Alles vermessen ... Folge 144

Alles vermessen ... Folge 144

oder ... "Consuetudo est altera natura."

#WMIA
Podcast, am 18. 06. 2019 um 05:30 Uhr in Interview mit Dr. h.c. Any Nemo von Kurt August Hermann Steffenhagen


Menschen haben schon immer eine Neigung dazu, alles zu vermessen und dann das zu finden, was man den Durchschnitt nennt. Es ist die Linie, die sich durch die Massen zieht, ein Rahmen innerhalb dessen man so lebt wie es sich gehört.

Man kann das auch die verkörperte Normalität nennen, von der abzuweichen sich nur ein paar Mutige trauen. Wer will schon mehr Gewicht haben als der Durchschnitt erlaubt oder wer will sich gern das Prädikat „Bohnenstange“ anhören.

WMIA Incorporated hat alles erforscht, auf seinen Datenbanken gespeichert, was Menschen so verzehren, was sie in der Freizeit tun, welche Kleidung opportun ist oder der Etikette entspricht und natürlich auch das, was Schönheit ausmacht bis hin zum Bräunungsgrad der Haut, der als angemessen gilt und Kriterien des Zueinanderpassens dargestellt durch Algorithmen, gefüttert mit Normalität, die eine funktionierende Beziehung versprechen.

Dr. Nemo sitzt mit Elvira, dem Interviewer und Herrn Dr. Meschino im Vorstandsbüro.

Dr. Meschino ist der neue Marketingchef, ein leidenschaftlicher Datensammler dessen Sammelwut und Vermessungsgehabe schon die Grenze zur Rigidität überschreitet … aber das ist ja eine anerkannte Berufsneurose. Selbstverständlich ist er so gekleidet wie es sich gehört und gelegentlich, nein eigentlich im 10-Sekundentakt streicht er seine rotbraune Krawatte zurecht, was er stets mit einem nervösen Hüsteln als ob es ihm peinlich wäre begleitet. Weitere Einzelheiten der Macken dieses Herrn brauchen nicht dargestellt zu werden. Wenden wir uns lieber Elvira zu, die schon von ihrer Vita eine ist, die den Rahmen des Durchschnitts sprengt und auch sonst sprengt, nein springt, nein … aber lassen wir das.

Meschino: „Herr Dr. Nemo wir haben herausgefunden, was der durchschnittliche Mensch will.“

Nemo: „Bravo! Dann sollten wir unsere Produkte darauf ausrichten!“

Meschino verbeugt sich höflich.

Elvira: „Sie wissen also, was ich will, ich meine als Kunde?“

Meschino: „Natürlich nicht!“, und dabei unterläuft ihm eine leichte Röte im Gesicht ... „Wir haben den Durchschnitt berechnet und na ja, irgendwie werden auch Sie etwas in den Produkten von WMIA finden.“ Dann streicht er seine Krawatte zurecht.
Immerhin sind ja 10 Sekunden wieder um.

Elvira: „Es gibt also den Durchschnittsmenschen?“

Meschino: „Sie können es in unseren Daten nachlesen.“

Nemo: „Messungen und daraus resultierende Daten sind die Seele unseres Geschäfts. Unser neuer Marketingchef hat gute Arbeit geleistet.“

Meschino streicht sich wieder seine Krawatte und schaut einen Moment irritiert vermutlich, weil er zu Hüsteln vergaß, was er schleunigst nachholte, damit alles wieder normal ist.

Elvira: „Ich bezweifele, dass es den Durchschnittsmenschen überhaupt gibt. Sind Menschen nicht vielfältig, ist das nicht ein Teil des Schönen im Leben?“

Nemo: „Mag sein, aber wir müssen die Linie finden, an der sich alle orientieren, einen Geschmack zum Beispiel, den der Durchschnitt will. Das gibt es doch und das bauen wir weiter aus!“

Elvira: „Aber Geschmäcker sind doch verschieden! Was soll das alles?“

Meschino: „Und wenn schon … wenn die Menschen denn verschieden sind, dann machen wir sie eben alle gleich. Wir influenzen sie auf der Basis unserer Messungen.“

Elvira: „Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“ … und lacht schallend!

Nemo muss zum nächsten Termin.

„Was hältst Du von dieser Messerei, Elvira?“, fragt der Interviewer später.

Elvira: „Meschino misst das, was er messen will und hat die Ergebnisse, die ihm passen.“

Interviewer: „Ja und?“

Elvira: „So dumm ist WMIA nun wieder nicht. Sie veröffentlichen die Messungen über das, wie alles sein soll und damit kreieren sie den guten Durchschnitt.“

Interviewer: „Der Punkt ist also nicht das Messen, es ist der Glaube an die gemessenen Ergebnisse?“

Elvira: „So ähnlich ...“

Interviewer: „Mmmh …!“

Dann streicht sie ihm über die Wange, schaut ihn an und sagt: „Ich wollte mal sehen, wie Du durchschnittlich reagierst.“

Nun, Messen ist in … und wie es weitergeht mit WMIA Incorporated erfahren wir - wie immer - am nächsten Dienstag …


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