
Kaizen 2 go 376 : Digitalisierung und Automatisierung im Handwerk
Fragestellungen aus der Unterhaltung mit Achim Maisenbacher: Welche Bereiche lassen sich im Handwerkskontext bevorzugt digitalisieren und automatisieren? Welche Voraussetzungen sind dafür nötig? Welche Herausforderungen und Hürden treten dabei auf? Welche Fehler werden immer wieder gemacht? Welche Rolle spielt der Faktor Mensch bei der Digitalisierung und Automatisierung? Welche Rolle spielt ggf. das Selbstverständnis und die Generationenzugehörigkeit? Wie kann man Widerständen begegnet? Was lässt sich auf vergleichbar „manuelle“ Branchen übertragen? Was lässt sich vom Handwerk lernen? Wie sieht der Einstieg und erste Schritte aus?
Das Transkript der Episode ist hier verfügbar.
Kaizen 2 go 376 : Digitalisierung und Automatisierung im Handwerk
KI-generierte Zusammenfassung des Transkripts
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Achim Maisenbacher, dem Gründer von MemoMeister und bekennenden Digital-Enthusiasten, über Digitalisierung und Automatisierung im Handwerk. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die Frage, wie Handwerksbetriebe durch sinnvolle digitale Unterstützung effizienter arbeiten können, ohne ihre Mitarbeitenden mit Technologie zu überfordern oder die eigentliche Wertschöpfung aus dem Blick zu verlieren.
Zu Beginn beschreibt Achim Maisenbacher die Entstehung von MemoMeister: Die Idee entstand aus der alltäglichen Erfahrung, dass Kommunikation und Informationsfluss auf Baustellen oft chaotisch sind – geprägt von Zettelwirtschaft, Zurufen oder WhatsApp-Nachrichten. Ziel war es, Handwerksbetrieben eine einfache digitale Lösung zu bieten, mit der sie Informationen zu Projekten strukturiert erfassen und austauschen können. Er betont dabei, dass Digitalisierung allein nicht ausreicht: „Oft ist nicht das Tool die Lösung, sondern die Prozesse davor.“ Es gehe darum, Arbeitsabläufe zu verstehen und bewusst zu gestalten, bevor man sie digitalisiere oder gar automatisiere.
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Verschwendung – etwa unnötige Fahrtwege, die entstehen, wenn Informationen fehlen oder Materialien nicht rechtzeitig bereitstehen. Achim Maisenbacher zieht Parallelen zu Lean-Methoden und Kanban-Prinzipien: Eine klare Struktur und Transparenz darüber, was wann zu tun ist, ermöglichen reibungslose Abläufe. Die größte Chance der Digitalisierung liegt für ihn darin, dass alle Beteiligten zur richtigen Zeit über die nötigen Informationen verfügen – etwa wenn eine Baustellenänderung direkt dokumentiert und im Büro oder beim Zulieferer sichtbar wird.
Götz Müller greift diesen Punkt auf und beschreibt, dass es oft nicht um die Kernarbeit selbst geht, sondern um die „kommunikativen Randbedingungen“. Achim Maisenbacher stimmt zu: Kommunikation ist der Schlüssel. Er führt das Beispiel der „WhatsApp-Sprachnachricht“ an, die zwar bequem für den Sender, aber ineffizient für alle Empfänger ist. Solche Kommunikationsformen führten zu Zeitverschwendung, Missverständnissen und Informationsverlusten. Besser seien klare Regeln: Wer kommuniziert wann, über welchen Kanal und mit wem? Dieses Prinzip der „Kommunikationsdisziplin“ müsse trainiert und regelmäßig überprüft werden.
Ein weiteres Thema ist die Integration unterschiedlicher Softwarelösungen im Handwerk. Viele Betriebe arbeiten mit Insellösungen – eine Software für Rechnungen, eine für Lagerverwaltung, eine für Planung. Eine durchgängige Automatisierung sei daher schwierig. MemoMeister positioniert sich als verbindendes Element zwischen diesen Systemen: ein digitaler Baustellenordner, der Informationen zentral und mobil verfügbar macht. Achim Maisenbacher betont, dass Digitalisierung nicht bedeutet, komplexe Datenbanken zu betreiben, sondern Informationen dort verfügbar zu machen, wo sie gebraucht werden – „in Echtzeit, für die richtige Person, im richtigen Kontext“.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs ist der Faktor Mensch. Achim Maisenbacher beschreibt die Herausforderungen, wenn Handwerker, die bewusst einen praktischen Beruf gewählt haben, plötzlich digitale Tätigkeiten übernehmen sollen. Viele lehnen Büroarbeit ab, und wenn digitale Systeme wie zusätzliche Verwaltung wirken, entsteht Widerstand. Erfolgreiche Digitalisierung müsse diesen Hintergrund respektieren. Einfache, alltagstaugliche Anwendungen, die unmittelbar Nutzen stiften, seien entscheidend. Gleichzeitig brauche es Führungskräfte, die den Mehrwert erklären und sichtbar machen.
Als Beispiel nennt Achim Maisenbacher das „Kickstart-Paket“ von MemoMeister. Dieses Schulungs- und Einführungskonzept legt den Fokus nicht auf Technik, sondern auf Gewohnheitsbildung und Akzeptanz. Statt die gesamte Software auf einmal einzuführen, beginne man mit kleinen, konkreten Routinen – etwa: „Bevor ich die Baustelle verlasse, mache ich Fotos, lade sie hoch und beschrifte sie.“ Diese einfache Handlung schafft Transparenz, fördert Reflexion und verbessert die Kommunikation im Team. Der entscheidende Erfolgsfaktor sei, dass Führungskräfte den Mitarbeitenden zeigen, dass diese Fotos tatsächlich genutzt und wertgeschätzt werden. So entstehe ein positiver Kreislauf aus Routine, Feedback und Vertrauen.
Götz Müller greift den Gedanken auf und ergänzt, dass allein das Fotografieren zu mehr Aufmerksamkeit führen kann – man sieht Dinge, die einem sonst entgangen wären. Achim Maisenbacher bestätigt das und erklärt, dass genau in diesen kleinen Gewohnheiten ein enormes Potenzial steckt. Wenn Mitarbeitende Bilder beschriften, denken sie automatisch über Details nach, was zu mehr Austausch und besserer Abstimmung führt. So entstehen Strukturen, die „Ruhe in den Prozess bringen“.
Beim Thema Einstieg in die Digitalisierung betont Achim Maisenbacher, dass man immer beim gemeinsamen Problembewusstsein beginnen sollte. Mitarbeitende müssen verstehen, warum eine Veränderung sinnvoll ist – nicht aus Sicht der Geschäftsführung, sondern aus der Perspektive des Kunden. In seinen Schulungen zeigt er Handwerkern, wie ihre Arbeit aus Kundensicht wirkt, wenn Informationen fehlen oder Fehler passieren. Dieses Umdenken schaffe Motivation, die digitale Unterstützung anzunehmen. Zudem müsse die Führungskraft glaubwürdig vermitteln, dass die ausgewählte Lösung für die Mitarbeitenden gedacht ist – also einfach, nachvollziehbar und mit erkennbarem Nutzen.
Das Gespräch zwischen Götz Müller und Achim Maisenbacher verdeutlicht, dass Digitalisierung im Handwerk weit mehr ist als das Einführen von Software. Sie ist ein kultureller Wandel, der mit klaren Prozessen, gezielter Kommunikation und menschlicher Akzeptanz beginnt. Nur wenn Technik als Werkzeug verstanden wird, das den Alltag erleichtert und Zusammenarbeit verbessert, kann sie ihre volle Wirkung entfalten.
Weitere Inhalte
Kennst Du schon LeanGames?
-
Lerne spielerisch alles über Lean Management
-
Brett- und Kartenspiele für Anfänger und Fortgeschrittene
-
Video-Antworten mit weiterführenden Links
Weitere Inhalte auf LeanNetwork

Vergesst die Digitalisierung!
Wir haben wichtigeres zu tun, als hinter Technik herzulaufen. Wenn wir die schon jetzt überforderten Systeme und Menschen aus dem Nichts zusätzlich mit der Digitalen (und damit auch sozialen) …

Change ist der falsche Ansatz für die Digitale Transformation
Keine Frage, die Welt in der wir leben, ist Veränderung pur. Sie verändert sich kontinuierlich und wir mit ihr. Gleichzeitig gehen 2/3 aller geplanten Veränderungsinitiativen in Organisationen …

Digitale Informationen für Monteure und Techniker
Dr. Florian Tietze ist Gründer und Geschäftsführer von attenio aus Hamburg. Seine Firma produziert Lösungen, um Monteure und Techniker von Papier zu befreien und mobil den Zugriff auf digitale …

HR hat die Digitalisierung nicht verstanden
Mit einer Mischung aus Amüsiertheit und Erschrecken sehe ich, wie derzeit viele vermeintliche Digitalisierungsexperten auf einer imaginären Tribüne sitzen und den digitalen Wandel wie eine …







Kommentare
Bisher hat niemand einen Kommentar hinterlassen.
Kommentar schreiben
Melde Dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.
Teilen