
Kaizen 2 go 382 : Keep Management
Fragestellungen aus der Unterhaltung mit Dierk Söllner: Begriffliche Definition von Keep-Management. Was ist der Hintergrund/Auslöser der Methode? Welchen Nutzen bietet Keep-Management, welche Probleme werden damit adressiert? Auf welchen Prinzipien basiert Keep-Management? Welche Unterschiede und Ergänzungen bestehen zum Change-Management? Wie sieht die Wechselwirkung aus?
Warum reicht Change-Management nicht aus? Muss man Change-Management aktiv betreiben, damit Keep-Management nötig wird und funktioniert? Welche Rolle spielt der Faktor Mensch im Keep-Management? Wo kann man mehr über Keep-Management erfahren, wie sieht der Einstieg in die organisatorische Verankerung aus?
Das Transkript der Episode ist hier verfügbar.
Kaizen 2 go 382 : Keep Management
KI-generierte Zusammenfassung des Transkripts
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Dierk Söllner über das von ihm mitentwickelte Konzept des Keep Management und dessen Bedeutung als Ergänzung zum klassischen Change Management. Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Beobachtung, dass Veränderungsvorhaben in Organisationen häufig einseitig auf Neues fokussiert sind und dabei das Bewährte übersehen oder sogar zerstören. Genau hier setzt Keep Management an.
Dierk Söllner beschreibt seinen beruflichen Hintergrund als langjähriger Transformationsbegleiter, Trainer und Coach. Mit über drei Jahrzehnten Berufserfahrung und rund 20 Jahren Tätigkeit in Veränderungsprojekten hat er immer wieder ein Unbehagen gegenüber klassischem Change Management gespürt. Dieses Unbehagen entstand weniger aus theoretischer Kritik als aus praktischer Erfahrung in Gesprächen mit Mitarbeitenden und Führungskräften, die Veränderungsprozesse häufig als überfordernd, entwertend oder orientierungslos erlebten.
Keep Management versteht Dierk Söllner als systematische und institutionalisierte Praxis, um das zu bewahren, was sich in Organisationen bewährt hat. Dazu zählen Werte, Strukturen, Prozesse, Routinen, kulturelle Elemente und erfolgreiche Arbeitsweisen. Ziel ist es, Stabilität, Identität und psychologische Sicherheit zu sichern und so eine Balance zwischen Bewahren und Verändern herzustellen. Keep Management ist ausdrücklich kein Gegenmodell oder Verhinderungsinstrument, sondern ein gleichwertiger Partner des Change Managements.
Der konkrete Impuls zur Ausarbeitung dieses Ansatzes entstand für Dierk Söllner durch die Wiederentdeckung eines Fachartikels von Horst Lempart aus dem Jahr 2019 mit dem Titel „Bewahren ist oft besser als verändern“. Zentrale Gedanken daraus, etwa das Prinzip „Repariere nicht, was nicht kaputt ist“, führten zu einer vertieften Zusammenarbeit zwischen beiden. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, dem Change Management ein strukturiertes Gegenüber zur Seite zu stellen, das sich gezielt um das Bewahrenswerte kümmert.
Ein zentrales Problem, das Keep Management adressiert, ist die zunehmende Veränderungsmüdigkeit in Organisationen. Mitarbeitende erleben häufig eine Abfolge von Initiativen, Methodenwechseln und neuen Führungskonzepten, ohne dass ausreichend reflektiert wird, was bisher gut funktioniert hat. Dies führt zu Demotivation, Widerständen und kulturellem Erosionsprozess. Keep Management soll hier Orientierung geben, Anerkennung schaffen und den Zusammenhalt stärken.
Im Gespräch stellt Dierk Söllner fünf Prinzipien vor, die aktuell den Kern des Keep Management bilden. Das erste Prinzip ist Kontinuität. Es geht darum, funktionierende Strukturen, Routinen und Fachkompetenzen bewusst zu erhalten, um Stabilität und Vertrauen zu sichern. Als Beispiel nennt er den Umgang mit Spezialisten in agilen Kontexten, deren Expertise auch in selbstorganisierten Teams weiterhin notwendig bleibt.
Das zweite Prinzip ist Resilienz. Keep Management soll psychologische Sicherheit und Selbstwirksamkeit fördern, um Menschen und Organisationen widerstandsfähiger gegenüber Krisen und Dauerveränderungen zu machen. Das dritte Prinzip ist Nützlichkeit. Veränderungen sollen priorisiert werden, indem geprüft wird, was aktuell sinnvoll und wirksam ist, statt blind Bestehendes zu ersetzen. Viertens betont das Prinzip Evidenz, dass Entscheidungen auf beobachtbaren Erfolgen und funktionierenden Praktiken beruhen sollten. Das fünfte und anspruchsvollste Prinzip ist Ambidextrie, also die gleichzeitige Pflege des Bewährten und die aktive Gestaltung des Neuen, ohne in Schwarz-Weiß-Denken oder Polarisierung zu verfallen.
Götz Müller zieht Parallelen zum Lean Management und hebt die Bedeutung von Prinzipien, Standards und stabilen Grundlagen hervor. Keep Management wird dabei als konsequente Weiterführung eines Denkens verstanden, das nicht nur auf Effizienz und Veränderung, sondern auch auf Lernen, Stabilität und menschliche Faktoren setzt.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Rolle des Menschen. Für Dierk Söllner ist der Faktor Mensch die eigentliche Basis des Keep Management. Prozesse und Technik lassen sich planen und verändern, Menschen hingegen reagieren emotional, individuell und kontextabhängig. Wertschöpfung, Kultur und Resilienz entstehen durch Menschen. Deshalb müsse Keep Management gezielt Betroffene einbinden, Expertise anerkennen und psychologische Sicherheit schaffen.
Die Frage nach einer eigenen Rolle des „Keep Managers“ beantwortet Dierk Söllner pragmatisch. Es gehe nicht darum, neue formale Rollen zu schaffen, sondern um eine bewusste Haltung und Perspektive innerhalb von Veränderungsvorhaben. Keep Management könne als virtuelle Rolle verstanden werden, die von Change Managern, Teams oder Führungskräften übernommen wird. Entscheidend sei, dem Bewahren systematisch Raum, Struktur und Wertschätzung zu geben.
Abschließend beschreibt Dierk Söllner, wie Interessierte tiefer in das Thema einsteigen können. Neben Blogbeiträgen, Podcast-Episoden und Keynotes arbeiten er und Horst Lempart an einem mehrmonatigen Zertifikatslehrgang. Ziel ist es, Keep Management greifbar zu machen, methodisch zu unterlegen und als festen Bestandteil nachhaltiger Organisationsentwicklung zu etablieren.
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