Dr. h.c. Any Nemo und das Buch des Clowns - Folge 36

Es ist nun ja nicht so, dass es langweilig wäre im Vorstandsbüro... Jedenfalls nicht bei WMIA Incorporated.
Die Frage, um die es geht, ist die, wie WMIA der Zukunft begegnen will und diese Frage ist wie eine Schnittstelle der denkenden Geister, die sie teilt in die der ungerufenen und der selbst ernannten und die Rufer in der Wüste.

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Es ist nun ja nicht so, dass es langweilig wäre im Vorstandsbüro …
Jedenfalls nicht bei WMIA Incorporated.
Die Frage, um die es geht, ist die, wie WMIA der Zukunft begegnen will und diese Frage ist wie eine Schnittstelle der denkenden Geister, die sie teilt in die der ungerufenen und der selbst ernannten und die Rufer in der Wüste. Oberflächlich betrachtet könnte man daran denken, wie WMIA Incorporated den Change vollzieht.
Das allerdings machen die Komiker schon und ist eigentlich nicht erwähnenswert.

Um es vorweg zu nehmen: Es geht um einen Wechsel im Denken und der Wechsel im Denken ist die Domäne der Clowns… na ja, wir werden sehen…

Der Clown, der geistige Mit- und provozierende Gegenspieler des CEO ist heute nicht anwesend. Er hat einen Auftritt im Kindergarten von WMIA Inc., in der strategischen Planungsabteilung für den talentierten Nachwuchs oder was man dafür hält. Er wird sicher davon berichten, auf jeden Fall sah man ihn mit einer Menge an bunten Jonglierbällen im Meetingroom verschwinden…

Der Interviewer wird wie immer von Elvira, der verzaubernden Fee, deren hinreißendes Outfit diesmal dermaßen gekonnt und seidig gewählt ist, dass es sich einer Beschreibung entzieht oder sagen wir so, sie zitiert sich selbst in ihrer Schönheit, an deren Makellosigkeit nur die wie immer lasziv verrutschten diesmal rosa perlmuttschimmernden Spaghettiträ­ger genau den Anknüpfungspunkt bilden, an den sich die Phantasie des Betrachters lustvoll hängt, aufhängt oder wie auch immer… das ist hier nicht das Thema.

Dr. Nemo erscheint leicht verspätet im Vorstandsbüro, dieses fast heilige Reich, der in Marmor gehauenen Ordnung, zu dem der Zutritt nur wenigen erlaubt ist, es ist sozusagen der Brennpunkt von WMIA Inc., qualmen tut es da reichlich, manchmal jedenfalls.

Nemo ist nicht ganz so gepflegt wie sonst, sieht fast so aus, als hätte er sich die Haare gerauft. Macht ihn ja sympathisch, dass er seinen Kopf benutzt.

Nemo: „Ich hatte noch keine Zeit, das Buch des Clowns zu lesen.“

Er ist aufgebracht….

„So viele Bücher, so viele Meinungen, so viele Doktores und … Was soll ich denn glauben… neue Organisation, neue Hierarchie… wo kommen wir denn da hin … die Berater drehen mir WMIA Inc. durch den Wolf und hinterlassen intellektuelles Hackfleisch…“

Interviewer: „Mmmh…“

Nemo: „Und jetzt auch noch der Clown, na ja. Schauen wir mal rein.“

Er blättert und stutzt.

Nemo: „Keine Seitenzahlen, spinnt der?“

Auf der ersten Seite liest er: „Das Buch über die Zukunft!“

Auf der nächsten Seite steht: To be is to do — Socrates.

Um die nächste Seite zu lesen, muss man das Buch umdrehen: To do is to be — Jean-Paul Sartre.

Dann wieder umdrehen. Nächste Seite: Do be do be do — Frank Sinatra.

Nemo: „Ich kann das nicht ernst nehmen… “

Interviewer: „Was meinen Sie mit ernst?“

Nemo: „Aber mein Herr“ und dabei zog er die Brauen hoch.

Anmerkung des Interviewers: Diese Anrede „Aber mein Herr“ benutzt Nemo immer dann, wenn er nicht weiter weiß… und unterstellt, dass alle gleich denken, dass das, was er denkt, selbstverständlich ist… jedenfalls aus dem gleichen Denkstall kommt.

Nemo: „Warum soll ich das Buch andauernd drehen?“

Interviewer: „Na ja, vielleicht ändert sich beim Drehen ja das Denken, sie kennen das ja… der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann.“

Nemo: „Mmmh…“

Nemo blättert weiter. „Warum hat es keine Seitenzahlen, ich verstehe das immer noch nicht…?!“

Interviewer: „Weil die Zeit nicht gradlinig zählbar verläuft, die Zeit ist kein Adventskalender… das Einzige, was die beiden ge­meinsam haben, ist, dass hinter jedem Türchen, jeder Seite, jedem Tag der Zukunft eine Überraschung steckt.“

Nemo: „Das ist ja das Schlimme.“

Alle anderen Seiten des Buches haben nur eine Zeile, die da lautet: „Ach, ist das so…?“

Die letzte Seite ist ein Spiegel.

Nemo: „Was denkt sich dieser Clown eigentlich?“

Interviewer: „Es geht nicht darum was er denkt, sondern wie er denkt!“

Nemo: „Wie soll ich denn denken?“

Elvira geleitet den Interviewer zum Fahrstuhl. Sie fährt mit ihm mit in die Empfangshalle.
Der Talentworkshop des Clowns hat ein Labyrinth aufgebaut. An jeder Ecke steht ein junges Talent.
„Hier geht’s lang!“, „Nein, hier!“, ruft jemand anderes.

Endlich steht man am Eingang.

Elvira: „Worauf will der Clown hinaus?“

Der Interviewer zuckt mit den Achseln und Elvira hat dieses Lächeln, das nur Frauen haben, wenn die Welt sich auf den Kopf stellt.
Der Clown fährt gerade mit seinem Topolino am Portal vorbei. Eine Fahne flattert auf seinem Dach.

„Na denn, bis nächsten Dienstag!“, sagt Elvira… und der Interviewer freut sich drauf.

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