Uhlmann Pac-Systeme GmbH & Co. KG

Uhlmann Pac-Systeme GmbH & Co. KG

Wie kann flächendeckend eigenes Lean Know-how entwickelt werden, Prozessverbesserungen mit stärkerem Fokus auf Quality | Delivery | Costs und Aufwand & Nutzen erfolgreich umgesetzt und gleichzeitig ein signifikanter monetärer Nutzen daraus generieret werden?

Antworten finden sie in der Bewerbung der Uhlmann Pac-Systeme GmbH & Co. KG für den #LeanBaseAward2022.


Pitch zur Bewerbung zum LeanBaseAward von Uhlmann Pac Systeme GmbH & Co KG

Befähigung durch Lean Six Sigma | Beschleuniger der Uhlmann Lean Transformation

Eric Kalinowski - Uhlmann Pac-Systeme GmbH & Co. KG
Head of Lean Management Office

Gegenstand dieser Bewerbung ist im Allgemeinen die in 2016 gestartete Uhlmann Lean Transformation und im Speziellen das seit 2018 laufende Lean Six Sigma Ausbildungsprogramm.

Unternehmensvorstellung

Uhlmann Pac-Systeme GmbH & Co. KG gehört zur Uhlmann Group und bietet als weltweit führender Systemanbieter Verpackungssysteme, Dienstleistungen und digitale Lösungen für die Pharmabranche an. Uhlmann ist seit über 70 Jahren Trendsetter für pharmazeutisches Verpacken und lebt den Slogan „THE HEARTBEAT OF PHARMA PACKAGING“.

Ausgangssituation - was war der IST-Zustand? | Historie vor 2018

Die ersten Ansätze zur Anwendung der Lean Grundsätze wurden mit externer Unterstützung 2016 gestartet. Inhaltlich bezogen sich diese auf eine Umstrukturierung des Fertigungswerks (ca. 180 MitarbeiterInnen) von einer klassischen Werkstattfertigung hin zu einer Fließfertigung mit einem Zellenkonzept. Eine Fertigungszelle besteht in diesem Fall aus zwei bis vier Fertigungsmaschinen, die ein vordefiniertes Teileportfolio fertigen und idealerweise alle Bearbeitungsschritte in diesem Zellenverbund bearbeiten können.

Da die Vorgehensweise der externen Beratung nicht durchgehend Akzeptanz bei Führungskräften und MitarbeiterInnen fand, wurde Anfang 2017 mit der Einstellung des ersten internen Vollzeit Lean Managers der Startschuss zum Aufbau von eigenem Lean Know-how gesetzt.

Durch diesen Schritt konnte das Fertigungspersonal flächendeckend in den Lean Grundsätzen geschult werden und das erlangte Wissen direkt in der Praxis, in Form von Workshops und Projekten, angewendet werden. Mitarbeitende konnten so ihr Know-how und ihre Ideen einbringen und auch direkt selbst mit umsetzen, was zu einer deutlich verbesserten Akzeptanz der Lean-Ansätze führte.

Welcher Zielzustand wurde angestrebt? | Entwicklung seit 2018

Das strategische Ziel „Etablierung Lean Management“ wurde 2018 in die 3-Jahres-Strategie der Uhlmann Pac-Systeme aufgenommen und sollte ausgehend von den existierenden Systemproblemen folgende Zielstellungen mittelfristig erreichen:

  • flächendeckend eigenes Lean Know-how entwickeln
  • Prozessverbesserungen mit stärkerem Fokus auf Quality | Delivery | Costs und Aufwand & Nutzen
  • mehr strukturierte Problemlösung in Richtung der Grundursachen
  • Veränderungsprojekte nachweislich erfolgreich abschließen
  • dadurch unabhängiger von externer Beratung werden
  • aus all dem gleichzeitig einen signifikanten monetären Nutzen generieren

Wie wurden die Betroffenen zu Beteiligten gemacht?

Bewusst wurden von Anfang an gezielt die Ansätze des Change Managements eingesetzt, um auch die sozialen Aspekte der Veränderung umfänglich zu berücksichtigen. Ziel dabei ist, alle MitarbeiterInnen aktiv in die Veränderungen zu integrieren. Dies gelingt durch das Einbinden einer kritischen Masse und dem Erzeugen eines gemeinsamen Bedürfnisses nach Veränderung, auch emotional.

Um dieses Veränderungsbedürfnis zu erzeugen, wurde u.a. aus der Lean Story heraus (enthält konkrete Beispiele für den internen Handlungsbedarf und Auswirkungen durch sich drastisch ändernde externe Faktoren) auch das zukünftige Zielbild in Form der Uhlmann Lean Vision erarbeitet und kaskadiert im Dialog kommuniziert. Als wesentliches Element zum Erlangen der notwendigen kritischen Masse wurde ein großangelegtes Lean Six Sigma Ausbildungsprogramm initiiert.

Neben der flächendeckenden und hierarchieübergreifenden Qualifizierung in Form der international bekannten Belt-Levels, gilt es auch einen klaren Lean Business Case zu realisieren. So sind seitdem pro Geschäftsjahr mindestens 1 Mio. € Nettonutzen in Form von realisierten Lean Six Sigma-Projekten zu generieren.

Diese Veränderungsprojekte werden im Wesentlichen durch die Black Belts & Green Belts und mit der Unterstützung der Silver Belts in der Rolle als Projektsponsoren umgesetzt. Die Umsetzung dieser Projekte erfolgt systematisch nach der DMAIC-Logik (Define, Measure, Analyse, Improve, Control) und die generierten Effekte werden am Ende des Projekts durch die verantwortlichen Prozesseigner und das Controlling bestätigt.

Bewusst wurden diese Projekte nicht nur in den Produktionsbereichen gestartet, sondern auch in indirekten Bereichen wie dem Customer Service, After Sales, der Auftragsabwicklung, der Entwicklung oder dem Supply Chain Management, etc.

Mit der aktuell laufenden dritten und letzten Ausbildungswelle sind nun ca. 90% der Unternehmensbereiche direkt oder indirekt in das Ausbildungsprogramm und dadurch in die Uhlmann Lean Transformation involviert. Insgesamt wurden bereits über 350 Fach- und Führungskräfte qualifiziert und 20 Black Belt Projekte erfolgreich umgesetzt (Stand: 11/2021 – inkl. Folgeprojekte). Dadurch breiten sich Mindset & Toolset auf allen Unternehmensebenen wie beabsichtigt aus und das alles trotz einer Corona-Zwangspause für diese Trainings von Oktober 2020 – Juni 2021.

Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um diese Aktivitäten nachhaltig zu machen?

Da es auf Dauer jedoch nicht ausreicht Lean nur punktuell in Form von Leuchtturmprojekten anzuwenden und einzelne Methoden zu implementieren, wurden ab 2020 die nächsten logischen Schritte in der Lean Transformation eingeleitet.

Dies führte zunächst zur Formierung eines Lean Management Office (LMO), mit 3 zentral agierenden Lean Managern. Diese arbeiten strategisch/taktisch und steuern die operative Umsetzung in den Fachbereichen als Unterstützer, Befähiger und freundliche „Treiber“.

Das LMO verfügt mittlerweile über ein internes Qualifizierungsprogramm, das aktuell aus 8 verschiedenen Lean Trainings besteht. Diese sind inhaltlich in die drei Säulen „General“, „Administrations“ und „Operations“ gegliedert. Zielgruppe dabei ist die gesamte Organisation von den Azubis bis zur Geschäftsführung und beinhaltet diesbezüglich auch ein verpflichtendes eLearning (jährliches Update).

Parallel dazu wurden dezentral organisierte Lean Experten als Multiplikatoren entwickelt, alle samt Black oder Green Belts. Diese bilden die Schnittstelle in das LMO und involvieren wiederum ihre KollegInnen in die kontinuierliche Verbesserung. Dies dient der Nachhaltigkeit der erreichten Erfolge und der Weiterentwicklung des Lean Systems.

Seit Herbst 2020 werden jährlich sogenannte Lean Assessments durchgeführt, in denen anhand von 25 Bewertungskriterien der Lean-Reifegrad der Organisation gemeinsam mit den Führungskräften bewertet wird und woraus individuelle Entwicklungspläne für die Fachbereiche entstehen.

Im größten Organisationsbereich des Unternehmens, dem Montagebereich für Verpackungsmaschinen, wurde Shopfloor Management über vier Kaskaden und unter Einbezug der Supportbereiche (v.a. Qualität, Einkauf, Entwicklung) eingeführt. Dieses Pilotprojekt dient als Blaupause für einen mittelfristig flächendeckenden Roll-out.

Der klassische Mitarbeiter-KVP, den es bereits seit Mitte der 2000er Jahre bei Uhlmann gibt, erfährt aktuell eine grundlegende Erneuerung. Diese hat zum Ziel die Beteiligungsquote wieder deutlich zu steigern und den gesamten Prozess „state of the art“ auch digital in JIRA abzubilden.

Wie geht die Uhlmann Lean Transformation weiter?

Mit der seit Frühjahr 2021 existierenden neuen Uhlmann Group Strategy “4ward25“ werden die begonnen Lean-Aktivitäten konsequent fortgeführt. Prozess-Exzellenz bildet dort eine der vier Strategiedimensionen und ist mit konkreten Zielen und durch Strategieprojekte operationalisiert worden.

So wird z.B. das Thema (Lean) Leadership als Wegbereiter für Spitzenleistung und der Weiterentwicklung der Unternehmenskultur als eines der wesentlichen Strategieprojekte umfassend angegangen. Dort geht es dann unter anderem auch darum, das Unternehmen an gemeinsamen Zielen auszurichten und mit Hilfe der Lean-Ansätze die Durchlaufzeiten über alle Hauptprozesse um 50% zu reduzieren.

Dies bedingt zwangsläufig eine deutliche Verbesserung der operativen Systeme hin zu einem ganzheitlichen und globalen Wertschöpfungssystem und erfolgt durch mehrere weitreichende Strategieprojekte, die hier nicht näher genannt werden können, sich aber bereits in der Umsetzung befinden.

Video: Fokus technische/wirtschaftliche Aspekte der Uhlmann Lean Transformation (30 Minuten + Q&A)