Kaizen 2 go 388 : Wirtschaftlicher Digitaler Zwilling

Kaizen 2 go 388 : Wirtschaftlicher Digitaler Zwilling

Fragestellungen in der Unterhaltung mit Andreas Skuin: Was sind klassische Anwendungen von digitalen Zwillingen, was ist deren Fokus? Was war der Auslöser, sich mit diesen digitalen Zwillingen zu beschäftigen? Was ist der Fokus von dieser digitalen Zwillinge? Wer sind typische Anwender? Was sind typische Einflussfaktoren bzw. Szenarien, die mit diesen digitalen Zwillingen durchgespielt werden können? Welchen Nutzen können Unternehmen und ihre Entscheidungsträger aus diesen digitalen Zwillingen? Was unterscheidet einen wirtschaftlichen digitalen Zwilling von einer BWA, welche Vorteile ergeben sich? Was ist der Output von wirtschaftlichen digitalen Zwillingen bei welchen Einsatzfällen? Was sind mögliche Grenzen wirtschaftlicher digitaler Zwillinge? Wie kann ggf. KIim Kontext wirtschaftlicher digitaler Zwillinge eingesetzt werden, wo liegen deren Grenzen? Wo kann man mehr über wirtschaftliche digitale Zwillinge erfahren?

10. Mai 2026 um 09:13 Uhr von Götz Müller


Das Transkript der Episode ist hier verfügbar.

Kaizen 2 go 388 : Wirtschaftlicher Digitaler Zwilling

KI-generierte Zusammenfassung des Transkripts

In dieser Episode spricht Götz Müller mit Andreas Skuin über den wirtschaftlichen digitalen Zwilling und dessen Bedeutung für die zukunftsorientierte Unternehmenssteuerung. Andreas Skuin erläutert zunächst den klassischen digitalen Zwilling, der als virtuelles Abbild eines physischen Objekts oder Prozesses dient. In der Industrie werden solche digitalen Zwillinge typischerweise genutzt, um Maschinen, Fertigungslinien oder Werkshallen abzubilden, Zustände vorherzusagen und Prozesse zu optimieren. Ziel ist dabei vor allem, Transparenz zu schaffen, Kosten zu reduzieren und schneller auf Veränderungen reagieren zu können.

Der wirtschaftliche digitale Zwilling verfolgt dagegen einen anderen Ansatz. Statt technischer Prozesse betrachtet er die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge eines Unternehmens. Im Mittelpunkt stehen Ertragsstrukturen, Kostenentwicklungen und Wechselwirkungen innerhalb des Unternehmens. Andreas Skuin beschreibt, dass dieser Ansatz auf Enterprise Performance Management basiert und vor allem dazu dient, Szenarien für die Zukunft zu simulieren und deren wirtschaftliche Auswirkungen sichtbar zu machen.

Götz Müller greift die Frage auf, warum ein solches Konzept überhaupt notwendig geworden ist. Andreas Skuin erklärt dazu, dass Unternehmen zwar seit langem versuchen, Szenarien und Zukunftsentwicklungen zu analysieren, viele bisherige Methoden jedoch überwiegend qualitativ arbeiten. Verfahren wie Cross-Impact-Analysen oder Monte-Carlo-Simulationen zeigen zwar Zusammenhänge auf, liefern aber häufig keine konkrete wirtschaftliche Bewertung. Der wirtschaftliche digitale Zwilling schließt genau diese Lücke, weil er Wechselwirkungen nicht nur sichtbar macht, sondern gleichzeitig bewertet. Dadurch entsteht ein deutlich klareres Bild darüber, wie sich bestimmte Entwicklungen auf Wettbewerbsfähigkeit, Gemeinkosten oder Fertigungskosten auswirken.

Im weiteren Verlauf sprechen Götz Müller und Andreas Skuin darüber, wer mit einem wirtschaftlichen digitalen Zwilling arbeitet. Anders als beim technischen digitalen Zwilling, der häufig von Technikern oder Produktionsverantwortlichen genutzt wird, richtet sich der wirtschaftliche Ansatz vor allem an Geschäftsführer, Unternehmer, Investoren, Interim-Manager, Sanierer, Supply-Chain-Manager und Controller. Besonders in einer volatilen Wirtschaftslage bietet der digitale Zwilling die Möglichkeit, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Controller erhalten beispielsweise ein Werkzeug für kontinuierliches Monitoring, während Supply-Chain-Manager Auswirkungen entlang der Lieferkette besser bewerten können.

Anhand verschiedener Beispiele verdeutlicht Andreas Skuin die praktische Anwendung. Steigende Energiekosten, sinkende Auslastung, veränderte Materialpreise oder Lieferantenwechsel lassen sich simulieren und in ihren Auswirkungen auf das Unternehmen analysieren. Besonders interessant ist dabei die Möglichkeit, mehrere Einflussfaktoren gleichzeitig zu betrachten. So kann beispielsweise untersucht werden, welche Folgen eine Kombination aus steigenden Energiekosten, höheren Materialpreisen und sinkender Auslastung hat. Andreas Skuin betont, dass sich dabei häufig überraschende Erkenntnisse ergeben. Manche Faktoren, die öffentlich stark diskutiert werden, haben unter Umständen geringere Auswirkungen als andere, weniger offensichtliche Entwicklungen.

Ein zentraler Unterschied zur klassischen Betriebswirtschaftlichen Auswertung wird ebenfalls herausgearbeitet. Andreas Skuin beschreibt die BWA bildhaft als Blick ins Kielwasser eines Schiffes. Sie zeigt sehr präzise, woher ein Unternehmen kommt, basiert jedoch auf Vergangenheitsdaten. Der wirtschaftliche digitale Zwilling hingegen funktioniert wie Radar und Navigationssystem zugleich. Er zeigt nicht nur die aktuelle Position, sondern unterstützt dabei, zukünftige Entwicklungen und Handlungsoptionen zu erkennen. Dadurch entsteht eine wesentlich vorausschauendere Form der Unternehmenssteuerung.

Götz Müller hebt hervor, dass Unternehmen dadurch deutlich schneller und gezielter reagieren können. Andreas Skuin ergänzt, dass der wirtschaftliche digitale Zwilling sowohl als Frühwarnsystem als auch für Risiko- und Krisenmanagement genutzt werden kann. Darüber hinaus eignet er sich auch zur Bewertung neuer Geschäftsmodelle oder strategischer Veränderungen. Beispiele reichen von Standortverlagerungen über Lieferantenbewertungen bis hin zur Einschätzung neuer Marktmodelle oder der Frage, wie sich ein bestehendes Geschäftsmodell unter veränderten Marktbedingungen behaupten kann.

Ein weiterer Schwerpunkt der Unterhaltung ist die Genauigkeit des Systems. Andreas Skuin spricht von einer Genauigkeit zwischen 90 und 95 Prozent. Entscheidungen werden dadurch zwar nicht automatisiert, erhalten aber eine deutlich solidere Datenbasis. Das Bauchgefühl der Verantwortlichen bleibt wichtig, wird jedoch durch belastbare Analysen ergänzt. Besonders wertvoll ist dabei die Möglichkeit, Maßnahmen in Echtzeit zu überwachen und ihre Wirkung kontinuierlich zu verfolgen.

Auch Grenzen des wirtschaftlichen digitalen Zwillings werden angesprochen. Die Qualität der Ergebnisse hängt stark von der Qualität der gelieferten Unternehmensdaten ab. Zudem basiert das System auf Benchmark-Daten aus zahlreichen Branchen, wodurch Spezialfälle unter Umständen zusätzlichen Aufwand erfordern. Andreas Skuin macht außerdem deutlich, dass letztlich immer Menschen die Entscheidungen treffen. Der digitale Zwilling liefert Transparenz und Bewertungen, ersetzt aber keine unternehmerische Verantwortung.

Zum Abschluss diskutieren Götz Müller und Andreas Skuin die Rolle von Künstlicher Intelligenz. Generative KI kann dabei helfen, neue Szenarien oder mögliche Entwicklungen zu identifizieren und kreative Perspektiven einzubringen. Die wirtschaftliche Bewertung dieser Szenarien übernimmt jedoch weiterhin der digitale Zwilling. Andreas Skuin sieht darin eine sinnvolle Kombination: KI liefert Ideen und Denkansätze, während der wirtschaftliche digitale Zwilling deren Auswirkungen transparent und nachvollziehbar bewertet. Dadurch entsteht eine leistungsfähige Verbindung aus kreativer Szenarienentwicklung und datenbasierter Unternehmenssteuerung.



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