Lean Automation: Wie viel Lean verträgt sich mit wie viel Automation?

Der Schwerpunkt von Lean ist die Verbesserung von Prozessen unter besonderer Berücksichtigung des Menschen. Ziel ist es maximale Wertschöpfung bei minimaler Verschwendung zu erreichen. Dabei ist die höchste Instanz zur Beurteilung dessen was einen Wert schafft der Kunde. Nicht nur verschiedene Kunden haben verschiedene Bedürfnisse, sondern auch ein Kunde ändert sich über die Zeit hinweg, somit sind Agilität und kontinuierliche Anpassung notwendig.

Bei industrieller Automatisierung steht hingegen die Substitution menschlicher Tätigkeit im Vordergrund. Zielsetzung sind primär Einsparung von Personalkosten, Verringerung von Qualitätsschwankungen und Entlastung von Mitarbeitern bei den 3 Ds (dull, dirty, dangerous). Obwohl Automatisierung nicht außerhalb der Unternehmensprozesse stattfindet, stehen doch klar technologische Kriterien und technische Machbarkeit im Vordergrund.

Soweit zu den beiden - großen und im Detail je komplexen - Themen Lean und Automatisierung im Einzelnen. Die Leitfrage des Vortrags lautet nun was sich nun aus deren Schnittmenge ergibt oder anders ausgedrückt: Kann es schlanke Automatisierung bzw. automatisiertertes Lean geben? Und falls ja, was zeichnet Lean Automation im Kern aus? Der Vortrags fokussiert sich auf physische Produktionsprozesse und geht nur in diesem Kontext auch auf Datenautomatisierung bzw. die Abbildung/Unterstützung von Lean Methoden in IT Systeme ein.

Sichtet man die heterogene Literatur (und das kommerzielle Werbematerial) zum Thema Lean Automation, begegnet man zunächst einmal wiederholt Ausdrücken wie "kostengünstig", "schnell einsetzbar", "wandelfähig", "modular" und "kollaborativ". Auch das im Umfeld von Lean bekannte Konzept LCIA (Low Cost Intelligent Automation) ist regelmäßig zu finden. Ein roter Faden in diesem spannenden Gebiet ist jedoch leider bisher nicht ersichtlich. Entsprechend fasst der Vortrag vorhandene Beispiele zusammen und versucht eine Systematisierung, welche dann in gemeinsamer Diskussion weiterentwickelt werden soll.

Dr. Andreas Bihlmaier
CEO, Head of Software, Co-Founder