Die Sterne fallen nicht vom Himmel ... Folge 101

Wenn man durch die marmorne Eingangshalle des Verwaltungsgebäudes von WMIA Incorporated schreitet - einfach nur durchzugehen oder gar zu laufen, wäre ein Sakrileg - dann fliegt einen eine Ahnung an, eine Ahnung von mächtiger Tradition.
Es sind die berühmten heiligen Hallen, die man hier betritt ...

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Es sind die berühmten heiligen Hallen, die man hier betritt und nicht nur die lichte Höhe dieses Foyers macht ehrfürchtig, es ist auch die Bildergalerie der Gründer und Ahnen des Unternehmens, die stumm aber bedeutungsvoll, fast mahnend den Besucher, also unseren Interviewer auf dem Weg zum Vorstandsfahrstuhl begleiten.

Man könnte auf die Idee kommen, dass das riesige Verwaltungsgebäude, auf dem im 127. Stockwerk der Vorstand thront, ein Symbol für WMIA Incorporated, ein Symbol des Wesens, des in Stein gehauenen Selbstverständnisses dieses Unternehmens sei.
Es wäre zu kurz gegriffen, dies nur Architektur zu nennen, es ist die Visitenkarte des Unternehmens.
Das hat Tradition in der Geschichte der Menschheit, deren Granden, Könige, Führer schon immer den Hang dazu hatten, für sich Paläste zu bauen, die so groß waren, dass man sich darin verliert.

Ganz abseitig ist der Gedanke wohl nicht, dass man angesichts der Größe und Pracht dieser Gebäude irgendwie sogar den Verstand verliert, jedenfalls liegt das nahe, wenn man die Erbauer dieses Prunks betrachtet, die ihre in Stein gehauene Macht und ihr Denken damit demonstrieren, übrigens auch heute noch.

Führte man diesen Gedanken weiter in unsere Zeiten, dann sind die Symbole der Verfestigung der Macht nicht nur bei den Granden zu finden, sie sind auch im Kleid aus Blech legitimiert durch die Dienstwagenverordnung, Titel, Hierarchielevel und dergleichen fürstlichen Gehabes zu finden. WMIA Incorporated ist da Marktführer der Tradition.

So herrlich dies alles anzuschauen ist, ist es doch ein mit Marmor gemauertes Gefängnis, ein Gefängnis des Denkens, das seine Aktualität und seinen Anspruch deutlich macht.

Der Interviewer bleibt vor dem in Öl gemalten Bildnis des Gründers von WMIA Incorporated stehen. Unter dem Bild ist eine Messingplatte, auf der in Buchstaben einer alten, heute nicht mehr gebräuchlichen Schrift ein Satz eingraviert ist: „Die Sterne fallen nicht vom Himmel“.

Ein in seiner Schlichtheit nicht zu überbietender Satz, der durch den Kontext, in dem er steht, festgenagelt unter dem ehrwürdigen Bild des Gründers, aufgestellt in der Kathedrale des Unternehmens, dem Verwaltungsgebäude, Gewicht bekommt, gnadenlos. Jedenfalls kann man sich dem nicht entziehen, dem eine Bedeutung zuzumessen. Was in Messing eingraviert ist, in Gegenwart dieser Hallen steht, duldet keine Diskussion. Es ist so wie es ist, es ist die Wahrheit, die es ja eigentlich nicht gibt, die sich hier in einem verhüllten Gewande zeigt und dadurch umso wirkungsvoller auf einen einhämmert.

Der Interviewer stutzt. „Sterne, die vom Himmel fallen“, denkt er „ist das nicht ein Symbol für die Vielfalt des Seins, für das nicht Fassbare … kann man das so einfach wegradieren?“

Nemo sitzt wie immer im Büro. Seit morgens um sechs, genau wie sein Vater, der am Schreibtisch sanft entschlief mit 94 Jahren …

Interviewer: „Die Sterne fallen nicht vom Himmel“, sagte Ihr Ahn … glauben Sie das auch?“

Nemo: „Ich würde noch hinzufügen, dass einem nichts, schon gar nicht ein Stern in den Schoß fällt.“

Interviewer: „Dann ist alles zu 100% erarbeitet, aller Erfolg?“

Nemo: „Ja, Erfolg ist wie das Bauen einer Mauer, Stein für Stein, die Sterne fallen nicht vom Himmel!“

Elvira: „Auch der Erfolg in der Liebe?“

Interviewer: „Mmmh! Gehört nicht auch etwas Talent dazu, zum Erfolg. Talent ist ja das, was einem die Götter geschenkt haben, ist wie ein Stern, der aus dem Himmel in den Schoß fiel …“

Nemo: „Na gut, mag sein, wir suchen ja neuerdings Talente fürs Geschäft.“

Elvira gönnt sich einen Prosecco: „Na denn, Prosit!“

Interviewer: „Wie finden Sie diese talentierten Menschen?“

Just in dem Moment erscheint der neue HR-Projektleiter, ein Herr Dr. Cieche.

Nemo: „Was macht die Talentsuche?“

Cieche: „Wir haben ein neues Testverfahren. Ausgehend von den Noten im Kindergarten wählen wir die Personen aus und dann durchlaufen sie das Programm „Talentfinder“.

Nemo: „Wie sieht die Jury aus?“

Cieche: „Die Jury ist ein Querschnitt durchs Unternehmen. Der dienstälteste Mitarbeiter, der Hausmeister, ein erfolgreicher Steinpilzsucher steht der Jury vor. Unterstützt wird er von Eleonora, Führerin einer Putzkolonne, die das findet, was alle übersehen, ihr zur Seite steht der Chefbuchalter Pisello, der ein Gespür für die Entwicklung des Unternehmens hat und neben anderen haben wir auch den Schäferhund Schnüffel mit dabei, der jedes Mal, wenn er etwas wittert, das Menschen übersehen, mit dem Schwanz wedelt.“

Fortunata, die dem zuhört, weiß ob dieser Aufzählung von Experten nicht, ob sie weinen oder lauthals lachen soll.

Fortunata: „Ihr sucht keine Talente, ihr verhindert sie. Sterne, die vom Himmel fallen, kommen in Eurem Denken nicht vor, vielleicht als Phantasie. Ein Talent zu entdecken, braucht ein Gegenüber, dass ihn ein Talent sein lässt!“

Nemo: „So viel Zeit haben wir nicht, auch noch die Talente zu entwickeln.“

Interviewer: „Mmmh …!“

Elvira: „Sterne fallen doch vom Himmel. Man braucht sie nicht zu suchen, es gibt viele, man braucht nur einen freien Platz in seinem Herzen“. Sie schaut den Interviewer an und ihre schönen braunen Augen leuchten wie Sterne über dem Mittleren Meer.

Dr. Nemo muss zum nächsten Termin.

Elvira, Fotunata und der Interviewer gehen zum Fahrstuhl.

Interviewer: „Elvira, was meinst Du mit dem freien Platz im Herzen?“

Elvira: „Eigentlich meine ich die Freiheit zu denken, die Freiheit, die Scheuklappen der Tradition abzulegen.“

Fortunata: „Ja, so ist es wohl. In meinem Metier der Künste wurde so manches Talent erst nach seinem Tode entdeckt …“

Der Interviewer denkt … Gott sei Dank, dass ich nicht solange warten muss. Ich habe Elvira entdeckt!

Welche Talente er damit meint, das zu schildern passt nicht unter die Datenschutzverordnung.

Es liegt auf der Hand, den Nemo zu fragen, wie es um Freiheit und Entfaltung bei WMIA Incorporated steht. Was er dazu zu sagen hat, das erfahren wir nächsten Dienstag …

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