
Kaizen 2 go 380 : 3D-Druck in SMED- und Betriebsmittelprozessen
Fragestellungen aus der Unterhaltung mit Johannes Lutz: Was sind klassische Einsatzfälle für 3D-Druck? Was zeichnet diese Einsatzfälle aus? Welche weiteren, oft unerkannten Einsatzfälle sind noch vorstellbar? Warum werden diese Einsatzfälle gar nicht erkannt? Wie kann man dieses Bewusstsein schaffen? Welche Voraussetzungen sind für diese Einsatzfälle von 3D-Druck notwendig? Wie vermeidet man, dass dadurch unnötige Hürden entstehen? Wie kann man Ideen am/im Shopfloor anregen?
Das Transkript der Episode ist hier verfügbar.
Kaizen 2 go 380 : 3D-Druck in SMED- und Betriebsmittelprozessen
KI-generierte Zusammenfassung des Transkripts
In dieser Episode spricht Götz Müller mit Johannes Lutz über den wirtschaftlichen Einsatz von 3D-Druck in industriellen Prozessen, insbesondere im Umfeld von Betriebsmitteln, Montagehilfen und Rüstprozessen. Johannes Lutz erläutert zunächst seinen persönlichen Weg zum Thema Additive Manufacturing und beschreibt, wie er bereits im Studium erstmals mit 3D-Druck in Berührung kam. Aus dieser frühen Faszination entstand später die Firma 3D Industrie, mit der er heute vor allem mittelständische Unternehmen dabei unterstützt, 3D-Druck nicht nur technisch, sondern vor allem wirtschaftlich sinnvoll einzusetzen. Dabei geht es weniger um den Verkauf von Maschinen, sondern um die Identifikation geeigneter Anwendungen, den Abbau mentaler Hürden und die Qualifizierung von Mitarbeitenden.
Im weiteren Gespräch ordnen Götz Müller und Johannes Lutz typische Einsatzfelder des 3D-Drucks ein. Während viele Menschen zunächst an spektakuläre Bauteile, Prototypen oder futuristische Anwendungen denken, macht Johannes Lutz deutlich, dass der größte Nutzen im industriellen Alltag oft in sehr einfachen Lösungen liegt. Er unterscheidet drei Hauptbereiche: Prototypen, Betriebsmittel wie Vorrichtungen und Halterungen sowie Serienteile und Endanwendungen. Gerade der Bereich der Betriebsmittel bietet aus seiner Sicht enormes Potenzial, wird in vielen Unternehmen aber noch zu wenig genutzt.
Anhand konkreter Praxisbeispiele beschreibt Johannes Lutz, wie 3D-gedruckte Hilfsmittel Arbeitsprozesse erheblich erleichtern können. Er schildert unter anderem eine Anwendung in einer Sandstrahlanlage, bei der Mitarbeitende zuvor viel Zeit mit Abkleben verbrachten, um bestimmte Bereiche zu schützen. Durch eine passgenaue, 3D-gedruckte Vorrichtung mit integrierten Magneten konnte dieser Arbeitsschritt deutlich vereinfacht und beschleunigt werden. Solche Lösungen reduzieren nicht nur Aufwand und Fehler, sondern entlasten auch die Mitarbeitenden spürbar.
Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist die Frage, warum solche Potenziale im Alltag oft nicht erkannt werden. Johannes Lutz erklärt, dass vielen Mitarbeitenden und Führungskräften schlicht das Bewusstsein fehlt, wofür 3D-Druck jenseits von Prototypen genutzt werden kann. Entscheidend sei daher nicht die Technik, sondern der Blick auf die Probleme im Prozess. Statt gezielt nach Druckideen zu suchen, empfiehlt er, aufmerksam zuzuhören und zu beobachten, wo Frust, Stress oder Umwege entstehen. Aussagen wie „Hier bräuchte ich eine dritte Hand“ oder das wiederholte Aufschieben bestimmter Aufträge seien starke Hinweise auf fehlende oder ungeeignete Betriebsmittel.
Götz Müller greift diesen Gedanken auf und stellt Bezüge zu Lean-Prinzipien her, etwa zum Ansatz „Fix what bugs you“. Beide sind sich einig, dass der Schlüssel zur erfolgreichen Nutzung von 3D-Druck im Shopfloor stark mit Psychologie, Beteiligung und Kultur zu tun hat. Johannes Lutz beschreibt, wie wichtig es ist, Mitarbeitende ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und sie aktiv in die Lösungsfindung einzubeziehen. Erst wenn sich Mitarbeitende in ihren Problemen wiederfinden und den Nutzen selbst erleben, entsteht ein nachhaltiges Bewusstsein für neue Möglichkeiten.
Im technischen Teil des Gesprächs erläutert Johannes Lutz, welche Voraussetzungen für den Einstieg in den 3D-Druck nötig sind. Grundsätzlich brauche es jemanden, der einfache CAD-Konstruktionen erstellen und mit der Druckersoftware umgehen kann. Der Einstieg sei heute mit vergleichsweise geringen Investitionen möglich, teilweise unter 1.000 Euro. Alternativ könnten Unternehmen auch mit externen Dienstleistern arbeiten, insbesondere wenn keine eigene Konstruktion vorhanden ist. Auch hierfür gebe es inzwischen sehr benutzerfreundliche Softwarelösungen, mit denen einfache Vorrichtungen schnell erstellt werden können.
Ein weiteres Thema ist der Umgang mit Perfektionismus. Johannes Lutz warnt davor, einfache Hilfsmittel zu überkonstruieren oder 3D-Druck als Allzwecklösung zu sehen. Wenn ein Problem mit einem gebogenen Blech oder einer einfachen mechanischen Lösung effizient gelöst werden kann, sei das oft der bessere Weg. 3D-Druck spiele seine Stärken dort aus, wo konventionelle Lösungen teuer, langsam oder aufwendig wären.
Abschließend diskutieren Götz Müller und Johannes Lutz den wirtschaftlichen Nutzen. Schon kleine Zeitersparnisse summieren sich über das Jahr zu erheblichen Beträgen. Entscheidend sei jedoch nicht nur die Kostenrechnung, sondern der kulturelle Effekt. Erfolgreiche Anwendungen erzeugen einen Sog, bei dem Mitarbeitende selbst weitere Ideen einbringen. So kann 3D-Druck zu einem Treiber kontinuierlicher Verbesserung werden, vorausgesetzt, Führungskräfte unterstützen diesen Weg aktiv und sichtbar.
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