Guter Rat ist schwierig - Folge 59

Nemo hatte jüngst die Berater in Frage gestellt. Das ist nicht ohne für alle Beteiligten. Nicht, dass er nichts von ihnen hielte, nur hat er ein Problem mit ihnen. Auf den Punkt gebracht: Er versteht sie zwar, doch kann er nicht wirklich etwas mit ihnen anfangen. Stichwort Theorie und Praxis ...

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Insofern wurde die Sitzung um eine Woche vertagt, weil … na ja …

So einfach ist das ja nicht, dies Treffen mit den Beratern vorzubereiten. Der Interviewer, der die Berater, die zum Meeting geladen wurden, meist kennt, bot sich an, sich für das anstehende Treffen mit Dr. Nemo sozusagen für ein Briefing zur Verfügung zu stellen. Bei dem Gespräch soll ja was rauskommen. Worum es eigentlich geht, wird allerdings erst später klar.

Die Herren und eine Dame willigten ein. Hier ist die Kurzfassung der Vorbesprechung.

Erschienen waren Herr Dr. Carl von Rund, ein berühmter glatzköpfiger in der Zukunftsstocherer, der freundlicherweise sein Büro zur Verfügung gestellt hatte, Herr Prof. Dr. Albert Nöhle, ein Experte für Führung ohne Struktur, Frau Fredrike Peng, die führende Expertin für die Welt in wilden Zeiten und schließlich Herr Dr. Zoff, der Feingeist und Menschenfreund wie man in seinen Büchern nachlesen kann.
Fast wäre er in der Aufzählung untergegangen, der Herr Dr. Aribert Sturr, der von allen Beteiligten den feinsten Anzug trug, er glänzt nicht nur mit seinem 200-er Baumwollzwirn, sondern er ist der Mann mit der meisten Erfahrung … sagt er.

Also, mitten rein ins Vorgespräch.

Dr. Sturr: „Wir müssen ihm Hands-On Aussagen liefern, keine Philosophien!“

Dr. Zoff: „Das ist zu hemdsärmelig. Wir müssen ihm Kontexte aufzeigen und den Menschen in den Mittelpunkt stellen!“

Frau Peng: „Wir sollten ihm zeigen, wie er denkt und wie man denken sollte!“

Dr. Nöhle: „Es geht doch um den Menschen, das sollten wir herausstellen!“

Dr. von Rund: „Wir sollten ihm Charts vorlegen. Die Zukunft kommt doch unaufhaltsam und zeichnet sich bereits ab!“

So ging es weiter. Der Nachmittag verstrich. Teilweise ging es hoch her. Als jemand auch noch die Effektivität als Credo der Interventionen in Frage stellte, platzte Dr. Sturr der Kragen … Er drohte sogar damit, nicht zu erscheinen, wenn es nicht so läuft, wie er will.

Nun, man kann die Branche auch so zusammenfassen, dass jeder glaubt, das Ei des Kolumbus zu haben und es in seiner Hand so fest drückt, dass es fast zerbricht … was eigentlich auch nicht gar so schlimm wäre, wenn es sich nur um ungelegte Eier drehen würde.

Jemand sagte: „Wir sollten uns auf eine Linie einigen!“

Der Rest des Gespräches lässt sich so zusammenfassen, dass niemand, auch nicht einer den Wald vor lauter Bäumen sah.

Nun denn …

Was die Berater nicht wussten, war, dass der Clown mit Nemo vorher konferiert hatte.

Nemo: „Wie stellen wir das an?“

Clown: „Was?“

Nemo: „Na dieses Meeting!“

Clown: „Was erwarten Sie?“

Nemo: „Ergebnisse!“

Clown: „Ja wirklich?“

Nemo: „Was denken Sie?“

Clown: „Na ja. Wie wäre es, wir spielen den Herrschaften einen Streich?“

Nemo: „Wie das?“

Der Clown erklärte Nemo, dass er auf eine Agenda verzichten sollte.

Nemo: „Warum? Das ist doch üblich!“

Clown: „Ja, aber vielleicht ist das, was schon immer so war, nicht das, was uns hilft?“

Nemo: „Sie meinen, wir sollten denen mal den Boden wegziehen?“

Clown: „Ja, wir werfen sie ins kalte Wasser!“

Nemo: „Sie meinen, wir lassen die mal improvisieren?“

Clown: „Ja, sonst lesen die wieder vom Blatt und legen ihre Bücher aus …“

Nemo: „Wir improvisieren, das kenne ich aus der Musik … das ist Fun und wunderbar … es ist einzigartig. Warum auch nicht, warum nicht improvisieren, warum nicht etwas kreieren, anstelle neue Schläuche mit altem Wein zu füllen. Genügend Brain ist ja vorhanden.“

Nemo war begeistert. Der „Streich“ gefiel ihm.

Nemo: „So machen wir das!“

Dann klopfte er dem Clown auf die Schulter, es war wie ein Ritterschlag, ein liebevoller.

Übrigens als Anmerkung: Der Clown hatte ja zu Beginn der Zusammenarbeit, gesagt, dass sein Preis der wäre, dass Dr. Nemo etwas aufgibt und verliert. Sieht so aus, als ob das jetzt geschieht, ein bisschen jedenfalls.

Elvira, die das Gespräch verfolgt hatte, schlug in dieser guten Stimmung vor, eine schöpferische Pause einzulegen.

Elvira: „Kommt, wir fliegen nach Marettimo auf einen Abend und eine Nacht.“

Das ist ein wunderbarer Gedanke. Elvira ist in diesem stahlharten Kreis so etwas wie ein Korrektiv, eine gute Störerin, eine Freundin der Lust … ne, ne … nicht so simpel. Sie ist eine Freundin der Kreativität, des Findens, eine Eigenschaft, die zwar viele Frauen für sich deklarieren, aber nur wenige an den „Mann“ bringen.

Man flog mit einer Citation M2. „The Citation M2 jet is the ultimate combination of beauty and efficiency. The M2 is the entry level jet that pilots have been asking for“, das ist gerade recht an diesem Abend für Dr. Nemo, den Piloten, der auf dem Driver‘s Seat von WMIA Incorporated sitzt.

Der Jet landete in Trapani, der Heli trug die Gesellschaft auf die kleine Insel. Fortunata, die Gattin Nemos und die Schwester der Freude erwartete sie schon.

Und als es späte Nacht war auf Marettimo, brannte noch oben im Haus ein warmes Licht.

Nemo spielte Klavier … ganz ohne Noten.

Na ja, wir freuen uns auf dieses Meeting mit den Beratern.

Der Bericht folgt … am nächsten Dienstag …

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