Kaizen 2 go 392 : Blockchain-Prozesse für KMU

Kaizen 2 go 392 : Blockchain-Prozesse für KMU

Fragestellungen in der Unterhaltung mit Andreas Skuin: Wo kommt Blockchain ursprünglich her, was verbindet man typischerweise damit? Wo können Blockchains im Unternehmenskontext, speziell KMU, eingesetzt werden? Welche Bedeutung können Blockchains für die digitale Transformation haben? Welche Nutzen können KMU damit erzielen, was sonst so nicht möglich oder deutlich aufwändiger wäre? Welche Einsatzfälle stecken dahinter? Wie sieht das Zusammenspiel mit dem Internet of Things und KI aus? Ein paar Praxisbeispiele. Wo kann man sich über das Thema noch weiter informieren?

11. Juli 2026 um 04:30 Uhr von Götz Müller


Das Transkript der Episode ist hier verfügbar.

Kaizen 2 go 392 : Blockchain-Prozesse für KMU

KI-generierte Zusammenfassung des Transkripts

In dieser Episode spricht Götz Müller mit Andreas Skuin über den Einsatz der Blockchain-Technologie in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Ausgangspunkt des Gesprächs ist die weit verbreitete Annahme, Blockchain sei nahezu ausschließlich mit Bitcoin oder anderen Kryptowährungen verbunden. Andreas Skuin erläutert, dass diese Wahrnehmung zwar verständlich sei, die eigentliche Technologie jedoch weit darüber hinausgehe und zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten für Unternehmen biete.

Andreas Skuin erklärt zunächst die historischen Ursprünge der Blockchain. Die grundlegende Idee der kryptografisch miteinander verketteten Datenblöcke sei bereits Anfang der 1990er Jahre entwickelt worden. Bekannt geworden sei die Technologie allerdings erst mit dem Bitcoin-Whitepaper aus dem Jahr 2008. Während Bitcoin die Blockchain als technische Grundlage nutze, habe sich die Technologie inzwischen erheblich weiterentwickelt. Insbesondere Smart Contracts und weitere Funktionen eröffneten heute völlig neue Einsatzmöglichkeiten, insbesondere überall dort, wo Manipulationssicherheit, Nachvollziehbarkeit und Datensouveränität erforderlich seien.

Götz Müller greift den Gedanken auf, dass Blockchain letztlich eine Form der Vertrauensbildung ermögliche. Andreas Skuin bestätigt diese Einschätzung. Die Blockchain sorge dafür, dass einmal gespeicherte Informationen nicht nachträglich verändert werden könnten. Dadurch entstehe ein hohes Maß an Vertrauen zwischen Geschäftspartnern, ohne dass dafür eine zentrale Kontrollinstanz notwendig sei.

Anhand verschiedener Beispiele erläutert Andreas Skuin die Bedeutung für mittelständische Unternehmen. Gerade in Lieferketten arbeiteten viele Unternehmen mit Partnern zusammen, die sie nicht persönlich kennen. Hier könne Blockchain helfen, Dokumente fälschungssicher auszutauschen und deren Herkunft eindeutig nachzuweisen. Gleichzeitig betont er, dass die Blockchain keine falschen Informationen korrigiere. Sie garantiere lediglich, dass einmal eingetragene Daten unverändert erhalten blieben. Deshalb bleibe die Qualität der ursprünglichen Datenerfassung weiterhin entscheidend.

Götz Müller vergleicht diese Eigenschaft mit der Arbeit eines Notars, der Dokumente dauerhaft beglaubigt und gegen spätere Veränderungen absichert. Andreas Skuin hält diesen Vergleich für treffend. Bereits kleinste Änderungen an einem Dokument würden durch die Blockchain sofort sichtbar. Dadurch entstünden neue Möglichkeiten, beispielsweise Eigentumsrechte oder Anteile an Vermögenswerten digital und nachvollziehbar abzubilden. Er verweist dabei auf aktuelle Entwicklungen rund um tokenisierte Vermögenswerte.

Im weiteren Verlauf beschreibt Andreas Skuin die Blockchain als wichtiges Fundament der digitalen Transformation. Sie ermögliche den sicheren Austausch von Daten und Werten über Unternehmensgrenzen hinweg, ohne dass ein zentraler Vermittler erforderlich sei. Dadurch könnten Prozesse schneller, effizienter und kostengünstiger gestaltet werden. Die Blockchain arbeite dabei meist im Hintergrund und bilde eine vertrauenswürdige Infrastruktur für digitale Geschäftsprozesse.

Ein wesentlicher Vorteil liege nach seinen Ausführungen in der Transparenz. Unternehmen könnten jederzeit nachvollziehen, woher Daten stammen und welche Stationen sie durchlaufen hätten. Gleichzeitig unterstütze die Blockchain die Qualitätssicherung, Nachhaltigkeitsnachweise und regulatorische Anforderungen. Andreas Skuin nennt als Beispiel Smart Contracts. Diese Programme führten automatisch definierte Aktionen aus, sobald bestimmte Bedingungen erfüllt seien. Trifft beispielsweise eine Lieferung beim Kunden ein und wird dies auf der Blockchain bestätigt, könne unmittelbar die Zahlung ausgelöst und automatisch verbucht werden. Dadurch entfielen zahlreiche manuelle Verwaltungsaufgaben.

Auch gesetzliche Anforderungen wie Dokumentationspflichten oder IT-Sicherheitsvorgaben ließen sich mit Blockchain einfacher erfüllen. Da alle relevanten Informationen manipulationssicher gespeichert würden, könnten Auditoren wesentlich schneller prüfen, ob die erforderlichen Nachweise vollständig vorhanden seien.

Anschließend richtet Götz Müller den Blick auf das Zusammenspiel von Blockchain, Internet of Things und Künstlicher Intelligenz. Andreas Skuin beschreibt diese drei Technologien anhand eines anschaulichen Vergleichs. Sensoren des Internet of Things seien die Sinnesorgane, welche Informationen aufnehmen. Die Künstliche Intelligenz bilde das Gehirn, das Daten analysiere und Entscheidungen treffe. Die Blockchain fungiere schließlich als Gedächtnis, das alle relevanten Informationen dauerhaft speichere und daraus automatisierte Prozesse anstoße.

So könne beispielsweise eine Maschine selbstständig erkennen, dass Material nachbestellt werden müsse. Die Künstliche Intelligenz ermittle den Bedarf, während die Blockchain den Bestellprozess dokumentiere und automatisch auslöse. Dadurch werde langfristig sogar der Weg zu weitgehend autonomen Produktionssystemen eröffnet.

Götz Müller spricht anschließend die häufig mit generativer KI verbundenen Fehler oder sogenannten Halluzinationen an. Andreas Skuin macht deutlich, dass in industriellen Anwendungen meist andere Formen der Künstlichen Intelligenz eingesetzt würden. Dort gehe es um standardisierte Verfahren zur Fehlererkennung oder Qualitätskontrolle. Die Blockchain bewerte diese Ergebnisse nicht, sondern dokumentiere sie unveränderlich. Dadurch lasse sich später jederzeit nachvollziehen, welche Entscheidungen getroffen wurden und auf welcher Grundlage sie entstanden seien.

Besonders bei komplexen Produktions- oder Chemieprozessen erleichtere diese lückenlose Dokumentation die Ursachenanalyse erheblich. Was heute oft mit hohem manuellem Aufwand nachvollzogen werden müsse, könne künftig deutlich einfacher erfolgen.

Im weiteren Gespräch nennt Andreas Skuin zahlreiche Praxisbeispiele. In der Luxusgüterbranche würden sogenannte Non-Fungible Tokens genutzt, um die Echtheit hochwertiger Produkte wie Luxusuhren nachzuweisen. Darüber hinaus verweist er auf Projekte von Renault zur Zertifizierung von Bauteilen über Hunderte von Zulieferern, auf Lieferkettenlösungen bei Walmart, digitale Batteriepässe sowie Blockchain-Anwendungen in der Bergbau- und Metallindustrie. Auch Industrieunternehmen wie Siemens beschäftigten sich intensiv mit entsprechenden Konzepten.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der digitale Produktpass und dessen Bedeutung für die Kreislaufwirtschaft. Andreas Skuin erläutert, dass Produkte künftig über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg digital begleitet werden könnten. Informationen über Herkunft, Materialien, Nutzung und Recycling stünden dadurch jederzeit zur Verfügung. Die Blockchain übernehme dabei die Rolle eines unveränderlichen Dokumentationssystems. Götz Müller hebt hervor, dass dadurch nicht nur Recycling erleichtert werde, sondern auch die Wiederverwendung kompletter Komponenten, etwa von Batterien, wirtschaftlicher möglich werde.

Zum Abschluss erläutert Andreas Skuin, dass Unternehmen vor einer Einführung zunächst prüfen sollten, ob sie tatsächlich eine gemeinsame, von keiner einzelnen Partei kontrollierte Datenbasis benötigen. Gerade diese Datensouveränität sei häufig das entscheidende Argument für Blockchain-Lösungen. Abschließend nennt er zahlreiche Anlaufstellen für weiterführende Informationen und betont, dass Deutschland aufgrund seines industriellen Know-hows großes Potenzial besitze, Blockchain gemeinsam mit Künstlicher Intelligenz für innovative Anwendungen in der Industrie zu nutzen.



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