Mutter Fortunata hat sich gegenüber Nemo durchgesetzt und den Sohn anstelle eines Harvard-BWL-Studiums auf eine Kunstakademie geschickt, zudem unterstützte sie ihn in seiner Karriere als Fußballer … das allerdings ist ein Bruch in der Linie der Tradition der Familie Nemo. Man studiert halt, am besten BWL …

Nemo: „Der Tanker ist aber erfolgreich … we are too big to fail!“

Interviewer: „Mmmh …“

Rubirosa: „Den Satz hat jemand erfunden, der die falschen Kräuter geraucht hat …“

Interviewer: „Oh!“ und hat dabei einen Gesichtsausdruck wie Louis de Funès, wenn er überrascht ist.

Nemo: „Das ist Erfahrung, mein Sohn! An der Größe dieses Unternehmens haben Deine Vorfahren mit Schweiß, Blut und Tränen gearbeitet …“

Rubirosa dreht sich wie seine Mutter genüsslich eine Zigarette, dann pafft er vor sich hin.

Solche Rauchpausen sind ja berühmt und außerdem nehmen sie etwas Dampf vom Kessel. Ein Gespräch zwischen einem Vater, dem CEO des weltgrößten Unternehmens und seinem Sohn, dem tätowierten Zigarettendreher, hat – auch wenn der Sohn höchst erfolgreich ist – eine gewisse Brisanz.

Rubirosa: „Papa, Erfahrung hat ein Ablaufdatum …“

Nemo fällt ihm ins Wort: „Ja klar, die Zeiten ändern sich!“

Rubirosa: „Zu kurz gegriffen, es geht nicht um Veränderung …“

Nemo fällt ihm schon wieder ins Wort: „WMIA Incorporated ist führend, weil wir uns immer wieder verändern.“

Rubirosa: „Du veränderst das Rezept, aber der Kuchen bleibt der gleiche!“

Wie immer muss Nemo zum nächsten Termin.

Der Interviewer und Rubirosa leeren noch eine Flasche vom Rosato, nur zwei Gläser davon zu trinken, ist ja rausgeworfenes Geld.

Interviewer: „Sie sind, wenn ich das so sagen darf, ein Bruch in der Linie der Nemos.“

Rubirosa: „Der Bruch in der Linie ist der Bruch mit der gradlinigen Vorstellung über die Welt, über Karrieren und die Ausbildung als Manager.“

Interviewer: „Würde Ihr Vater Sie bei WMIA einstellen?“

Rubirosa: „Erstens will ich das nicht und zweitens „Nein“, er kann mit Managern wie mir nichts anfangen.“

Nun, das ist ein Statement. Was Nemo aus dieser Begegnung macht, was ihn daraufhin bewegt, erfahren wir nächsten Dienstag …


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