8. Episode

Ein wenig Klarheit

#LeanTransformation
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Am nächsten Morgen fasst Bernd Krauss sich ein Herz und geht zu Franz Großmann.
Noch bevor er Großmann sehen kann, hört er ihn lautstark diskutieren. Eine schlecht gehonte Antriebswelle ist der Anlass, soviel kann Bernd verstehen. Und ein Schuldiger ist auch schon gefunden: der Geselle, den Franz selbst eingestellt hat.

Als Bernd – bei Großmann im Büro ankommend – sich dazu äußern möchte, dreht dieser sich demonstrativ weg von Krauss Junior – nicht ohne vor sich hin zu brummen, dass er sich jetzt um die Welle und um den Pfusch des Gesellen zu kümmern habe. Großmann verlässt das Büro mit einem Blick zum Gesellen, welcher ihm umgehend wortlos folgt.

Bernd Krauss ist fassungslos, unterdrückt dennoch den aufkeimenden Ärger, da er eine weitere Eskalation der momentanen Situation vermeiden möchte. Hier und sofort eine Prozessbeschreibung abzufordern, indem er Großmann hinterherläuft, würde überhaupt nichts bringen. Aber heute am Nachmittag im Meeting mussten Lösungen gefunden werden - auch mit Großmann.

Als Bernd den Konferenzraum betritt, herrscht eine seltsam gedrückte Atmosphäre. Alle warten schweigend, bis auch Großmann sein Telefonat beendet hat und sich zum Konferenztisch gesellt.

Trotz der inneren Anspannung stellt Bernd Krauss konzentriert die anstehenden Aufgaben für das kommende Audit dar: Kennzahlen, Prozessbeschreibung des gesamten Auftragsdurchlaufs, Rundgang und Schulungsunterlagen.
Dass er selbst die Kennzahlen zusammenstellen muss, ist Bernd zwar klar. Aber dass er auch Informationen aus anderen Bereichen benötigt, ist ihm ebenfalls bewusst. Insbesondere bei der Beschreibung des Auftragsdurchlaufs sieht er sich auf Großmann angewiesen. Außerdem fällt ein Teil des Qualitätsmanagements wie Rückmeldezahlen zu Gutstücken und Ausschuss sowie Auswertungen der Nachbesserungsaufträge in den Verantwortungsbereich der Fertigung und somit zu Großmann.

Franz Großmann äußert sich zunächst langwierig über das Ausmaß des Aufwandes für solch ein „gewöhnliches" Audit. Bernd bemerkt jedoch, dass hier noch etwas anderes hinter Franz' Redeschwall steckt. Eine Befürchtung, dass eventuell etwas zu Tage treten könne, was er gerne verschweigen würde?! Zuviel Transparenz in den Fertigungsabläufen vielleicht?
Franz' Vorschlag, die Statistiken so zu formulieren, dass ein positives Ergebnis herauskommt, bestärken Bernds Ahnungen. Sieht Bernd doch eine solche Manipulation der Zahlen als Gefährdung der noch bestehenden Vertrauensgrundlage zwischen beiden Unternehmen.

Die Gereiztheit im Besprechungsraum steigt spürbar. Aber im Unterschied zu heute Vormittag sucht Bernd Krauss - äußerlich ruhig - die Konfrontation. Er setzt Franz Großmann einen Termin bis zum Wochenende, eine realistische Aufstellung der im vergangenen Jahr erbrachten Nachbesserungskosten für die YOHA-Produkte zusammen zu stellen.

Nie um eine Antwort verlegen droht Großmann damit, dass er sich dann nicht weiter um schlecht gehonte Wellen und unfähige Gesellen kümmern kann.

Doch Bernd Krauss geht nicht weiter darauf ein und ein Aufatmen im Meeting ist förmlich zu spüren: Endlich hat sich Bernd Krauss mal gegen Großmann gestellt. Seit der Alte zurück getreten ist, hatten alle den Eindruck, dass Großmann das letzte und entscheidende Wort hat und nicht Krauss Junior. Das hat viele Ideen der Mitarbeiter - Großmann nur zu gut kennend - blockiert, da diese den Segen von ihm wohl nicht bekommen hätten.

Thomas Leitner ergreift spontan die Chance, seinen Chef jetzt zu unterstützen. Er bietet an, die Beschreibung der Auftragsbearbeitung zu übernehmen. Als Verantwortlicher für die Entwicklung kennt er viele Prozessschritte Und für die kaufmännischen Ablaufschritte könne er sich mit Alexander Moser zusammensetzen.
Ein kleiner Ruck geht durch die Mannschaft. Alexander Moser, Leiter der Verwaltung inklusive IT-Bereich und alljährlicher Teilnehmer der Internationalen Sommerakademie für Theater, fühlt sich herausgefordert, den Betriebsrundgang durchzuführen. Kann und will er doch das Unternehmen, mit dem er sich identifiziert, gut und professionell präsentieren.

Peter Baumgartner nutzt die Stimmungsänderung der verantwortlichen Mitarbeiter und übernimmt den Part der Zusammenstellung der Schulungsunterlagen.

Bernd Krauss ist nach dem Meeting nicht wenig überrascht – auch von sich selbst. Bei aller inneren Aufregung fühlt er sich zusätzlich ein Stück befreit. Ein paar Schleier sind herunter gerissen worden und etwas mehr Ehrlichkeit ist eingekehrt. Auf dieser Basis – so hofft Bernd Kraus - wird es auch gelingen, gemeinsam - wenigstens in Grundzügen - ein Qualitätsmanagement darzustellen.

Vielleicht hat Bernd Krauss in seinen Mitarbeitern doch mehr Unterstützung, als er bisher vermutet hat. Und den Eindruck erhalten, dass viel weniger von Großmann abhängt, als nicht zuletzt er bislang angenommen hatte…

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