Teile und herrsche ... Folge 123

Der weltumspannende, in manchen Ländern wirtschaftlich führende Konzern WMIA Incorporated, geführt von dem CEO Herrn Dr. Nemo, dessen Vorname „Any“ und dessen Nachname „Nemo“ nicht ganz zufällig gewählt wurde, hat auf den ersten Blick ein Problem.

Die Pharmasparte, immerhin 120 Milliarden Umsatz und damit führend in der Welt, hat ein Produkt auf dem Markt lanciert, das umstritten ist ...

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Die Pharmasparte, immerhin 120 Milliarden Umsatz und damit führend in der Welt, hat ein Produkt auf dem Markt lanciert, das umstritten ist.

Die einen sagen, es sei ein Segen für die Menschheit, die anderen wollen es am liebsten in die Tonne treten.

So weit so gut … irgendwie scheint das ja der Lauf der Dinge zu sein in Wirtschaft und Politik. Doch steht dahinter vielleicht sogar ein System des Denkens und Handelns? Wir werden sehen …

Der Interviewer ist im Gespräch mit Dr. Nemo im Vorstandsbüro, jenem Zentrum der Macht, dessen güldene Pracht einen erschaudern lässt und von dem man erwarten sollte, dass seitens WMIA Incorporated zum Thema des umstrittenen Produkts Stellung bezogen wird. Jedenfalls ist das die Erwartung derjenigen, die sich nicht mit dem Florentiner Philosophen und Politiker, dem hochgemuten Verkünder simpler politischer Erfolgsrezepte, Niccolò di Bernardo Machiavelli  und seinen Werken „Discorsi“ und „Der Fürst“ beschäftigt haben. Politik und Wirtschaft folgen ja vielleicht den gleichen Gesetzen … das kann man meinen, ohne abzuschweifen …

Interviewer: „Herr Dr. Nemo, es brennt. Die Zeitungen sind voll von Berichten über ihr Produkt, man streitet und WMIA Incorporated nimmt keine Stellung dazu! Es herrscht Stille, so scheint es im Zentrum der Macht.“

Nemo gibt sich ungerührt. Angesichts der brisanten Situation könnte man dies Verhalten eiskalt nennen oder arrogant oder „Über den Dingen stehend“ oder wie auch immer ein sockenstrickender psychologisierender Speaker oder Speakerin dies interpretieren würde.

Elvira bringt einen Caffé. Apropos Elvira … aber wir belassen dies Thema in den Augenwinkeln des Betrachters …

Nemo: „Wir beziehen keine Stellung, absichtlich …“

Interviewer: „Aber wäre das nicht notwendig, ich meine, wenn ich so angegriffen werden würde und so viel auf dem Spiel steht, ich …“

Nemo unterbricht ihn: „Junger Mann …“ Bekannterweise ist dies seine Anrede an den Interviewer, wenn es darum geht, Weisheiten des Managements eine gewisse Überhöhung zu geben … „Junger Mann, kennen Sie den Satz ‘Teile und Herrsche‘?“

Interviewer: „Ja, Machiavelli und Konsorten …“

Nemo: „Sehr gut!“

Interviewer: „Und was hat das mit dem Thema zu tun?“

Nemo: „Wir polarisieren unsere Kunden oder den Markt, eigentlich geht das sogar von allein. Der eine Teil befürwortet unser Produkt, der andere ist dagegen. Wir nutzen dabei den Denkhorizont der Massen, die mangels weiterer Reflexion nur die Einordnung in Richtig und Falsch können.“

Interviewer: „Ja und? Das ist doch normal.“

Nemo: „Genau und wir nutzen das. Was da passiert, hat schon Aristoteles …“

Der Interviewer unterbricht ihn: „Ist doch klar, eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung.“

Nemo lacht mit jenem Lachen, das diejenigen blitzen lassen, die ein weiteres Ass im Ärmel haben …

Nemo: „Es geht nicht um die Wissenschaft, es geht darum, im Ernstfall – so wie hier – Lager aufzubauen, die sich bekämpfen. Dabei nutzen wir die Eitelkeit der Wissenschaftler. Es geht nicht mehr um die Sache, sondern um das Ego der Professoren.“

Interviewer: „Damit ist das eigentliche Thema aus dem Fokus?“

Nemo: „Und deshalb mischen wir uns nicht ein. Wir warten ab, bis das Pulver verschossen ist und machen weiter wie bisher…“

Der Interviewer denkt bei Nemos Worten und Verhalten an den psychologischen Begriff, der hinter Machterhalt steht, es ist die „dunkle Triade„, der Zusammenfall dreier, sozial unverträglicher Eigenschaften: manipulatives Verhalten, Empathielosigkeit und Selbsterhöhung.

Wir wollen das nicht weiter ausführen. Die Geschichte der Menschheit vom Alten Rom bis in die Gegenwart liefert Beispiele für solche Strategien.

Genutzt hat dieser Frevel allerdings nicht. Das Römische Reich ging unter. WMIA Incorporated ist davon weit entfernt. Im Gegenteil.
Die weitere Entwicklung von WMIA Incorporated hören wir nächsten Dienstag.

Doch halt: Es gibt noch andere Ideen zum Management, zum Beispiel die von Goethe:

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