Jörg Cwojdzinski: Zu Gast bei Ralle

Jörg Cwojdzinski: Zu Gast bei Ralle

In der 12. Ausgabe von „Zu Gast bei Ralle“ spreche ich mit Jörg Cwojdzinski, der nach rund 40 Jahren globaler Führungsverantwortung bei ASMPT vor rund einem Jahr in den Unruhestand ging. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht weniger seine fachliche Expertise als vielmehr Jörgs persönliche Haltung zu Führung, Krisen und nachhaltiger Organisationsentwicklung und selbstverständlich auch darüber was er für einen fast zweieinhalbstündigen Slot auf dem LATC2026 geplant hat.

19. Januar 2026 um 08:00 Uhr von Ralf Volkmer
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Rückblickend auf seine Karriere betont Jörg, dass sein größter Stolz nicht einzelne Projekte oder Erfolge sind, sondern die langfristige Entwicklung seiner Teams. Gerade in Krisenzeiten – von der Finanzkrise über Corona bis hin zu globalen Lieferkettenproblemen – habe sich gezeigt, dass Vertrauen, Zusammenarbeit und ein starkes Team das entscheidende Fundament für Resilienz und Erfolg sind. Gute Führung allein reiche nicht aus, wenn diese Basis fehle.

Besondere Erfüllung fand Jörg auch im Aufbau neuer Fabriken (Brownfield- und Greenfield-Ansätze) sowie in der nachhaltigen Weiterentwicklung globaler Produktionsnetzwerke. Er unterstreicht jedoch, dass echte Transformation Zeit braucht und nicht in kurzen Projekten abgeschlossen werden kann.

Ein zentrales Thema ist der renommierte Wettbewerb „Fabrik des Jahres“, den ASMPT nach mehreren Anläufen schließlich dreimal gewann. Jörg beschreibt offen die Lernprozesse aus nicht erfolgreichen Bewerbungen und macht deutlich, dass der Preis nie Selbstzweck war, sondern eine externe Bestätigung eines langfristigen Reifeprozesses. Lean-Exzellenz sei nur dann gegeben, wenn qualitative Methoden und messbare Ergebnisse zusammenpassen.

Kritisch setzt sich Jörg mit dem von ihm geprägten Begriff „Fake Lean“ auseinander. Darunter versteht er eine oberflächliche Anwendung von Lean-Methoden ohne echtes Verständnis, kulturelle Verankerung und nachhaltige Wirkung. Methoden wie Shopfloor-Management oder 5S würden häufig falsch interpretiert oder rein formal umgesetzt. Wirklicher Lean-Erfolg sei kein Methoden-, sondern ein tiefgreifendes Kultur- und Haltungs­thema – das jedoch oft hinter Worthülsen verborgen bleibe.



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